Wortfluss
Das Water& Sound Festival ist seit dem 23. Juli in vollem Gange. Ein Literaturhöhepunkt mit Rupinder Kaur Waraich hat bereits stattgefunden.
Am 29. Juli war die in Birmingham geborene Panjabi- Dichterin Rupinder Kaur Waraich in der Stadtbücherei zu Gast. Ihre Arbeit umfasst vieles – Poesie, Performance, Theater und Film. Am 29. Juli las sie Gedichte aus ihrem Band »Tigress with Wings«, Gedichte über Liebe, Religion, Politik und vielem mehr. Die Themen Identität, Gesellschaft, Beauty-Standards, Sexualität und das Aufwachsen als Mädchen, kombiniert mit der Faszination von Wasser, ziehen sich jedoch wie ein roter Faden durch ihre Poesie.
»I wanted to understand the world better«
Angefangen mit Rupinder Kaur Waraichs Geschichte, wie sie zum Schreiben kam, welche Kunstformen sie verwendet und die Bedeutungen ihrer Poesie, erzählte sie auch, wie die Präsenz weiblicher Künstler*innen wie Frida Kahlo, aber auch die Beziehung zu ihrer Mutter und anderen Frauen in ihrem Leben, ihre Kunst prägte. Die Gedichte selbst tragen, mithilfe dramaturgischen Stils, sanft durch verschiedene Stimmungen. Von heiteren Texten, wie »Good Girls«, in dem sie ihre Stimme verstellend »Highschool Memorys« eines Teenagers verarbeitete, bis hin zu ruhiger, sentimentaler Lyrik wie »return to the water«. Wasser verwendet Rupinder Kaur Waraich oft als Metapher. Sie beschreibt ihre Faszination mit den Worten »the water allows the words to flow«.
Außerdem erläutert Rupinder Kaur Waraich in ihrer Kunst die Zusammenhänge der Flüsse von Panjab und ihren Geschichten von Migration, kolonialen Verflechtungen und Gewalt an Frauen: »violence against women is violence against the water ways in Panjab«.
Immer wieder kam es im Raum der Stadtbücherei zu Gesprächsanregungen und Fragen an die Künstlerin. Ihre Art und Weise zu erzählen und die in ihren Gedichten behandelten Themen zogen in den Bann und sorgten für Denkanstöße und reichlich Gesprächsstoff.
»water is a connector«
Zwischen Konzerten mit internationalen Künstler*innen, Lesungen, Führungen zum Welterbe und vielem mehr, findet man immer wieder den Dreh- und Angelpunkt des Festivals, »The Tea Chariot« in der Dominikanerkirche, eine Kunstinstallation von Rafram Chaddad, Amelie Seeger und Sebastian Giussani.
Im Zentrum steht dabei eine lebende Teepflanze, umschlossen von einem sogenannten »Wardian Case«. Der geschichtliche Hintergrund dieses antiken Terrariums ist ins 19. Jahrhundert zurückzuführen. Die Briten transportierten damals Tee über bestimmte Wasserrouten von Indien nach Europa. Um die Pflanzen zu schützen, wurde der Wardian Case gebaut. Das Thema Wasser, Handelsrouten und der miteinhergehenden Geschichte von Kolonialismus und Macht, steht im Mittelpunkt des gesamten Water& Sound Festivals. Neben der historisch bedeutsamen Teepflanze kann man in der Dominikanerkirche deshalb auch durch den Raum gezogene Linien am Boden erkennen. Sie sollen eine Weltkarte mit den eingezeichneten Wasserwegen darstellen, die für den Transport von Teepflanzen genutzt wurden. Im Fokus der Weltkarte stehen dabei Indien und Europa. Wenn man den Kopf wieder vom Boden hebt, findet man außerdem selbstgebaute Klanginstallationen im hohen Saal der Dominikanerkirche. Sie sollen die Entwicklung der Telegrafie entlang von Wasserwegen darstellen. »The Tea Chariot« ist noch bis zum 1. August zu sehen, außerdem gibt es am Freitag, den 31. Juli noch die Möglichkeit, den Tee-Workshop »Tasting Geographies« innerhalb der Ausstellung zu besuchen.
Das weitere Programm des Water & Sound Festivals unter: www.waterandsound.de
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