Zum Interview trafen wir Stephanie Schmid bei einem ihrer Kunden, der Schrebergartenwirtschaft »Im Garten« auf der Perzheimwiese im Augsburger Thelottviertel. Die Brauerei Ustersbach hat viele Gastrokund*innen, jedoch nur einige Gasthäuser im Eigentum. Neben dem weithin bekannten Bräustüble beim Brauhaus gehören die Holzkohle-Grillrestaurants FeuerWerk in Augsburg neben der City-Galerie sowie in Fischach und das Landgasthaus Leuthau mit seinen Fischspezialitäten in idyllischer Lage an der Wertach bei Schwabmünchen dazu. Nach dem Gespräch kam der Durst.
Ein Leben ohne Kühe
Viele der qualitativ hervorragenden Produkte unserer Region werden in kleinen aber auch größeren Familienunternehmen erzeugt. a3kultur stellt in der Reihe »Haus(ge)macht« einige dieser Betriebe vor. Im ersten Teil: Der Pfänder-Hof in Schwabmünchen gilt seit Jahren als einer der besten Gemüseproduzenten der Region.
Im Zuge einer Flurbereinigung in Schwabmünchen 1967 erweiterte Xaver Pfänder seinen Hof, den 1983 sein Sohn Hans Pfänder übernahm. Heute leben drei Generationen auf dem großzügigen Gelände des freundlich einladenden Pfänder-Hofs.
Inklusive der gepachteten Äcker werden derzeit 58 Hektar bewirtschaftet. Die Eltern von Hans betrieben noch Milchviehhaltung. Heute liefern Kühe eine Jahresleistung von 10.000 bis 12.000 Liter Milch. »Das ist Wahnsinn, so eine Kuh lebt nicht länger als fünf Jahre«, entrüstet sich Hans Pfänder. Wird doch eine Kuh unter normalen Umständen mindestens zwanzig Jahre alt.
Die Frage der Nachfolge steht immer im Raum
Schon 1984 wurde mit dem Anbau von biologischem Gemüse und Getreide begonnen und bereits ein Jahr später startete die Zusammenarbeit mit dem Bioland-Verband. Hans Pfänder erinnert sich: »Für meinen Vater war das alles sehr schlimm. Der dachte nur, ich mache den Hof kaputt.« Diese Probleme gab es bei der Übergabe an seine Söhne Johannes und Florian nicht. Beide teilen sich den Hof mit seinem viehlosen Ackerbaubetrieb zu gleichen Teilen. Die Schwiegertöchter kümmern sich um den Hofladen und um das Finanzielle. Zwei der Töchter arbeiten im Angestelltenverhältnis, nur die dritte hat sich weitgehend herausgenommen. Insgesamt gehen hier sieben Enkelkinder ein und aus – definitiv ein Mehrgenerationenhof. »Es ist so«, sinniert der Landwirt, »ich habe nur angefangen, was die Kinder jetzt konsequent und auf ihre Art fortführen. Man hat eigentlich immer die Nachfolge im Hinterkopf.« Zum Glück ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Nachfolge wieder aus den eigenen Reihen kommt, sehr groß. Pfänder blickt zurück: »Als Johannes und Florian den Betrieb übernommen haben, ging es richtig bergauf. Als die beiden aus ihren Lehrbetrieben zurückkamen, standen zwei tolle Arbeitskräfte mit enormem Fachwissen zur Verfügung. Ich war vorher fast mit allem alleine«, so der Bio-Landwirt. Seitdem wurden einige große Maschinen angeschafft. Na klar, manchmal menschelt es auch. »Wir sind nicht jeden Tag gleich, aber zwischen uns herrscht Vertrauen. Ich habe meinen Kindern reichlich Freiheit zugestanden und unser Verhältnis war und ist sehr ausgeglichen. Die Übergabe des Hofes an mich war damals nicht so harmonisch.«
Die Pioniere der Bio-Bauernhöfe hatten es besonders schwer
Der Vater von Hans hatte beinahe alles noch mit der Hand gemacht. Spritz- und Düngemittel waren zu dieser Zeit eine große Errungenschaft und Erleichterung für ihn. Nach der Umstellung des Hofes durch Hans waren Spritzmittel passé. Für den Vater glich das dem Untergang. »Zu dieser Zeit gab es noch keine Beratungen für Bauern, die den Hof auf bio umstellen wollten«, blickt Hans zurück.
Vor vielen Jahren hat sich Hans Pfänder bezüglich der Gemeinwohl-Ökonomie einmal selbst überprüft. »Damals gab es diesen Begriff noch gar nicht«, meint er, »ohne spezielle Anstrengung waren wir wirklich gut dabei.« Die Frage nach dem Wohlsein aller betroffenen Akteure und Strukturen war von Anbeginn zutiefst in der Haltung des Landwirts und seiner Familie verankert – keine extra Anstrengung, sondern es wurde immer so gelebt. Je nach Anforderung der Saison und wer gerade Zeit hat, arbeiten circa dreißig Mitarbeiter inklusive zweier Lehrlinge auf dem Hof. »Natürlich gibt es wettertechnisch immer Schwankungen, das begünstigt oder beeinträchtigt unseren Anbau und unsere Ernte. Extreme Ausfälle hatten wir jedoch nie. Wir haben so viel Erfahrung und Wissen, dass wir auch mit Schwankungen gut klarkommen.«
Die Zukunft ist jetzt
Wo sehen sich Johannes und Florian in zehn bis zwanzig Jahren, wenn alles richtig gut läuft? »Wir wollen flexibel genug bleiben, um auch bei Unwägbarkeiten, zum Beispiel der klimatischen Verhältnisse, mithalten zu können. Wir inspirieren und ergänzen uns und wir teilen die Verantwortung. So soll es bleiben.« Hans denkt nicht in Jahrzehnten. »Für mich ist dieser Moment schon jetzt und mich erfüllt tiefe Dankbarkeit für alles, was durch uns entstehen konnte. Ich habe nur den Anfang gemacht.« 2019 wurden der Pioniergeist von Hans Pfänder und die hervorragende Arbeit der Familie mit dem Bundespreis Ökologischer Landbau des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft ausgezeichnet.
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