Zum Haare raufen
Haarscharf kuratiert – ein Ausflug in die Kunsthalle München lohnt sich.
Von außen gibt sich die Kunsthalle München betont zurückhaltend – wer jedoch eintritt, wird schnell eines Besseren belehrt. Die aktuelle Ausstellung HAAR – MACHT – LUST hat sowohl in ihrem Umfang als auch in der Großzügigkeit der Räumlichkeiten positiv überrascht. Auf einer beeindruckenden Werkschau mit über 200 Exponaten aus internationalen Sammlungen – darunter Leihgaben aus dem Prado, dem Louvre und dem Rijksmuseum – wird das menschliche Haar zum Ausgangspunkt einer ebenso klugen wie sinnlichen Reise durch Kulturgeschichte. Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Videoarbeiten und Couture-Kreationen spannen einen Bogen von der Frühgeschichte bis in die Gegenwart. Was die Ausstellung besonders macht, ist die Tiefe, mit der ein auf den ersten Blick vermeintlich banales Thema aufgefächert wird: Haar als Zeichen von Macht und Unterwerfung, als erotisches Objekt, religiöses Symbol und politisches Statement – vom Afro-Look als Ausdruck schwarzer Selbstermächtigung bis zum unbedeckten Haar iranischer Protestierinnen. Werke von Botticelli, Mucha und Waterhouse treffen auf zeitgenössische Positionen wie Laetitia Ky (Foto) oder Pieter Hugo. Eine Ausstellung, die nachhallt – unbedingt empfehlenswert. Noch zu sehen bis Sonntag, 4. Oktober.
Weitere Informationen: www.kunsthalle-muc.de