Ausstellungen & Kunstprojekte

Zeichnen und Schreiben Hand in Hand

Günter Grass »Ich bin dabei gewesen« © Günter und Ute Grass Stiftung / Foto: Josef Lochner

Günter Grass – bedeutender Schriftsteller, aber ebenso bildender Künstler. Einen Einblick in dieses Werk gibt eine Ausstellung in der Dachauer Galerie Lochner.

»Ich zeichne immer, auch wenn ich nicht zeichne, sondern gerade schreibe oder konzentriert nichts tue.« So umreißt Günter Grass (1927–2015) sein Tun als Schreibender, als Zeichnender. Für viele Besucher*innen der Galerie Lochner in Dachau sicher eine überraschende Entdeckung: Die mit großer Fülle punktende Ausstellung offenbart, dass Grass, einer der wichtigsten Autoren des 20. Jahrhunderts, auch in der bildenden Kunst zuhause war – und dies durchaus professionell. Nach einer Steinmetz-Ausbildung studierte er an den Kunstakademien in Düsseldorf und Berlin, wo er 1956 sein Studium als Meisterschüler des Bildhauers Karl Hartung abschloss.

Grass’ bildnerische Arbeiten sind eng mit seinem literarischen Werk verzahnt, vieles wurde sogar als Illustration seiner Bücher geschaffen, da verwundert es nicht, dass er konsequent gegenständlich gearbeitet hat. So verweisen die Blätter der Mappe »Die Box. Dunkelkammergeschichten« auf den gleichnamigen Roman von 2008. Wie bei den »Zwiebeln mit Buchstaben« oder dem fatalen Blatt »Ich bin dabei gewesen« lassen sich auch autobiografische Bezüge herstellen. Grass, 1999 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet, galt über viele Jahre hinweg als intellektuelles Gewissen der Bundesrepublik. Sein spätes vages Eingeständnis jugendlicher SS-Zugehörigkeit und ein kaum erträgliches Gedicht zur Iran-Politik Israels kratzten jedoch empfindlich am Bild des makellosen Mahners.

Grass war sicher kein Vertreter einer Avantgarde, und seine freundlich aquarellierten Landschaften und Stillleben, hier als Original und Algrafie, kommen über Gefälligkeit kaum hinaus. Ganz anders hingegen seine plastischen Arbeiten wie die »Unke« und seine nahezu karikaturhaft anmutenden grafischen Arbeiten, hier zeigen sich Interesse am Dinglichen, Freude am Erzählen, ein fokussierter Blick und nicht zuletzt handwerkliches Können. Facettenreich und sehenswert. Die in Kooperation mit der Günter und Ute Grass Stiftung entstandene Ausstellung ist noch bis zum 27. September zu sehen. Alle Arbeiten können erworben werden, darunter einige Blätter für außergewöhnlich günstige 99 Euro. Auf Grass folgt dann im Herbst ein Beuys-Schüler: Der Maler Norbert Tadeusz.

Ein Besuch in der Galerie Lochner lässt sich wunderbar mit einem Exkurs in die wenige Schritte entfernte Gemäldegalerie und das Bezirksmuseum verbinden. Die neue Sonderausstellung der Gemäldegalerie widmet sich ab dem 16. September den Künstler*innen der Gruppe »Scholle«, die ihre Motive in Dachau, dem umliegenden Moor und in Holzhausen am Ammersee fanden (bis 14. Februar 2027). Ergänzend beleuchtet eine Tagung vom 18. bis 20. September in Holzhausen die dortige Künstlerkolonie.

Das Bezirksmuseum hingegen widmet sich der regionalen Alltagskultur, wobei die Dauerausstellung mit wechselnden Themenausstellungen ergänzt wird. Aktuell stehen unsere Sinne im Fokus, unsere Wahrnehmung. Beim Gang durch das Haus bleibt der Blick immer wieder an mit pinkfarbenem Klebeband befestigten Statements zur Bedeutung der Erforschung von Alltagskultur hängen. Hintergrund: Die Stadt und der Landkreis Dachau planten seit Jahren ein großes »Museumsforum« in einer ehemaligen Papierfabrik am Fuße der Altstadt; mit ins Boot kam der Bezirk Oberbayern. Doch nun ist alles Makulatur, der Bezirk Oberbayern ist raus, die Finanzierung perdu. Das bringt die Dachauer Museen, die im Hinblick auf das neue Forum Neuausrichtung und Modernisierung ihrer Häuser gebremst hatten, in große Bedrängnis. Für die nächsten beiden Jahre scheint ihre Finanzierung gesichert, aber danach, wer weiß …

www.galerieka7.de 
www.dachauer-galerien-museen.de 

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