Jazz
Theater & Bühne

Der wilde Taumel der 20er Jahre

Tanz auf dem Vulkan
a3kultur-Redaktion

»Die Welt dreht sich immer schneller, und wir drehen uns mit, auch wenn uns davon schwindelig wird.« – Am 16. Oktober tauchte die Theaterwerkstatt Augsburg den Jazzclub in das goldene Licht der 1920er Jahre. 

Mit der Premiere der musikalischen Theaterperformance »Tanz auf dem Vulkan« schafften die Darsteller*innen Daniela Nering und Matthias Klösel, Regisseurin Gianna Formicone und musikalische Begleitung Fred Brunner eine Zeitkapsel zwischen Nachkriegselend, Wirtschaftskrise, das Anbahnen der Machtübernahme der Nationalsozialisten und die Realitätsflucht in den Jazz. 

Der rote Faden der Theaterdarstellung ist die enge Freundschaft zwischen Anton und Erika. 

Erika sucht nach Ende des ersten Weltkrieges ihr Glück in Berlin, Anton bleibt im kleinen Augsburg. 

Genau diese Wohnunterschiede zwischen Bayern und Berlin wurden zum Dreh- und Angelpunkt. Erika ging in Berlin auf, sie tanzte und genoss die goldene Zeit, auch die Frauenrechtsbewegung wurde für sie spürbarer.

Währenddessen verstand Anton in Augsburg die Welt nicht mehr, verstand Erika nicht mehr. Seine Frustration wurde größer, die Wut auf Politiker, die Wirtschaft und das Elend nahm ihn ein, wodurch er immer mehr auf Veränderungen durch Hitler hoffte.

Dieser Handlung wurden verschiedene geschichtliche Ereignisse und Referenzen angehängt, wie die erste Ausstrahlung von »Nosferatu«, die 1922 in die Kinos kam, Brecht oder der »Ludwigsbau«, ein ehemaliger Konzertsaal in Augsburg. 

Durch diesen besonderen Stil – Das »Entlanghangeln« an Ereignissen und regionalen Geschichten, kombiniert mit den fortschreitenden Differenzen zwischen Erika und Anton wurde am Abend des 16. Oktobers die Vergangenheit zur Gegenwart. 

»Tanz auf dem Vulkan« handelt somit nicht nur von den rein politischen Ereignissen der Nachkriegszeit, das Stück zeigt auf, wie es zwei Individuen in dieser Zeit erging, Zuschauer*innen konnten sich in deren Unsicherheit, Angst, Wut und Verzweiflung hineinversetzen. 

Trotz dieses eher schweren Inhalts fehlt dem Ensemble nicht der Sinn für Humor. Mit einer subtilen Prise davon, der Gradwanderung zwischen Komik und politischen Krisen, dem Gesang von Matthias Klösel und Daniela Nering, der etwas an Nina Hagen erinnert, sorgten sie zusammen mit Fred Brunner für Jazz der 1920er vom Feinsten und einen rundum gelungenen Abend.

Weitere Vorstellungen finden am 30. und 31. Oktober und am 20. November statt. 

Weitere Informationen unter: jazzclub-augsburg.de

 

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