Was würde Freddie Mercury dazu sagen?
Zum Abschluss des pride month: ein Kommentar zur aussterbenden queeren Clubszene.
Weltweit steht der Juni für den politisch wichtigen »pride month«. Queere Eventreihen wie der »Christopher Street Day« oder »Lovepop« zählen mittlerweile (nicht nur) in Augsburg zu festen Traditionen und Veranstaltungen in diesem Monat, die nichtmehr wegzudenken sind. Die politische Hintergrundgeschichte dieser etablierten Events gerät jedoch immer mehr in Vergessenheit.
Mit dem Stonewall- Aufstand 1969 begann die wohl revolutionärste Phase für die queere Community. Er war die Geburtsstunde für immer größer werdende Präsenz der LGBTQIA+- Gemeinschaft, dementsprechend eröffneten ab den 80er Jahren immer mehr »Gay« – Clubs und Bars in den Städten, auch in der regionalen Kulturstadt Augsburg fanden Stammlokale, wie das »Kerosin« seinen festen Platz.
Was auf den ersten Blick positiv erscheint, hat jedoch den bitteren Beigeschmack, dass es extra vorgesehene Lokale waren. Homophobie war zu dieser Zeit, trotz des Kampfes um Sichtbarkeit, leider immernoch salonfähig und queere Personen mussten sich aufgrund ihrer Identität in eigenen Vierteln und Lokalen verstecken. Das Nachtleben war ein Ausweg, eine Flucht aus der Realität, bestehend aus Angst und Anfeindungen.
Trotz alledem wurde diese Szene zu einer ikonischen Clubkultur. Bunte Farben und Toleranz für alle. Aus Hass und Ausgrenzung wurde ein Platz geschaffen, der genau das nicht mehr zuließ. Vielfältigkeit, Sichtbarkeit und Authentizität prägte diese einzigartigen Viertel. Queere Locations boten außerdem die Möglichkeit, sich ohne Angst vor Missbilligungen zu vernetzen und auch das Partner*innen Finden wurde um Einiges einfacher.
Werden feste Treffpunkte nichtmehr gebraucht?
Über Jahre hinweg erkämpfte sich die LGBTQIA+-Community immer mehr ihren Platz in der breiten Gesellschaft. Die große revolutionäre Zeit hat Früchte getragen, queere Menschen müssen mittlerweile nichtmehr in »eigene« Lokalitäten untertauchen und bildeten große Netzwerke, die den Zusammenhalt und die Präsenz stärkten. Auch wenn das natürlich ein großartiger Schritt in die richtige Richtung ist, kann man stetig dabei zusehen, wie die ikonische queere Clubkultur immer weiter ausstirbt. Auch in Augsburg findet man kaum noch Örtlichkeiten dieser Art. Kleine kultige Viertel wurden zu großen Eventreihen, die zwar größer und politisch sichtbarer sind, jedoch auch nicht ganz so regelmäßig stattfinden.
München als Vorbild
Wenn man einen Blick in Metropolen wie zum Beispiel München wirft, sieht es noch ganz anders aus. Das Glockenbachviertel am Sendlinger Tor ist berühmt als queeres Viertel und hat seinen festen Platz in der Münchner Kulturszene. Mit der Zeit entstanden dort zahlreiche Bars, Cafés, Clubs und Beratungsstellen, die bis heute das Herz der Münchner LGBTQIA+-Community bilden. Der kulturreiche Stadtteil war über Jahrzehnte Treffpunkt für Künstler*innen, Aktivist*innen und Persönlichkeiten wie Freddie Mercury, der während seiner Münchner Jahre regelmäßig im Glockenbachviertel unterwegs war.
Bei diesem heiklen Thema sollte man natürlich die Vor- und Nachteile abwägen. Der stetige Rechtsruck in unserer Gesellschaft könnte vielleicht bewirken, dass wir durch die Aufrechterhaltung der queeren Clubszene wieder zurückrutschen, zurück in die Zeit, in der die LGBTQIA+- Community zurückgedrängt wurde und dadurch möglicherweise wieder an Sichtbarkeit verliert.
Auf der anderen Seite könnte sich Augsburg ein Beispiel an München oder Berlin nehmen. Wunderschöne, bunte Viertel und legendäre Szenen, die teilweise weltweit bekannt sind und ein unverzichtbares Stück Kultur darstellen. Traditionsreiche, queere Clubszenen dürfen nicht aussterben, denn mit ihnen stirbt die Erinnerung an revolutionäre Geschichte. Die Geschichte des langen Kampfes um Akzeptanz und Sichtbarkeit.
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