Vorzeigedepot
Die a3kultur-Redaktion hat Sammlungszentren unserer Kulturregion besucht, um sich ein Bild davon zu machen, wie professionelle Depotarbeit aussieht und was Augsburg daraus lernen kann. Eine Dokumentation von Malte Günther
Das Sammlungszentrum in Friedberg zeigt, wie eng Depot- und Archivarbeit miteinander verwoben sind. Auf rund 1.200 Quadratmetern wurde ein Neubau entworfen, welcher etwa 30.000 Objekte zur Friedberger Stadtgeschichte beherbergt. Seit elf Jahren besteht das Zentrum; die Baukosten beliefen sich auf rund zwei Millionen Euro – eine Größenordnung, die sich mit dem Nördlinger Sammlungszentrum vergleichen lässt. Jörg Adam, für die Betreuung des Sammlungszentrums zuständig, zeigte sich begeistert vom öffentlichen Interesse: Die Führungen, die an besonderen Tagen angeboten werden, werden gut angenommen, und die Arbeit findet dadurch auch die Wertschätzung, die sie verdient. »Man arbeitet hier mit den Gegenständen«, wie Adam es formuliert. Die Archivierung und Dokumentation des Bestands erschließt einen Zugang zu Geschichte, der im Museumsbetrieb oft untergeht. Beide bisher vorgestellten Sammlungszentren verfügen über explizite Räumlichkeiten für diese Arbeit: genug Platz, um Objekte zu fotografieren, zu restaurieren und für die Lagerung vorzubereiten. Das Prinzip lautet: funktional und nachhaltig. Aussortiert wird nur, wenn andere Einrichtungen einen konkreten Nutzen aus einem Objekt ziehen können – so wanderte beispielsweise ein Orden aus dem Friedberger Bestand nach Ingolstadt, erzählte uns Dr. Alice Arnold-Becker, Museumsleiterin des Museums im Wittelsbacher Schloss. Die modulare Bauweise des Zentrums gewährleistet, dass spätere Erweiterungen möglich bleiben. Eine Besonderheit in Friedberg: Das Sammlungszentrum beherbergt auch das Stadtarchiv. Stadtarchivar Matthias Lutz bearbeitet alle möglichen stadtgeschichtlichen Dokumente direkt vor Ort – und hat durch den Neubau überhaupt erst die nötigen Voraussetzungen für eine ordentliche Archivierung erhalten. Früher, so erzählt er, landeten Dokumente nicht selten auf dem Dachboden. Für historisch wertvolle Überlieferungen offensichtlich keine ideale Lösung.
www.wittelsbacher-schloss-friedberg.de
Lesen Sie hierzu gerne auch den gesamten Beitrag »Die Kunst hinter der Kunst«