Politik & Gesellschaft

Rummelbude?

a3kultur-Redaktion

Das Gaswerkareal funktioniert als Festivalgelände. Im Alltag zeigt der Kulturort jedoch massive Schwächen. Das muss sich ändern. Ein Kommentar von Jürgen Kannler

Zunächst einmal ist es zu begrüßen, dass der öffentliche Personennahverkehr in unserer Stadt nicht von den Macher*innen des City Clubs, der Kantine oder dem Schöne Felder e.V. organisiert wird.

Diese Kulturakteure haben auf diesem Gebiet nämlich keine Expertise. Sie können dafür andere Dinge. Zum Beispiel Kunstprojekte im öffentlichen Raum organisieren, Ateliers und Ausstellungsräume in die Innenstadt zaubern, Bands für Open-Air-Konzerte buchen, Clubprogramme kuratieren, eine diverse Türpolitik erarbeiten oder erfolgreich Bars betreiben.

Die Stadtwerke Augsburg (SWA) liefern unserer Region gutes Trinkwasser, haben ein funktionsfähiges Bike- und Carsharing-System installiert, unterhalten ein vergleichsweise teures, jedoch auch zuverlässiges ÖPNV-Netz, handeln professionell mit Energie und geben diese verlässlich an die Bürger*innen ab. Die Stadtwerke beschäftigen jedoch keine Expert*innen in den Geschäftsbereichen von City Club, Kantine oder Schöne Felder e.V. Trotzdem betreibt das stadteigene Unternehmen mit dem Gaswerkareal das größte als Kulturort ausgewiesene Gelände der Region. Was fällt uns dabei auf? Richtig, die Stadtwerke befassen sich mit Dingen, von denen sie nichts verstehen. Nämlich dem strategischen und inhaltlichen Aufbau sowie dem Betrieb eines Kulturortes, der eigentlich Impulsgeber für die gesamte Region sein sollte.

Die verantwortlichen SWA-Mitarbeiter*innen für das Gaswerkareal sind wohl versierte Immobilienverwerter*innen und haben Erfahrung im Management großer Gebäude und Flächen. Auch wird ihnen niemand eine persönliche Leidenschaft für das industriehistorisch wertvolle Gelände absprechen. Und dennoch, sie haben es in den letzten Jahren nicht geschafft, eine wirklich alltagstaugliche Infrastruktur vor Ort zu schaffen. An mehr als 300 Nächten im Jahr herrscht auf dem Gaswerkareal gespenstische Ruhe und tagsüber staubige Öde.

Die SWA-Meldung, dem Mangel an gastronomischen Möglichkeiten mit der Aufstellung eines Getränkeautomaten auf dem Areal entgegenwirken zu wollen, offenbart die Hilflosigkeit der Verantwortlichen. Ihr Appell, der Entwicklung des Geländes mehr Zeit zu geben, ist verständlich, vor allem angesichts der Tatsache, dass sie sich beim Versuch, Leben in den Alltag des Areals zu bringen, auf weitgehend fremdem Terrain bewegen. Dabei würde ein Blick über den Gartenzaun genügen, um zu erleben, wie ein Kreativzentrum mit vergleichbaren Kapazitäten an Atelier- und Übungsräumen in kleinen, aber raschen Schritten seine Attraktivität für die Mieter*innen, die Nachbarschaft und auch Besucher*innen stetig steigert. Die Kulturpark-West-Macher*innen haben mit den Tanz- und Musikstudios in ihren vor zwei Jahren eröffneten neuen Räumen oder dem Lagerfeuer-Liveclub Bombig Anlaufstellen und Angebote geschaffen, die man im Gaswerkareal der Stadtwerke vergeblich sucht.

Dort fehlen nach wie vor Bars, Cafés, Clubs, Galerien und Projekträume. Außerdem Spielplätze und Sporteinrichtungen wie ein Skaterpark und Fitnessparcours. Die erfolgreiche Vermietung an Open-Air-Veranstalter ist gut für das Gaswerkareal und ein Gewinn für die gesamte Region. Diese Gated-Community-Aktionen werden aber nicht im Ansatz den Versprechungen gerecht, mit denen die Stadtwerke hier vor einigen Jahren an den Start gegangen sind. Das Gaswerkareal ist bisher weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben, die seine Verantwortlichen schürten. Das muss sich ändern. Sonst besteht die Gefahr, dass der Kulturort zur Rummelbude verkommt.

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