Neubauwunsch
Christof Trepesch, Direktor der Kunstsammlungen und Museen Augsburg, im Gespräch zum Thema Museumsdepot. Interview mit Jürgen Kannler
Die Stadt Augsburg besitzt einen Gesamtbestand von rund 80.000 Kunst-Objekten, die von den Kunstsammlungen bewahrt und verwaltet werden – ausgestellt sind davon vielleicht 1.000 bis 1.500. Der Rest lagert in mehreren, über das Stadtgebiet verteilten Außendepots, deren Zustand zum Teil seit Jahren Anlass zur Sorge gibt. Wie ein zeitgemäßes Zentraldepot für Augsburg aussehen könnte und warum es längst überfällig ist.
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a3kultur: Herr Trepesch, wie sieht die Depotarbeit Ihrer Kunstsammlungen in Augsburg gegenwärtig aus?
Christof Trepesch: Depotarbeit bedeutet zunächst einmal die Arbeit mit Kunstobjekten, die in mehreren Außendepots über verschiedene Häuser verteilt sind. Ein wesentlicher Bereich der Objektarbeit ist die Inventarisation. Hier kämpfen wir seit Jahren dafür, mehr Personal zu bekommen, um den Bestand professionell zu bearbeiten und damit zukunftsorientiert arbeiten zu können.
Sie sprechen davon, dass die Depots auf verschiedene Orte im Stadtgebiet verteilt sind. Wie würden Sie als Experte den Zustand dieser Depots charakterisieren?
Für ein Zentraldepot setzen wir uns seit über zehn Jahren ein und haben das im Kulturausschuss auch schon entsprechend dargestellt. Vor gut zehn Jahren haben wir auch den Depotplaner Dr. Baur aus München beauftragt, den Bestand zu sichten und den Platzbedarf zu ermitteln. Das alles wurde gemacht, ist dann aber letztlich stecken geblieben. Unser Wunsch ist ein Neubau – ähnlich wie in Friedberg oder neuerdings Regensburg. In beiden Fällen wurde vorbildlich gezeigt, dass man auf der grünen Wiese ein Depot errichten kann, das den aktuellen klimatischen Anforderungen entspricht und unter Low-Tech-Bedingungen funktioniert. Das ist unser Ziel, und wir hoffen, dass wir dort irgendwann hinkommen. Hierzu gab es in der letzten Legislaturperiode auch erste Ansätze.
Dem Einzug eines Zentraldepots in einen Bestandsbau würden Sie also eher skeptisch gegenüberstehen?
Das muss man immer im Einzelfall prüfen. Bestandsbauten haben häufig klimatische Probleme. Gerade für Kunstwerke unterschiedlicher Materialgattungen – von Holz über Gemälde bis hin zu Metall – braucht man sehr unterschiedliche klimatische Bedingungen. Deshalb sind Altbauten meist eher ungeeignet. Eine Ausnahme ist unser
archäologisches Zentraldepot, das innerhalb des AKS ein echtes Vorzeigeprojekt ist. Dort werden allerdings ganz andere Gegenstände bewahrt als sensible Gemälde oder vergleichbare Werke. In diesem Fall ist es jedoch gelungen, in einem Bestandsbau eine Lösung zu schaffen, die bayernweit bis heute Vorbildcharakter hat.
Wir stellen immer wieder fest, dass sich Depotarbeit und Öffentlichkeit sehr gut vertragen. Das Interesse an Kunstwerken, die nicht ausgestellt, sondern verwahrt oder restauriert werden, scheint groß zu sein. Worauf führen Sie dieses besondere Interesse zurück?
Man muss sich nur anschauen, was Museen insgesamt noch zu bieten haben. Wir besitzen einen Gesamtbestand von etwa 80.000 Objekten, ausgestellt sind vielleicht 1.000 bis 1.500. Das bedeutet, dass der Großteil der Sammlung nicht sichtbar ist. Im Übrigen ist das auch bei großen Häusern wie dem Louvre ähnlich – dort wird ebenfalls nur ein kleiner Bruchteil des Bestandes gezeigt. Deshalb interessiert sich die Bevölkerung natürlich dafür, was sich hinter den Kulissen befindet. Das führt unmittelbar zur Idee des Schaudepots, wie es etwa in Antwerpen realisiert wurde – ein hervorragendes Beispiel. Man muss allerdings wissen: Ein Schaudepot ist im Grunde ein komplett neues Museum. Es braucht die gesamte personelle und infrastrukturelle Ausstattung eines Museums. Ein Schaudepot ist also nicht einfach nur ein Depot, sondern ein eigenständiges Museum mit einer besonderen Ausstellungsgestaltung.
Wir haben uns gefragt, ob die Niederschwelligkeit eines Depotbesuchs möglicherweise größer ist als die eines klassischen Museumsbesuchs.
In einem Depot begegnet man eben auch Objekten, die normalerweise nicht gezeigt werden – also Werke, die nicht zur absoluten Spitzenkategorie gehören, aber dennoch bewahrenswert sind. Dadurch entsteht möglicherweise eine größere Nähe oder Affinität. Wenn man sich anschaut, welche Formate im Fernsehen erfolgreich sind – etwa »Bares für Rares« und ähnliche Sendungen –, erkennt man, dass das Interesse an Antiquitäten und historischen Objekten insgesamt steigt. Das merken wir auch bei unseren Kunstsprechstunden.
Zum Schluss noch eine profane Zahl: Wie groß müsste das Zentraldepot sein, das Sie gemeinsam mit Dr. Baur planen?
Dr. Baur ist aktuell damit beschäftigt, seine Analyse zu aktualisieren. Eine konkrete Quadratmeterzahl kann ich daher im Moment allerdings noch nicht nennen.