Carolina Lee bringen psychedelischen Dream-Pop in die Walden Kulturwirtschaft.
Die Magie der Freundschaft
Bill Frisell und seine Freunde begeistern im Botanischen Garten.
Frisell ist kein Freund vieler Ansagen. Die wenigen Worte, die er an das Publikum richtete, beschränkten sich auf die Vorstellung seiner Mitmusiker, die mit ihm im Pavillon bereitstanden, um das Publikum mit Wohlklang zu verzaubern.
»Freunde« nennt er sie bewusst – und genauso fühlte es sich auch an. Hier stehen keine Musikerkollegen mit ihm auf der Bühne, die ihm zuarbeiten, sondern Vertraute, die ihm musikalisch auf Augenhöhe begegnen. Er gilt für viele als Gott an der Jazzgitarre.
Bei jedem Solo eines seiner Freunde ist dem Meister der Entschleunigung die Begeisterung anzusehen. Jeder Einzelne ist bereits für sich großartig, im Zusammenspiel jedoch nahezu unbeschreiblich. Das Prädikat »genial« ist hier ausnahmsweise keine Übertreibung. Mit dabei waren Thomas Morgan am Kontrabass, Rudy Royston am Schlagzeug sowie Greg Tardy an Saxofon und Klarinette.
Der gemeinsame Sound fand zunächst unmerklich, dann immer deutlicher seinen Weg in die Herzen der Zuhörenden.
»Moon River«
Es wirkt nicht zufällig, dass das erste Stück »Moon River« war. Die Komposition von Henry Mancini wurde durch Audrey Hepburn im Film »Frühstück bei Tiffany« weltberühmt. Heute zählt das Lied zum »Great American Songbook«, aus dem Bill Frisell immer wieder Songs herauspickt und auf seine eigene Art neu interpretiert.
Die Neuinterpretation von Klassikern gehört zu Frisells Markenzeichen.
Fast scheint es, als läge jede Komposition wie ein Puzzle vor ihm, das er Takt für Takt in seine Einzelteile zerlegt, um daraus ein neues Bild entstehen zu lassen. Kleine Tonschnipsel blitzen auf, die noch an das Original erinnern, manchmal fällt ein Teil heraus, aus dem sich, ohne den musikalischen Fluss zu unterbrechen, wie aus dem Nichts ein neues Stück entwickelt. So zieht sich dieser musikalische Strom ohne Unterlass durch den Botanischen Garten – mal schneller, mal langsamer, manchmal ausbrechend, mit Noise-Sounds und Loop-Schleifen garniert.
Jeder Ton ein Genuss
Bill Frisell ist und bleibt ein außergewöhnlicher Jazzgitarrist. Mit dem Konzert im Botanischen Garten zeigten er und seine Freunde, wie facettenreich das Genre Jazz ist. Die Soundästhetik von Bill Frisell ist dabei zu einem Alleinstellungsmerkmal geworden und hebt ihn deutlich aus der Vielzahl der Gitarristen heraus.
Sein reduziertes Spiel, der behutsame Aufbau und das Halten enormer Spannung, das kurze Ausbrechen und das anschließende Zurückfinden in den harmonischen Fluss prägen seine Kunst auf unnachahmliche Weise.
Und da ist sie wieder, die Symbolik von »Moon River«: Liebe, Freiheit und Abenteuer. Frisell weiß genau, warum er diesen Song an den Anfang des Konzerts gesetzt hat.
Jetzt wissen wir es auch!
Das gesamte Konzert wurde vom Bayerischen Rundfunk mitgeschnitten und ist dort ab Anfang September nachzuhören.
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