Wie lange kann der Tod warten?
Ein Theaterstück, das man nicht so schnell vergisst – Das Augsburger Staatstheater greift Florian Zellers berühmtes Familiendrama »Der Sohn« neu auf.
Die Brechtbühne am Gaswerk ist voll. In der Sekunde, in der das Licht auf die Bühne fällt, verstummt der Saal. Die Kulisse, die nur aus kargen, grauen Wänden besteht, zieht schon ab dem ersten Moment in ihren Bann. Das dadurch entstehende beklemmende, fesselnde Gefühl ist gewollt, denn die Handlung des Theaterstücks ist genauso grau, hart und erschreckend: Depression bei Kindern und Jugendlichen. Das Staatstheater schafft mit unglaublicher Bildsprache, Symbolik und herausragender Schauspielleistung der Darsteller*innen eine Stimmung, die noch Tage anhält. Das Besondere des Theaterstücks ist nicht die Handlung selbst, es sind die packenden Dialoge und Dynamiken zwischen einem Sohn, der immer wieder nach Hilfe ruft und seinen damit überforderten Eltern. Das Schauspiel zeigt kein Gut und Böse, keine perfekte Lösung. Die Handlungen der Figuren sind so nachvollziehbar, dass sich das Publikum automatisch in verschiedene Perspektiven hineinversetzen muss und sich möglicherweise auch in ihnen wiedersieht.
Seit der Pandemie ist Suizid die häufigste Todesursache bei Jugendlichen.
Genau deshalb ist das im Stück aufgegriffene Thema zwar keine leichte Kost, dafür aber umso wichtiger. Noch vor den Proben zog das Staatstheater Augsburg Pädagog*innen und Suizidpräventionsexpertisen hinzu, um den Sachverhalt so realistisch wie möglich wiedergeben zu können. Katrin Oppelt von der Arbeitsgemeinschaft Suizidprävention Augsburg bot zusammen mit dem Regisseur David Ortmann nach der Vorstellung vom 25. Juli ein Podiumsgespräch an. Sie klärte über Tabuisierung von Depression und Suizid auf und sprach über Möglichkeiten, wie Eltern und Angehörige von suizidalen Kindern handeln können. Man sah dem Publikum die nachhallende Anspannung und Betroffenheit an. Das darauffolgende Gespräch mit Katrin Oppelt führte zu regem Austausch und Diskussionen, was wiederrum zeigte, welch bleibenden Eindruck das Stück »Der Sohn« hinterlassen hatte.
Die Vorstellung wird wieder ab dem 24. September auf der Brechtbühne am Gaswerk gespielt. Ein Besuch ist absolut empfehlenswert!
Mehr Informationen unter: staatstheater-augsburg.de/der_sohn