Ausstellungen & Kunstprojekte

Die Kunst hinter der Kunst

Riesdinge © Museum KulturLand Ries
a3kultur-Redaktion

Die a3kultur-Redaktion hat Sammlungszentren unserer Kulturregion besucht, um sich ein Bild davon zu machen, wie professionelle Depotarbeit aussieht und was Augsburg daraus lernen kann. Eine Dokumentation von Malte Günther

Depotarbeit ist die oft vergessene Seite eines erfolgreichen Museumsbetriebs. Was die Öffentlichkeit sieht, sind Ausstellungen, kuratierte Räume, sorgfältig beleuchtete Objekte. Was sie nicht sieht: die Tausenden von Gegenständen, die in Depots lagern, fachgerecht archiviert, inventarisiert und konserviert werden – und ohne die kein Museum langfristig funktionieren könnte.

Nördlingen: Depot im Bestandsbau

Sammlungszentrum MKLR Nördlingen

Nach fast zehn Jahren Vorlaufzeit ist das Zentraldepot des Museums KulturLand Ries in Nördlingen so etwas wie ein Paradebeispiel für einen Einzug in einen Bestandsbau geworden. Auf rund 3.800 Quadratmetern mietet das Regionalmuseum aus Maihingen einen Gebäudekomplex, um über 50.000 Objekte seiner Sammlung zentral zu lagern und zu archivieren. Was in der öffentlichen Wahrnehmung oft im Verborgenen bleibt, wird hier nicht nur professionell durchgeführt, sondern auch sichtbar gemacht: Tage der offenen Tür und öffentliche Führungen laden Interessierte ein, hinter die Kulissen zu schauen. Diese Öffnungen werden von der Gesellschaft mit starkem Interesse angenommen.Der inhaltliche Schwerpunkt des Museums liegt auf Alltagskultur, Landwirtschaft und Handwerk aus dem Rieskreis der vergangenen Jahrhunderte bis heute. Eine solche Sammlungsphilosophie hat ihren Preis: Die schiere Menge an Objekten, die dem Museum – meist per Schenkung – übergeben werden, lässt sich nicht dauerhaft in Ausstellungen zeigen. Auch ein Depot braucht also seine Art der Kuratierung.
Conny Zeitler, Museumsleiterin des Museums KulturLand Ries, brachte es bei unserem Besuch auf den Punkt mit dem Begriff der »Bügeleisengleichung«: Bügeleisen beanspruchen vielleicht nicht den meisten Lagerplatz, aber irgendwann ist der museale Bedarf daran schlicht gedeckt. Eine solche kuratorische Entscheidung setzt eine sorgfältige Archivierung und Inventarisierung voraus – und die Geschichte hinter jedem einzelnen Objekt steht dabei stets im Vordergrund, erklärte uns Martin Beer, stellvertretender Museumsleiter.

Friedberg: Vorzeigedepot

Sammlungszentrum Friedberg

Das Sammlungszentrum in Friedberg zeigt, wie eng Depot- und Archivarbeit miteinander verwoben sind. Auf rund 1.200 Quadratmetern wurde ein Neubau entworfen, welcher etwa 30.000 Objekte zur Friedberger Stadtgeschichte beherbergt. Seit elf Jahren besteht das Zentrum; die Baukosten beliefen sich auf rund zwei Millionen Euro – eine Größenordnung, die sich mit dem Nördlinger Sammlungszentrum vergleichen lässt. Jörg Adam, für die Betreuung des Sammlungszentrums zuständig, zeigte sich begeistert vom öffentlichen Interesse: Die Führungen, die an besonderen Tagen angeboten werden, werden gut angenommen, und die Arbeit findet dadurch auch die Wertschätzung, die sie verdient. »Man arbeitet hier mit den Gegenständen«, wie Adam es formuliert. Die Archivierung und Dokumentation des Bestands erschließt einen Zugang zu Geschichte, der im Museumsbetrieb oft untergeht. Beide bisher vorgestellten Sammlungszentren verfügen über explizite Räumlichkeiten für diese Arbeit: genug Platz, um Objekte zu fotografieren, zu restaurieren und für die Lagerung vorzubereiten. Das Prinzip lautet: funktional und nachhaltig. Aussortiert wird nur, wenn andere Einrichtungen einen konkreten Nutzen aus einem Objekt ziehen können – so wanderte beispielsweise ein Orden aus dem Friedberger Bestand nach Ingolstadt, erzählte uns Dr. Alice Arnold-Becker, Museumsleiterin des Museums im Wittelsbacher Schloss. Die modulare Bauweise des Zentrums gewährleistet, dass spätere Erweiterungen möglich bleiben. Eine Besonderheit in Friedberg: Das Sammlungszentrum beherbergt auch das Stadtarchiv. Stadtarchivar Matthias Lutz bearbeitet alle möglichen stadtgeschichtlichen Dokumente direkt vor Ort – und hat durch den Neubau überhaupt erst die nötigen Voraussetzungen für eine ordentliche Archivierung erhalten. Früher, so erzählt er, landeten Dokumente nicht selten auf dem Dachboden. Für historisch wertvolle Überlieferungen offensichtlich keine ideale Lösung. 

Weiherhof: Netzwerk-Depot

Weiherhofdepot © Andreas Lode

»Hier findet alles seinen Platz«, versichert Eva Bendl, die Leiterin der Museumssammlung – von der historischen Fotografie über kostbare Handarbeiten aus Wachs und Goldfaden bis hin zum alten Pflug, den einst ein Ochse über schwäbisches Ackerland zog. Doch bevor ein Objekt ins Regal kommt, steht intensive Vorarbeit: Orientieren, Digitalisieren, Aussortieren. Im Laufe der Jahre haben sich in manchen Sammelgebieten Überhänge gebildet. Große Teile davon werden den Weg in den Weiherhof nicht antreten. Jedoch erst wenn die Provenienz gesichert ist, entscheidet sich, ob ein Objekt eingelagert, weitergegeben oder abgegeben wird.

Bemerkenswert ist auch der Blick nach außen: Ein digitales Netzwerk mit anderen Museen – etwa dem KulturLand Ries in Maihingen oder dem Bauernhofmuseum in Illerbeuren – ist in Arbeit. Die Logik dahinter ist einfach, aber wirksam: Es muss eben nicht jedes Haus über eine Sammlung von achtzig einsatzbereiten Dreschflegeln verfügen. Bezirkstagspräsident Martin Sailer fasst den Anspruch zusammen: »Mit dem Kulturdepot sichern wir historische Schätze aus der Region für die Zukunft.«

Die Beispiele aus Nördlingen, Friedberg und Oberschönenfeld zeigen: Professionelle Depotarbeit ist kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung für einen nachhaltigen Museumsbetrieb.

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