Ausstellungen & Kunstprojekte

Gläserne Glanzlichter

Baroque Bubbles © Andreas Brücklmair

Im Festsaal des Schaezlerpalais wird es demnächst gläsern: Jiri Dokoupil präsentiert seine Rauminstallation aus barockbunt schillernden Glaskugeln. Doch es gibt noch andere Glaskunst in Augsburg.

Der überbordend spiegelnde und glänzende Rokoko-Festsaal des Schaezlerpalais’ ist ohnehin ein Ereignis. Hier inszeniert der tschechische Künstler Jiri Dokoupil (geboren 1954) für die nächsten Monate große Cluster aus Seifenblasen beziehungsweise deren gläserne Äquivalente, wie er sie bereits 2024 in Venedig in der aus dem 16. Jahrhundert stammenden Biblioteca Nazionale Marciana gezeigt hat. Die schillernd bunten »Baroque Bubbles« werden sicher spielerisch die Opulenz des Saales überhöhen und in ihrer Reminiszenz an die Flüchtigkeit echter Seifenblasen die theatrale Leichtigkeit des Rokoko widerspiegeln. Diese dreidimensionalen »Bubbles« sind die logische Weiterentwicklung einer Technik, die Dokoupil seit den 1970er Jahren entwickelt hat. Im zweiten Stock zeigt der Künstler Arbeiten, für die er Seife mit Pigmenten mischt und diese Lösung dann auf bemalte Leinwände bläst. Wir sind gespannt! Die Ausstellung läuft vom 23. Oktober bis zum 28. Februar 2027.

Portrait Jiri Georg Doukupil © Daniel Biskup

Glaskunst aus Murano 

Dokoupils »Bubbles« werden von böhmischen Meistern ihres Fachs geblasen. Die Objekte von Egidio Costantini (1912– 2007) hingegen sind im venezianischen Murano entstanden. In seiner Glaskunstwerkstatt »Fucina degli Angeli«, die er mit Unterstützung der Kunstsammlerin Peggy Guggenheim gründen konnte, hat der Autodidakt eigene Glasarbeiten geschaffen, sich vor allem aber der Zusammenarbeit mit anderen Künstler*innen gewidmet. Deren Entwürfe hat Costantini in seinem Atelier kongenial in gläserne Objekte umgesetzt. Die Zeichnungen, die Costantini transferierte, stammen vielfach von hoch gerühmten Künstlern wie Max Ernst, Le Corbusier, Lucio Fontana, Hans Arp oder Pablo Picasso. Etwa 120 solcher Arbeiten hat der Augsburger Kunstsammler Ignaz Walter zusammengetragen. Wer sie sehen möchte, findet einen Teil dieser farbigen Glaskunst im Kunstmuseum Walter im Glaspalast, zahlreiche Werke sind jedoch gegenüber im Atrium Palast, einem Bürogebäude, ausgestellt.

Künstlerische Veredelung von Gebrauchsglas

Bei Dokoupil oder Costantini geht es um die Form, den skulpturalen Charakter des Glases. Eine andere Herangehensweise ist die Gestaltung der Oberfläche eines Glasobjektes. Diesen Weg hat Ida Paulin (1880–1955) beschritten, der die Kunstsammlungen vor zwei Jahren eine umfassende Werkschau widmeten. Paulin, in Augsburg geboren und dort auch viele Jahre tätig, fand wie viele Künstlerinnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die mit eingeschränkten Ausbildungsmöglichkeiten zurechtkommen mussten, ihre Ausdrucksform im sogenannten »Kunstgewerbe«. Zunächst studierte sie Malerei, verstand jedoch bald, dass ihre Stärken auf anderem Gebiet lagen. Paulin spezialisierte sich auf die künstlerische Dekoration von Keramik, Porzellan, vor allem aber Gebrauchsglas. Dabei griff sie zunächst auf Gläser, Schalen oder Vasen bekannter Hersteller zurück, die sie mit eigenen Entwürfen bemalte. So entstanden zum Beispiel um 1915 mit eleganten geometrischen Ornamenten im Stile der Wiener Werkstätten bemalte zarte Likorgläser, die sicher zu ihren schönsten Arbeiten zählen. Später erwarb Paulin Anteile an einer Glashütte, sodass sie auch die Gestaltung der Glasobjekte selbst beeinflussen konnte. Paulin konnte sich mit ihren Arbeiten im gehobenen Segment etablieren, ihre Gläser wurden mit Preisen ausgezeichnet und waren auf wichtigen Ausstellungen vertreten. Ihr beständiger Erfolg lag wohl auch in ihrer Bereitschaft und Fähigkeit, sich dem Zeitgeist anzupassen – Jugendstil, Art Deco, Konstruktivismus, aber ebenso eine im Dritten Reich gewünschte Heimattümelei.

Rückwärts gemalt

Eine besondere Spielart der Glaskunst ist die Hinterglasmalerei. Bei dieser Technik wird eine flache Glasplatte rückseitig bemalt, betrachtet wird das Bild jedoch von der Vorderseite. Im Gegensatz zur Malerei auf einem opaken Bildträger wie Leinwand oder Holz läuft der malerische Prozess in umgekehrter Reihenfolge ab, das heißt, die Künstler*in beginnt mit den Details und Konturen, dann folgt der Mittelgrund, zum Schluss dann der Hintergrund. Korrekturen sind so ausgeschlossen! Zudem muss im Vorfeld berücksichtigt werden, dass das fertige Bild seitenverkehrt erscheint. Hinterglasmalerei war in der Zeit von 1550 bis 1850 beliebt. Zunächst als Kostbarkeiten betrachtet – Glasplatten waren klein und sehr teuer – wurden Hinterglasbilder mit zunehmend einfacherer Herstellung von Flachglas populärer. Auch die Themen wandelten sich von zunächst religiösen Motiven zu profanen Sujets wie Genreszenen, vor allem dann in der Volkskunst des 19. Jahrhunderts. Im 18. Jahrhundert war Augsburg eines der wichtigsten Produktionszentren der Hinterglasmalerei. Vorlagen für die Künstler wie z.B. Johann Wolfgang Baumgartner gab es in Hülle und Fülle, denn die Stadt war ebenso ein Zentrum der Druckgrafik. Im Jahr 2021 konnten die Kunstsammlungen aus einer privaten Sammlung rund 150 Hinterglasgemälde erwerben, die 2022 unter dem Titel »Vorsicht, zerbrechlich« im Schaezlerpalais präsentiert wurden. Der Erforschung der Hinterglaskunst widmen sich die Kunstsammlungen nach wie vor, so veranstalten sie zusammen mit dem Bayerischen Nationalmuseum am 9. und 10. Oktober in München eine entsprechende Fachtagung.

Ein Highlight im Augsburger Dom

Und dann sind noch die berühmten Prophetenfenster im Augsburger Dom: Leicht zu übersehen, finden sie sich in luftiger Höhe im Obergaden des Mittelschiffs. Die in der Mitte des 12. Jahrhunderts entstandenen Fenster (fünf von ehemals etwa 20 sind erhalten) zeigen Jona, Daniel, Hosea, David und Moses. Dargestellt sind die Propheten hier in frontaler Ansicht mit den diskriminierenden zeittypischen »Judenhüten«. Zwar werden bis heute Buntglasfenster geschaffen, man denke an die Gerhard-Richter-Fenster in Köln, doch ihre Hochzeit hatten diese aus kleinen Scheiben mosaikartig zusammengesetzten Fenster in der Gotik. Keine große Kirche kam ohne sie aus, sie waren ebenso Lichtöffnung wie Bildwerk. Heute sind die in den 1970er Jahren umfassend restaurierten Prophetenfenster – der Zyklus gilt als der älteste überhaupt – von einer Schutzverglasung umgeben. Also dann: auf in den Dom.

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