Politik & Gesellschaft

Fußball in der Werbepause

Levi's Stadium San Francisco WM
a3kultur-Redaktion

Im Aztekenstadion war zu spüren, was Fußball sein kann, wenn er wieder den Fans gehört: lautstark, bunt, lebendig. Das Eröffnungsspiel zeigte all das, was eine Fußball-Weltmeisterschaft einst ausgemacht hat – Emotion, Gemeinschaft, Leidenschaft. Und doch offenbarte genau dieser Auftakt auch, wie sehr dieses Turnier zwei Gesichter trägt.

Denn selbst die sogenannten Trinkpausen stehen sinnbildlich für die Entwicklung des modernen Fußballs. Zweimal pro Spiel unterbricht der Schiedsrichter die Partie für jeweils drei Minuten – unabhängig von Wetter oder Temperatur. Offiziell dient das dem »Schutz der Spieler«. Tatsächlich hat die FIFA den Sendern ausdrücklich erlaubt, genau diese Unterbrechungen für zusätzliche Werbeblöcke zu nutzen. Selbst die Erholungspause wird zur Vermarktungsfläche. 

Dazu passt auch der Umgang mit den Fans. Zeitweise wollte die FIFA Zuschauer*innen verbieten, eigene Wasserflaschen mit ins Stadion zu bringen – bei Temperaturen von deutlich über 30 Grad. Erst nach öffentlichem Druck wurde das Vorhaben zurückgenommen. Die Botschaft dahinter blieb dennoch unmissverständlich: Der Fan erscheint in erster Linie als zahlender Konsument. Das Eröffnungsspiel hat gezeigt, dass Fußball Menschen weiterhin verbinden kann. Aber solange ein Turnier seine Besucher*innen systematisch als Kostenfaktor und Werbefläche behandelt, bleibt dieses Versprechen hohl.

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