Amateure im Tal der Ahnungslosen
Kulturpolitik in Augsburg. Ein Gastbeitrag von Peter Bommas.
Was zur Zeit in Berlin und München für bundesweite Schlagzeilen sorgt, die Beschädigung von Kultur und wichtiger, strahlkräftiger Einrichtungen durch Dilettantismus, fachfremde Arroganz und ahnungslose Besserwisserei, die Besetzung kulturpolitischer Schaltstellen in der ganzen Republik mit zweitklassigen, selbsternannten Expert*innen, wirkt auch in der deutschen Provinz. Wenn zu den fatalen finanzpolitischen Entscheidungen – sprich Kürzungen von Mitteln und Einsparen von Beschäftigten – fragwürdige oder zumindest hinterfragbare Qualifikationskriterien und kreative Ideenlosigkeit kommen, dann steht die Kultur mit dem Rücken zur Wand.
Ein knappes halbes Jahr nach den Kommunalwahlen ist die Augsburger Stadtkultur immer noch ohne Führung, ist per Entscheid der regierenden Koalition mit der Bildung und damit der prekären Lage der Schulen verbandelt und hängt in der Luft. Keine Botschaften in die Stadtgesellschaft, wie dieses Mammutreferat funktionieren und liefern soll. Seit Monaten gibt es im neuen Referat keine Expertise, keine politisch verantwortliche Ansprechperson. Zu allem Überfluss hat man aktuell die über Jahrzehnte im Referat - seit Ludwig Kotter und Eva Leipprand - tätige Sekretariatskraft, die alle Vorgänge, alle Lücken und Tücken des Referatsalltags kennt, die alle kulturellen und kulturpolitischen Adressaten benennen kann, weg versetzt. Und hat zum ersten Mal in Augsburg die Kultur mit der Bildung zusammengespannt, offensichtlich ohne vorher eine belastbare Bestandsaufnahme der in beiden Feldern vorliegenden Problematiken durchzuführen. Eine höchst schwierige Ausgangslage, noch wesentlich problematischer als die bisherige (nicht immer gut funktionierende) Verbindung mit Sport.
Das Bildungsreferat mit seinem umfangreichen Zuständigkeitsbereich vom Alltag der verschiedenen Schulformen, dem Bauunterhalt, der Funktion der Stadtbücherei bis zur kulturellen Bildung, Wissenschaftsbetrieb und Welterbe war in den letzten 30 Jahren nicht von ungefähr eine ganz eigene Baustelle und hat am besten funktioniert in den Zeiten, in denen dem Referat jemand vorstand, der die Zusammenhänge von Schule und Bildung aus eigener Anschauung kannte, weil er oder sie als Lehrkraft die Praxis erfahren hatte und gut vernetzt war, das war so von Schramm über Ohrenberger bis zu Köhler. Die Doppelstruktur »Bildung/Schulen und Kultur/Kunst« ist also ein gewagtes Experiment mit einer Kandidatin, die aus keinem der beiden Bereiche belastbare Expertise geschweige denn eine Zukunftsvision mitbringt. Falls doch, dann ist das bisher ein gut gehütetes Geheimnis. Eine Ausschreibung wäre hier die bessere und aussichtsreichere Lösung gewesen. Zu spät jetzt und deshalb ein zu erwartender schwieriger Balanceakt mit ungewissem Ausgang. Nach der Sommerpause ist dann schon ein knappes halbes Jahr vergangen – Monate ohne Gespräche der neuen Amtsinhaberin mit den Bildungs- und Kulturakteuren, Monate ohne Austausch und Entwürfen von Strukturmodellen. Nicht gut!
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