Eine Literatur, die genau hinschaut
Am 14. September war die österreichische Schriftstellerin Eva Menasse im ausgebuchten Augustanasaal des Annahofs zu Gast, mit im Gepäck: ihr neuer Roman »Alleinruhelage«.
Der österreichische Begriff »Alleinruhelage« stammt ursprünglich aus dem Immobilienbereich und beschreibt ein Haus in besonders ruhiger, abgelegener Lage. Auf die Frage, warum Eva Menasse genau diesen Titel für ihr Buch wählte, erklärte sie ihre Liebe zu paradoxen Worten, die nach etwas Großem klingen, tatsächlich aber nicht viel aussagen. Auch in ihrem 2021 erschienenen Roman »Dunkelblum« spiegelt sich diese Vorliebe wieder.
Das neue Buch behandelt verschiedene Themen. Neben subtiler, in Humor verpackter Gesellschaftskritik, einem polnischen Ehepaar, Abschied und Aufbruch, Fremdsein und Heimat, Ost- und Westdeutschland, dreht sich die Geschichte vor allem um ein bestimmtes Haus. Die Autorin entschied sich bewusst dafür, dieses Haus als Person und Hauptakteur zu gestalten, indem sie es immer wieder innerhalb der Erzählung persönlich ansprach.
Ihr Roman wird als »eine Literatur, die genau hinschaut« beschrieben, eine Erzählung »zwischen Abschied und Aufbruch auf verschiedenen Ebenen«.
Die Moderation am Abend des 14. Septembers übernahm Journalistin und Kulturmanagerin Iris Steiner. Zwischen Lesungen aus verschiedenen Passagen kamen die beiden immer wieder ins Gespräch, diskutierten über Interpretationen, persönliche Bezüge und Schreibprozesse.
Allein bei der Titelwahl und der fesselnden, bildkräftigen Sprache, die für das Gefühl sorgt, selbst Teil der Geschichte zu sein, kann der besondere Stil und geschmackvolle Humor der Autorin erkannt werden. Eva Menasse zeigte an diesem Abend nicht nur im Geschriebenen, auch im Gespräch ihre Affinität zu ausdrucksvoller, »blumiger« Sprache, wie Iris Steiger es treffend nannte. Ihr Wiener Schmäh setzte die letzten Akzente ihrer markanten Ausdrucksart.