Klassik

Musikalische Sterneküche

Bayerische Kammerphilharmonie

Zum sommerlichen Finale kredenzt die Bayerische Kammerphilharmonie ein gut durchkomponiertes Menü.

Als moderierender Oberkellner tischt im Parktheater (11. Juli 2027) der vom Deutschlandfunk bekannte Kabarettist und Musikwissenschaftler Martin Zingsheim ein schäumendes Gourmet-Programm mit u. a. Tschaikowsky und Piazzolla auf. Ob man nun glühender »Follower« im Sinne eines langjährigen Abos ist oder als Klassikfan nur sporadisch bei Konzerten der »bayerischen kammerphilharmonie« hinhört: Man wird in jedem Fall musikalisch verwöhnt und zugleich immer wieder überrascht von der Qualität der Konzertprogramme. Mit dramaturgischem Feinschliff verweben auch die kommenden fünf »unerhörten« Abende spannungsreiche Musik mit Gesellschaftshistorie. So vermitteln sie neben dem reinen Genuss des Orchesterklangs über die Werkauswahl wissenswerten Kontext.

Pars pro toto steht dafür das Konzert Ende Februar, das mit »Wegbereiter« überschrieben ist. Neben Robert Schumanns Klavierquintett op. 44 in Es-Dur taucht hier der Name der US-amerikanischen Komponistin Amy Beach auf, die 1907 ein erstes Klavierquintett schuf. Als sie im Jahr 1944 starb, hinterließ sie nicht allein ein bemerkenswertes OEuvre, sondern war als Mitbegründerin der »Association of American Women Composers« zur Ikone der amerikanischen Frauenbewegung avanciert. In das Italien des späten 17. Jahrhunderts führt der Samstagabend am 14. November, um u. a. mit Corelli die hohe Kunst des barocken Streicherklangs und des vollendeten Concerto grosso miterlebbar zu machen. Natürlich darf Vivaldi hier nicht fehlen, der mit seinem elegant kontrastreichen »Konzert für zwei Violoncelli« meisterhaft von Jakob Stepp und Arvo Land repräsentiert wird. 

Mit dem zum Sonderkonzert deklarierten Auftakt stellt die »bayerische kammerphilharmonie« im Kleinen Goldenen Saal am Sonntag, 4. Oktober, die Frage nach dem »Was wäre, wenn …« in Deutschland in den frühen 30er-Jahren andere Verhältnisse geherrscht hätten und die Nationalsozialisten nicht die Karrieren ungemein talentierter jüdischer Komponisten wie Franz Schreker, Mieczyslaw Weinberg, Mátyás Seiber oder Ödön Partos zerstört hätten. Für die Nachwelt, so die bk, ist es »ein großes Geschenk, dass diese vier musikalischen Stimmen nicht verstummt sind und ihre Werke den heutigen Konzertkanon bereichern.« Die Expertise, die sie gerade mit Stücken von Weinberg innehaben, stellte die bk jüngst mit der in Koproduktion mit BR-KLASSIK eingespielten CD dank des charakteristischen, stets fein ausbalancierten
Streicherklangs überzeugend unter Beweis. So spannt der hoch motivierte Klangkörper, den Valentin Holub auch andernorts im Rahmen von Gastspielen als virtuoser Bratscher sowie als einnehmender Geschäftsführer vertritt, immer wieder neue Saiten auf. Er bleibt bewusst auch vielen »alten Bekannten« treu, die dem Orchester verlässlich und virtuos verbunden sind. Da wäre nicht zuletzt Reinhard Goebel als ehemaliger Künstlerischer Leiter zu erwähnen. Er wird das traditionsreiche Geburtstagskonzert für Mozart am 31. Januar leiten, in dem Carolin Widmann sich Simon La Dues »Concerto G-Dur für Violine und Orchester« und Pierre Gaviniès' »Concerto für Violine « als kongeniale Interpretin widmet und in dem natürlich auch Mozart mit zwei Rondos den Geburtstagsgästen seine Reverenz erweist. 

Weitere Informationen unter: www.kammerphilharmonie.de 

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