Erfrischendes Welterbe
a3kultur-Redakteurin Mira Emke im Gespräch mit Barbara Bühler-Karpati.
Das UNESCO-Welterbe in Augsburg besteht aus einer einmaligen Mischung aus 22 Sehenswürdigkeiten mit technikgeschichtlicher und kunsthistorischer Bedeutung. Es verknüpft technologische Errungenschaften des Wasserbaus, nachhaltige Nutzung von Wasserkraft und die ressourcenschonende Trennung von Trink- und Brauchwasser. Objekte wie Monumentalbrunnen, Wasserbauwerke, Trinkwasserwerke, Kraftwerke, Kanäle und Wasserläufe schmücken nicht nur die Stadt und ihren Landkreis, sie sind Teil der Geschichte Augsburgs. Barbara Bühler-Karpati leitet seit Anfang 2025 das UNESCO-Welterbe-Büro und übernimmt einen großen Teil der Planung und Organisation des Augsburger Welterbe-Themas »Wasser«.
a3kultur: Es gibt viele verschiedene Programmpunkte und Führungsangebote zum Thema UNESCO-Welterbe in Augsburg. Mal angenommen, ich habe Gäste aus Frankreich zu Besuch und sie bleiben für einen Tag. Wo müssen wir hin?
Barbara Bühler-Karpati: Frühstücken Sie gut, es gibt viel zu sehen!
Die Planung hängt ein wenig von der Jahreszeit, dem Wochentag und dem Wetter ab. Hier ein Vorschlag: Sie starten um 10 Uhr im Welterbe-Infozentrum am Rathausplatz und tauchen zunächst mal in das Augsburger Wassermanagement-System ein. Von hier aus spazieren Sie vorbei am Augustusbrunnen, runter zur Stadtmetzg und entlang der Lechkanäle bis zum Roten Tor, wo Sie eine Runde durch den Park mit dem Aquädukt drehen und einen Blick in den wunderbaren Handwerkerhof werfen. Hier schließt dann im besten Fall eine gebuchte Führung durch die Wassertürme an. Bei schönem Wetter leihen Sie sich anschließend Fahrräder aus und radeln entlang der Kanäle durch den Stadtwald bis zum Galgenablass – ein magischer Ort, wie ich finde. Bei Regen empfehle ich am Nachmittag stattdessen einen Besuch des Maximilianmuseums.
So haben Sie Ihrem Besuch in einem Tag einen kleinen Einblick in die Besonderheiten unseres Welterbes vermittelt.
Bedingt durch den Klimawandel werden die Sommer immer heißer. In Augsburg haben wir 26 Trinkwasserbrunnen, 15 davon in der Innenstadt. Auch Orte zur Abkühlung wie z.B. Flachbrunnen oder »Planschmöglichkeiten«, die unter anderem die Altaugsburggesellschaft e.V. plant, könnten bald essentiell werden. Planen Sie etwas, um die bevorstehende Hitze in der Innenstadt zu lindern?
Die Stadt Augsburg hat kürzlich eine »Karte Kühler Orte« herausgegeben, in der wir mit unserem Welterbe-Infozentrum dabei sind. Hier gibt es einen Trinkbrunnen und auch eine kleine Faltkarte mit allen Trinkwasserbrunnen im Stadtgebiet zum Mitnehmen. Auch unser Welterbe selbst bringt Erfrischung: Die Lechkanäle prägen das Lechviertel seit Jahrhunderten und sorgen insbesondere an heißen Sommertagen für ein angenehmeres Stadtklima. Dazu haben wir mit dem Stadtwald und seinem Kanalnetz einen wirklichen Schatz. Unser Wasser-Erbe ist also gerade in Zeiten des Klimawandels besonders wertvoll. Und nicht zuletzt: Unser derzeit anlaufendes Projekt »Wege des Wassers« im Rahmen der Internationalen Bauausstellung der Metropolregion München (IBA-M) zielt darauf ab, die Welterbe-Orte in Augsburg besser miteinander zu verknüpfen und dabei auch mehr Zugang zum Wasser, zu den Bächen und Kanälen zu ermöglichen.
Einige Bademöglichkeiten sind Teil des Welterbes und des von der UNESCO geschützten Gewässersystems. Sie erwähnten bereits die Lechkanäle. Gehen Sie gerne baden und wenn ja, welchen Ort würden Sie empfehlen?
Ehrlich gesagt hatte ich in den letzten eineinhalb Jahren so viel um die Ohren, dass ich noch nicht dazu gekommen bin, die besten Badespots für mich zu entdecken. Dabei springe ich sehr gerne ins kalte Wasser!
In manchen Ihrer Programmpunkten finden sich Kooperationen, unter anderem mit dem jungen Theater. Sind derzeit weitere Zusammenarbeiten in Planung?
Ja! Wir haben zum beliebten Pixibuch vom »kleinen Wasserdrachen« ein Papiertheater, Kamishibai genannt, anfertigen und die Texte in verschiedene Sprachen übersetzen lassen. Dieses Erzähltheater wird für uns vom Jungen Theater im Rahmen des Kinderfriedensfestes am 8. August im Botanischen Garten in deutscher, englischer, türkischer, arabischer und russischer Sprache aufgeführt. Das wird bestimmt für viele Kinder wie Eltern nett! So können wir unser UNESCO-Welterbe, das Augsburger Wassersystem, ganz niederschwellig unterschiedlichen Zielgruppen nahebringen. Übrigens: Das Kamishibai kann künftig gerne auch z.B. von Kindergärten bei uns ausgeliehen werden.
Das Water&Sound Festival behandelt unter dem Motto »Waterways« ebenfalls das Augsburger UNESCO-Welterbe. Wie sah Ihre Zusammenarbeit aus?
Als Kooperationspartner des Festivals bringen wir uns aktiv in die Programmgestaltung ein – in diesem Jahr mit fünf Welterbe-Führungen, die jeweils den Konzerten und Panels vorgeschaltet waren. Mit Führungen zum Hochablass, Eiskanal und Trinkwasserwerk, rund um das Rote Tor und in die Wassertürme, entlang der Wasserwege in der Altstadt, in Göggingen entlang der Singold und zu den dortigen Welterbe-Kraftwerken sowie eine Radführung durch den Siebentischwald. An besonderen Orten auch mit musikalischen Darbietungen.
Der inhaltliche Schwerpunkt des diesjährigen Water&Sound Festivals liegt bei politischen Handels- & Wasserwegen mit dem Zusammenhang von Macht und Kolonialismus. Gibt es bei Ihnen auch Führungen oder ähnliche Angebote, die diese geschichtlichen Geschehnisse ansprechen?
Politische Zusammenhänge spielen bei jeder unserer Führungen eine Rolle. Schließlich dokumentiert unser UNESCO-Welterbe, wie sich das Wassermanagement der Stadt über achthundert Jahre hinweg entwickelt hat. In dieser Zeit ist viel passiert. Im Juni und Juli veranstalteten wir eine wissenschaftliche Vortragsreihe in Kooperation mit der Universität Augsburg, in der das Wasser aus historischer, aus literarisch-kulturwissenschaftlicher und aus politischer Sicht beleuchtet wurde.
Weitere Informationen unter: www.wassersystem-augsburg.de
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