Dasein

Mehr als Unkraut

Kräutersommer © Oda S. Bauersachs
a3kultur-Redaktion

Holunder, Brennessel, Baldrian: Warum sich im Juli ein genauerer Blick auf heimische Wildpflanzen lohnt.

Der Juli ist Hochsaison für Wildkräuter. Wer durch die Augsburger Parks streift oder die Wege entlang der Wertach geht, trifft sie überall an — Pflanzen, die seit Jahrhunderten in Küche und Heilkunde genutzt werden. Der Holunder ist gerade am Ausblühen; wer jetzt noch Dolden findet, kann sie trocknen oder zu Sirup verarbeiten, die Beeren reifen bis in den Herbst nach. Die Brennnessel steht im Juli in voller Kraft: Als Tee, Pesto oder gekochtes Gemüse liefert sie Eisen, Vitamin C und Mineralien. Auf feuchten Wiesen blüht die Kamille, deren ätherische Öle entzündungshemmend wirken. In schattigen Uferzonen findet sich vereinzelt auch Baldrian, dessen Wurzel traditionell bei Schlafproblemen eingesetzt wird. Was die Pflanzen leisten können und wie man sie richtig erntet und verarbeitet, setzt allerdings einiges an Wissen voraus.

Kräuterwissen auf Rezept

Wer in der Region Kräuter nicht nur sammeln, sondern wirklich verstehen will, landet früher oder später bei Tobias Müller. Der Inhaber der Hofapotheke St. Afra am Dom führt eines der ungewöhnlichsten Sortimente weit und breit: Hunderte verschiedener Kräuter, rund 40 hausgemachte Präparate und eine Beratungskompetenz, die weit über das hinausgeht, was man in einer gewöhnlichen Apotheke erwartet. Seit den Fünfzigerjahren ist das Haus in Familienhand — und das merkt man. Ob Bärlauchkraut, getrocknete Spargelwurzel oder das bei russischstämmigen Kunden begehrte Zweizahnkraut: Müller und sein zwanzigköpfiges Team wissen, wovon sie reden. Besonders am Herzen liegt der Hofapotheke der Gedanke, das Wissen über Kräuter weiterzugeben. Was auf dem Markt als »Bio« gilt, muss längst nicht das sein, was in der Apotheke als Arzneiqualität durchgeht – der entscheidende Unterschied liegt im Wirkstoffgehalt, den man bei ätherischen Ölen übrigens schlicht am Duft erkennt: Riecht die Kamille nicht, fehlt ihr das Wesentliche. Solche Zusammenhänge vermittelt Müller bei Führungen und Kräuterwanderungen, etwa im Apothekergarten im Botanischen Garten, wo man durch die Welt der Heilpflanzen geführt wird, zusammen mit der Heilpraktikerin Lisa Elbl.

Von der Wiese in die Hausapotheke

Genau dieser Gedanke – Kräuterwissen praktisch erfahrbar machen – steht auch im Mittelpunkt des Kräutersommers in Oberschönenfeld. Am Samstag, 25. Juli zeigt Kornelia Rampp, die Allgäuer Wildkräuterfrau, wie sich aus heimischen Blüten, Blättern und Wurzeln eine natürliche Hausapotheke aufbauen lässt: von der Pflanzenauswahl über die Verarbeitung bis hin zu selbst hergestellten Salben, Cremes und Tinkturen. Bereits am Sonntag, 5. Juli nimmt Kräuterexperte und Archäologe Markus Siefer in seinem Vortrag » Pflanzen der Vergangenheit – Chance für die Zukunft?« mit auf eine Reise durch Jahrtausende pflanzlichen Heilwissens – mit anschließendem Workshop. Wer tiefer in die Welt der heimischen Heilpflanzen eintauchen möchte, findet diesen Sommer im Museum Oberschönenfeld gleich mehrere Gelegenheiten dazu.

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