Politik & Gesellschaft

Die Frage nach der Sicherheit

Dr. Hanna Pfeiffer & Christian Orth
a3kultur-Redaktion

Mit einer Begrüßungsrede von Oberbürgermeister Florian Freund wurde das Augsburger Friedensfest am 24. Juli in der Kresslesmühle eröffnet.

Als Einstieg erklärte er, dass Augsburg eine der sichersten Städte Deutschlands sei und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit hier keinen Platz habe. Damit setzte er einen klaren Standpunkt und lenkte das Thema in eine politische Richtung, an welcher Dr. Hanna Pfeiffer, Leiterin des Forschungsbereichs »Gesellschaftlicher Frieden und Innere Sicherheit« am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg, direkt anschloss. Die Moderation führte Journalist Christian Orth. Mit der grundsätzlichen Frage über das Sicherheitsempfinden in Deutschland, wie viel Sicherheit eine Demokratie braucht und wie viel sie gleichzeitig verkraften kann, stiegen Dr. Pfeiffer und Herr Orth ins Gespräch. 

 »einmal uns gewählt, werdet ihr die Wahl nicht mehr haben«

Es wurde über den Begriff Sicherheit gesprochen, dass dieser sich schwer definieren ließe und sich rechtsextreme Parteien wie die AfD diesen als eine Art Kampfbegriff aneigneten. Es wurden die Gefahren einer Demokratie dargelegt, die deutlich die AfD selbst und global vernetzte Rechtsextreme darstellen. »einmal uns gewählt, werdet ihr die Wahl nicht mehr haben« – ein Zitat, dass die Ziele und die damit einhergehende Gefahr der AfD deutlich macht. 

Dr. Pfeiffer erläuterte außerdem die Unterschiede zwischen gefühlter und realer Sicherheit. Ein Beispiel hierfür ist die mediale Aufbauschung von islamistischen Terroranschlägen. »Die Angst vor einem Terroranschlag ist gesellschaftlich viel größer, als die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich bei einem Terroranschlag umzukommen«, so Herr Orth. Das gefährliche daran ist, dass Angst und Schrecken verbreiten genau das Ziel von Terrorgruppierungen darstellt, während reale Sicherheitsgefahren wie der Klimawandel dauerhaft unter den Teppich gekehrt werden. Die Klimakrise ist schwerer greifbar, es gibt keinen klassischen Täter und somit führen verzerrte Wahrnehmungen zu realen und gefühlten Sicherheiten/ Gefahren. Dr. Hanna Pfeiffer verdeutlicht klar: »Es muss ein Umdenken stattfinden«. 

Kürzlicher Anschlag in Berlin

Es ist sehr wichtig zu erwähnen, dass dieses Podiumsgespräch rund eine Woche vor dem schrecklichen Anschlag auf den Berliner CSD stattfand. Herr Orth und Dr. Hanna Pfeiffer hatten vermutlich nicht die Absicht, diesen Terroranschlag mitsamt ihrer tragischen Opfer herunterzureden. Hinter den Geschehnissen in Berlin steckt ein System. Ein System, dass die Gesellschaft in Wertvolle und Wertlose einzuteilen versucht, dass Hass verbreitet. Es ist ebenso wichtig zu erwähnen, dass der IS eine Terrorgruppierung ist und mit den Wertvorstellungen von Rechtsextremen Hand in Hand geht. Dieses Weltbild und dieser Hass hat absolut nichts mit den Menschen zu tun, die friedlich ihren muslimischen Glauben leben. 

Trotzdem wurden friedlich feiernde und demonstrierende Menschen angegriffen, nur weil sie diesem Weltbild des IS oder Rechtsextremer nicht entsprechen. Genau deshalb ist das Argument der »gefühlten Gefahr« umso wichtiger. Das Ziel dieses Anschlags ist die Verbreitung von Angst, vor allem innerhalb der queeren Community. Die Absicht soll sein, dass sich queere Menschen nicht mehr auf die Straße trauen, sich nicht mehr trauen, zusammen zu feiern und Sichtbarkeit zu zeigen. Es ist wichtig, genau dem Stand zu halten, sich nicht einschüchtern zu lassen und weiterzukämpfen. Und vielleicht ermutigt es nun ein bisschen, die klaren Ziele von Terroranschlägen zu kennen. 

Weitere Programmpunkte zum Augsburger Friedensfest finden Sie hier: manchmal-brauche-ich-Sicherheit

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