Ausstellungen & Kunstprojekte

Wunderbare Museumsnacht

Gastautor

Am 24. September fand im »Fugger und Welser Erlebnismuseum« die seit langem geplante aber Corona-bedingt stets verschobene Museumsnacht statt. Iacov Grinberg war für a3kultur dabei.

Das Museum zeigte seinen Gästen als allererstes seine neuesten Exponate. Darunter zum Beispiel auch ein Objekt der Industriekultur: eine Waage. Sie wurde speziell für große Wollballen noch 1827 von Firma Edler produziert und jedes Jahr von der Stadt geprüft: Die Stadt hatte das lukrative Recht bekommen, den Wollmarkt zu veranstalten und musste dafür auch die Genauigkeit der Waagen auf dem Markt gewährleisten. Die Waage wurde bis 1940 verwendet. Ab diesem Zeitpunkt, zählte Wolle zu den Rüstungsgütern und wurde deshalb nicht mehr an private Händler verkauft. 

 

Zweite Neuheit im Museum sind einige Kupferplatten, die in gesunkenen Schiffen in der Nordsee gefunden wurden. Sie sind dünn aber auch dick, rund und rechteckig aber alle tragen das Emblem der Fugger. Jakob Fugger erkannte damals, dass in dem Territorium des damaligen Ungarns kupferhaltige Erze vorhanden waren. Er organisierte daraufhin den Erzabbau, die Kupferproduktion und den sicheren Transport von Kupfer nach Amsterdam und baute so ein Monopol im Kupferhandel im damaligen Europa auf.

 

Kupfer ist die Hauptkomponente für Bronze und damals eine wichtige Ware. Bronze war nicht nur für den Bau von Skulpturen und Glocken notwendig, man konnte damals auch Kanonen aus Bronze produzieren. Kanonen aus Stahl tauchten erst im 19. Jahrhundert auf. Ohne Kanonen war die Seefahrt – die Transportmöglichkeit für teure und hochbegehrte Gewürze – kaum möglich, da sich die Handelsschiffe stets auch gegen Piraten verteidigen mussten. Das Zeichen der Fugger garantierte die Qualität des Kupfers, das nach ganz Europa verschifft wurde und einen Großteil des Reichtums der Fugger ausmachte.

 

Anschließend wurde den ca. 60 Besuchern ein Auszug aus dem Kammerspiel »War es doch Liebe? Jakob und Sibylla« mit Heinz Schulan und Alexandra Johns-Kraft gezeigt. Wir wissen nur sehr wenig Zuverlässiges über die Frau von Jakob Fugger. Nur, dass sie keine Kinder hatte und von ihrem Ehemann in seinem Testament über den Pflichtteil hinaus begünstigt wurde. Das hat den Autor des Stückes dazu veranlasst, das Leben der Eheleute als ein übliches Familienleben auf die Bühne zu bringen. Das Theaterstück verwandelte die historischen Figuren in lebendige Menschen mit alltäglichen Problemen und kleinen familiären Freuden. Ich sehe auch das als Aufgabe eines Museums: das damalige Leben lebendig zeigen.

 

Die Darbietung wurde im Freien, im Garten von St. Stephan, gespielt und die Besucher nutzten mit großen Interesse und Vergnügen die Möglichkeit, diesen prächtigen Garten anschauen zu können. Normalerweise ist der Garten nicht für Besucher zugänglich.

 

Die Museumsnacht stand unter dem Motto »Kleider machen Leute!« und so folgte auch eine kleine Modenschau. Als erstes präsentierten die Mitglieder der Interessensgemeinschaft Historisches Augsburg e.V., die schon seit 10 Jahren mit dem Museum zusammenarbeitet und die anschließend Renaissance-Tänze zum Mitmachen veranstalteten, ihre Kleidung. Sie waren so gekleidet, wie es sich damals für den Geschlechtertanz ziemte. Der Geschlechtertanz war eine Möglichkeit für junge Leute aus wohlhabenden Familien, einander zu präsentieren und gegenseitig kennenzulernen. Die Tanzbewegungen waren nicht kompliziert, aber erlaubten den Beteiligten sich gegenseitig von allen Seiten zu betrachten. Das ständige Wechseln der Paare erlaubte jungen Leuten ein paar Worte miteinander zu wechseln. Aber es herrschten strenge Regeln. Jedes Detail der Kleidung hat eine Bedeutung und so war die Kleidung Ausdruck für die gesellschaftliche Stellung.

 

Der zweite Teil der Modenschau zeigte das Schaffen der Modedesignerin Maureen Njotsa Lermer. Ein halbes Dutzend junger Damen zeigten am Laufsteg zahlreiche, ganz verschiedene Kreationen der Modedesignerin. Das Publikum hat die zur Schau gestellten Stücke als sehr schön wahrgenommen. Mir wurde aber wieder einmal bewusst, dass mein Wahrnehmen von Schönheit, hauptsächlich nicht auf Kleidung sondern auf Gesicht und besonders Gesichtsausdruck basiert.

 

Weiter hatten die Besucher die Möglichkeit, alte Musik anzuhören, die die Pianistin Stefanie Knauer am Clavisimbalum spielte. Dabei handelt es sich um ein altes Tasteninstrument, der Vorgänger des Cembalos mit einer kleinen Tastenzahl. Knauer spielte einige Werke aus dem 15. Jahrhundert, insbesondere des heute fast vergessenen Komponisten Conrad Parmann. Die Musik war sonderlich, für uns ungewohnt.

 

Das erinnerte mich an die Erklärung eines Musikers über das Problem mit alter Musik: Wir können alte Instrumente nachbauen und nach alten Noten spielen, aber damals hörte man in der Umgebung meistens natürliche Laute, manchmal eine Kirchenglocke oder ein Glöckchen am Hals einer Kuh. Musik war eine Seltenheit, man hörte sie in der Kirche oder bei einem Fest. Wir leben aber heute in einer Welt, die voll mit Musik ist. Wir sind an die ständige Präsenz der Musik schon gewohnt. Unsere Wahrnehmung von Musik ist dadurch anders als früher. Wir können kaum verstehen, wie Musik damals auf Zuhörer wirkte.

 

Natürlich fehlte es auch nicht an Getränken und kleinen Naschereien. Das Museum versuchte die Besucher mit allen Sinnen in die damalige Zeit zu entführen. Das Team bereitete zum Beispiel Kaffee nach alten Rezepten zu und die Besucher wunderten sich, wie sonderlich er damals mit den verschiedenen Gewürzen zubereitet wurde. Eine der Mitarbeiter sagte mir auch, dass das Museum nun auch versuchen möchte, Brot nach alten Rezepturen zu backen.

 

Die Museumsnacht war sehr gelungen und es bleibt mir nur, mich bei den Museumsmitarbeitern für dieses schöne Erlebnis herzlich zu bedanken.

 

 

www.fugger-und-welser-museum.de