Tourismus als Leitökonomie
Ein Gespräch mit Götz Beck von der Regio Augsburg Tourismus GmbH über Bedeutung und Zukunft unserer Region als Reiseziel.
Herr Beck, Sie tragen seit fast 30 Jahren als Geschäftsführer der Regio Augsburg Tourismus GmbH Verantwortung für die Region. Die Übernachtungszahlen stiegen in dieser Zeit enorm an – von 496.168 im Jahr 2000 auf 1.196.946 im Jahr 2024. Aus welchen Gründen besuchen die Menschen unsere Region –touristisch, geschäftlich oder privat?
Der Tourismus in Augsburg setzt sich aus klassischem Städtetourismus mit Übernachtungs- und Tagesgästen sowie aus Gästen aus der sogenannten MICE-Branche
(Meetings, Incentives, Conventions, Events) und Naherholungsgästen zusammen.
Welchen Mehrwert sehen Sie für die hiesige Gesellschaft in der weiteren Entwicklung der touristischen Angebote?
Der Tourismus entwickelt sich in Augsburg und der Region zu einer Leitökonomie. Schon heute erwirtschaftet er in Augsburg und der Region ein Bruttoumsatzvolumen
von über 1 Milliarde Euro. Er sichert nicht nur Arbeitsplätze, sondern trägt maßgeblich dazu bei, die Bekanntheit und das Image positiv zu prägen. Nach einer aktuellen Brandmeyer-Studie befindet sich Augsburg heute, was die Markenstärke hinsichtlich der Lebensqualität betrifft, auf Platz 7 in Deutschland – noch vor Münster, Leipzig, Dresden, Düsseldorf und Stuttgart. Des Weiteren wird über den Tourismus eine Infrastruktur im Bereich Kultur, Freizeit und Sport gesichert, die natürlich primär von den
Bürger*innen genutzt wird.
Um die finanziellen Rahmenbedingungen für solche Festivals, Ausstellungen und Leuchtturmprojekte zu optimieren, bedarf es einer besseren Tourismusfinanzierung über eine Gästeabgabe oder Bettensteuer.
Römer, Fugger, Frieden, Industriekultur, Mozart, Altstadt, Brecht …
Augsburg kann mit einer Vielzahl an Themen für sich werben. Nicht alle diese Bereiche sind – um ehrlich zu sein – optimal entwickelt. Nicht alle haben die gleiche Strahlkraft für Gäste. Auf welche dieser Themen sollte im Hinblick auf touristische Möglichkeiten bei der Weiterentwicklung besonderes Augenmerk gelegt werden?
Grundsätzlich sind die wichtigsten touristischen Profile, wie Fugger, Mozart, Brecht, Frieden/Luther, Industriekultur/UNESCO und in Zukunft auch Römer, sehr gut besetzt. Zu jedem dieser Profile gibt es ein eigenes Museum oder eine Gedenkstätte, Angebote im Bereich Stadtführungen, Reiseführer, Flyer und digitale Angebote wie
eigenständige Apps oder Präsentationen im Internet und auf Social Media. Die Stärke von Augsburg ist zweifelsohne die Vielfalt. Natürlich müssen in diesen Profilen weitere Akzente gesetzt werden, wie z. B. die Entwicklung der »Neuen Kahnfahrt«, um darin das Thema UNESCO erlebbar und emotional zu präsentieren. Das Römische
Museum sollte, wie geplant, realisiert werden. Auch das Brechthaus müsste nach aktuellen Möglichkeiten neugestaltet werden. Aber zusammengefasst kann festgehalten werden, dass die wichtigsten touristischen Themen in Augsburg durch ein starkes Storytelling ganzjährig erlebbar sind.
Die überregionale Strahlkraft der Augsburger Festivallandschaft und Ausstellungsprogramme war schon einmal stärker. Welches touristische Potenzial schlummert in einem starken Kulturprogramm?
Temporäre Ereignisse wie Festivals und bedeutsame Ausstellungen sind im Rahmen der Transformation der Städte von zentraler Bedeutung. Sie müssen für die Wahrnehmung und Belebung der Stadt allerdings auch überregionale Qualität haben und daher finanziell entsprechend ausgestattet werden.
Wie wird es bei der Frage um eine Tourismus- und Kulturabgabe weitergehen?
Wir sprechen von einigen Euro Aufschlag pro Übernachtung – ähnlich einer Kurtaxe.
Die Ex-OB Eva Weber hat diese gemeinsam mit den Landrät*innen der Nachbarschaft und München gefordert – bisher mit wenig Erfolg. Der regionalen Entwicklung kämen diese Projektfördermittel wohl mehr als recht.
Um die finanziellen Rahmenbedingungen für solche Festivals, Ausstellungen und Leuchtturmprojekte zu optimieren, bedarf es einer besseren Tourismusfinanzierung über eine Gästeabgabe oder Bettensteuer. Dieses im Ausland übliche und bekannte Finanzierungsmodell wird auch in allen Bundesländern in Deutschland immer häufiger eingesetzt, da jedem klar ist, dass eine rein freiwillige kommunale Finanzierung dem Stellenwert und der Bedeutung des Tourismus in keinster Weise gerecht wird. Hier muss die Staatsregierung umdenken und dieses Finanzierungsmodell auch in Bayern zulassen, da wir sonst mit einem extremen Wettbewerbsnachteil konfrontiert werden.
Tourismus, Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing – in manchen Städten und Regionen werden diese Bereiche unter einem Dach bespielt. Nicht so in Augsburg. Sollte sich hier etwas ändern, um mehr Synergien zu erzielen?
In kleineren Städten werden diese Bereiche häufiger zusammengelegt. Für größere Städte ist das schwieriger, da es zwar in allen Bereichen Schnittstellen gibt, aber eine Tourismusförderung ganz andere Produkt- und Vertriebsstrukturen aufweist als die klassische Wirtschaftsförderung. Auch das Stadtmarketing bedient andere Erwartungen, sodass die aktuelle Situation durchaus sinnvoll erscheint. Wichtig ist für uns vielmehr, dass auch in Zukunft eine starke Stadt-Land-Kooperation gesichert ist und dass der Tourismus sehr eng mit dem Kongress- und Tagungsmarkt verbunden bleibt.
Was planen Sie eigentlich nach Ihrer anstehenden Pensionierung zum Jahresende – Urlaub?
Ich genieße die Freizeit in Augsburg und der Region und hoffentlich auch bald an der neuen Kahnfahrt. Auch überlege ich mir, eventuell als Dozent an der Hochschule München tätig zu werden, aber damit lasse ich mir noch Zeit.
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