Ausstellungen & Kunstprojekte

So vergeht der Ruhm der Welt

Iacov Grinberg
18. Juli 2019

Er studierte und arbeitete lange Zeit als Bauingenieur, danach verwandelte er sein Hobby, eher eine Berufung, in den Beruf eines freien Fotografen. Er folgt den Traditionen finnischer Dokumentarfotografie, reist auf der Suche nach interessanten Sujets, Menschen und Objekten an ganz verschiedene Orte und macht dort Serien. Seine Arbeiten wurden 2005 auf der Biennale in Venedig, 2016 wurden sie mit einer individuellen Ausstellung im Finnischen Nationalmuseum geehrt. Er arbeitet mit großer Aufmerksamkeit für Details, in welchen sprichwörtlich der Teufel steckt. Die gezeigten Arbeiten im Höhmannhaus demonstrieren das anschaulich. Sie zeigen private Paläste in ihrem heutigen, teilweise verfallenen Zustand und ihre heutigen Besitzer und Bewohner.

Paläste wurden von reichen Menschen als Zeichen ihres Reichtums und gesellschaftlicher Position gebaut. Beispielsweise wurde das Schaezlerpalais vom Bankier Benedikt Adam Liebert gebaut. Sie sollten dem Ruhm der Bauherren dienen, trugen oft Symbole, die diesen Ruhm hervorheben. So gibt es im Rokokosaal rechts und links zwei Wappen zu sehen, die Lieberts Handelsbeziehungen zu den Kontinenten veranschaulich sollten. Die Dekoration der Paläste sollte nach damaliger Mode sein.

Die Zeit aber steht nicht still, die Paläste ändern ihre Besitzer. Eine Generation wird durch eine andere, nicht unbedingt durch eine ebenso reiche Generation ersetzt. Manchmal gibt es keinen direkten Erben, neue Eigentümer haben mit dem Bauherren nichts gemeinsam. Das Schaezlerpalais kam beispielsweise in den Besitz der Schaezler.

Gut, wenn diese Paläste letztendlich in öffentliche Hand übergehen, wie im Falle des Schaezlerpalais. So können sie ihre Schönheit bewahren und die Besucher bezaubern. Doch nicht alle Besitzer haben genügend Geld für eine Konservierung oder Renovierung. Wenn die heutigen Eigentümer ihre Paläste zum Wohnen ohne die dafür notwendigen Mittel anpassen, kommt es oft zu Eklektizismus. Im Schaezlerpalais wurde die Heizung unsichtbar gemacht, sie ist durch Bänke getarnt.

Jaakko Heikkilä kennt weitere Beispiele: Im Schlafzimmer von Giulio Manieri Elian und Paolo de Benedictis steht die prächtige Deckenfreske mit mythologischen Szenen in krassem Widerspruch zu dem weißen Heizkörper und den schlicht bemalten Wänden. Man sieht teilweise verfallene Stuckverzierungen, zahlreiche Risse auf Fresken, vernachlässigte Gärten mit beschädigten Skulpturen.

Die Paläste forderten Menschen in einer damaligen prächtigen Kleidung, mit entsprechendem Benehmen und Vorstellungen über die Ehre und das Wort. Heutige Besitzer fallen in ihren Palästen häufig aus dem Rahmen, wie N.H. Mario Zorzi in moderner Kleidung, im Hintergrund die Zimmerausstattung des vorherigen Jahrhunderts und Porträts der vornehmen Ahnen.

Alle gezeigten Fotografien sind technisch einwandfrei, mit tiefen gesättigten Farben, die Objekte oft sehr schön und die Details, in welchen der Teufel steckt, sind nicht hervorgehoben. Auf den ersten Blick ist alles prächtig, wenn man aber aufmerksam ist, kommt in Erinnerung: »Sic transit gloria mundi« (So vergeht der Ruhm der Welt).

Sie können diese Fotografien noch bis zum 29. September bewundern.

www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de

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