Klassik

Schwerelose Barockexpertise

In seinem Jubiläumsjahr überzeugt das offizielle »Orchestra in residence« der Deutschen Mozartstadt Augsburg auch mit den großen Mozartsinfonien und begeisterte das Publikum im Kleinen Goldenen Saal insbesondere mit der fulminanten Interpretation des Oboenkonzerts (KV 314) durch Xenia Löffler.

Ob es nun ein »Nachschlag« war zum diesjährigen Mozartfest oder ein gelungener »Appetizer« zur kommenden Edition in 2023 scheint unerheblich. Das womöglich auf Augsburg zugeschnittene Sonderkonzert der Akademie für Alte Musik Berlin, die heuer ihr 40-jähriges Jubiläum feiert, stellte einmal mehr klar, welch raffinierter Schachzug des Mozartfest-Leiters Simon Pickel es war, den historisch informiert spielenden Klangkörper im Jahr 2018 als Orchestra in residence gewonnen zu haben. In den vier Jahrzehnten hat es sich weltweit an die Spitze der auf Originalinstrumenten spielenden Orchester gespielt. Wer am Samstagabend im gut besuchten Kleinen Goldenen Saal miterlebte, wie aufmerksam, wie vital, unerhört frisch und forsch, wie lustvoll und klanglich kontrastreich die im Stehen spielenden Musiker*innen unter der ebenso präzisen wie subtilen Leitung von Bernhard Forck selbst ein quasi reines Mozart-Programm gestalteten, kann diese Spitzenposition nur bestätigen.

Zu entdecken galt es auch den heute, ganz anders als zur Zeit der Wiener Klassik, eher selten zu hörenden Komponisten Paul Wranitzky, der sich mit Mozart das Geburtsjahr 1756 teilt und in seine D-Dur-Sinfonie überaus raffiniert heroisch-festliche und vor allem elanreiche, (volks)-tänzerisch inspirierte Momente packte. Zu feiern galt es zuvor aber insbesondere den Auftritt von Xenia Löffler, die ihrem Ruf als erfolgreichster deutscher Spezialistin auf der Barockoboe alle Ehre machte.

Atemberaubend, mit »welcher Wonne, welcher Lust« und wie unfassbar schwerelos sie – die seit vielen Jahren auch Mitglied bei Akamus (wie sich das Orchester in Kurzform benennt) ist – die teils nahezu keck, spitzbübisch phrasierten Partien des Oboenkonzerts in C-Dur »auftischte«. Virtuos nutzte sie auch das offensichtliche Vertrauensverhältnis zu den Kolleg*innen, um die Solostellen nahtlos ins Tuttigeschehen zu betten. Effektvoll streute sie die kleinen Breaks ein, so dass es in allen drei Sätzen sprühte und funkelte. Sie ließ ihre Oboe im langsamen Satz lupenrein singen, akzeptierte augenzwinkernd und zum Vergnügen der verblüfften Hörerschaft die natürlich abgesprochene »Übergriffigkeit« des Konzertmeisters und torpedierte mit ihrem Können in der Tat die eigentlich vielfach bestehenden spieltechnischen Hürden dieser klappenlosen Oboe, die so vollendet und mühelos zu beherrschen eine sehr ausgereifte Klangvorstellung erfordert. Gerade noch als Solistin bejubelt, entdeckte man Xenia Löffler nach der Pause in der finalen und entsprechend »feurig« geschürten und feierlich aufgeladenen Haffner-Sinfonie, im Orchester. Bekanntlich hatte sie der reiche Salzburger Kaufmann Sigmund Haffner 1782 zu seiner Erhebung in den Adelsstand beim Maestro beauftragt – die Nachwelt profitiert noch heute von diesem herrlichen musikalischen »Geschäft« und die Augsburger Mozartfans dankten mit langem und lautem Beifall.