Klassik

Prophetische Wucht

Renate Baumille...
29. September 2021

Die Einweihung der in diesem Jahr aufwändig generalsanierten Steinmeyer-Konzertorgel geriet im Rahmen des 1.Sinfoniekonzerts der Augsburger Philharmoniker im Kongress am Park zum musikalisch eindrucksvollen Giganten-Treffen.

Weder Staatsintendant André Bücker noch Oberbürgermeisterin Eva Weber hatten es sich zum Start der sinfonischen Konzertreihe 2021 nehmen lassen, das Publikum im erstmals wieder normal besetzten, 3G-geschützten, Saal persönlich zu begrüßen. Beide betonten sehr zu recht das Engagement der Philharmonischen Gesellschaft Augsburg unter ihrem 1. Vorsitzenden, dem Cellisten Jakob Janeschitz-Kriegl sowie die großzügige Spendenbereitschaft privater Geldgeber und damit das beachtliche bürgerschaftliche Engagement. Mit rund 50 Benefizkonzerten und den 350 Orgelpfeifen-Patenschaften konnte die doch stattliche Summe von 360.000 Euro zur Generalsanierung der Konzertorgel gestemmt werden.

Die Hörerschaft indes war extrem gespannt auf den »neuen« Klang der 1972 erbauten, zehn Tonnen schweren und von Orgelbaumeister Siegfried Schmid restaurierten Steinmeyer-Orgel. Konsequenterweise entschied sich GMD Domonkos Héja in dieser Saison mit Christian Schmitt für einen hoch renommierten Konzert-Organisten als Artist in Residence, auf dessen weitere Einsätze (etwa im 8.Sinfoniekonzert im Juli sowie am 18. Februar im MAN-Museum mit Poulencs »Konzert für Orgel, Pauke und Streicher«) man sich jetzt schon freuen sollte.

An diesem Abend widmete er sich am direkt rechts neben dem Dirigenten platzierten Orgel-Spieltisch mit Verve und dynamisch kühnem Pedaltraktat der postromantischen Orchesterfassung von Franz Liszts Solo-Orgelwerk »Ad nos, salutarem undam«. Der Choral der Wiedertäufer findet sich ursprünglich im 1. Akt der Oper »Le Prophete« von Giacomo Meyerbeer. Wie also klang sie, die zudem effektvoll beleuchtete (Steinmeyer)-Königin der Instrumente? Definitiv so kontrastreich, filigran und dann wieder leuchtend voluminös, wie es die sehr bewusst gewählte Komposition aus »Fantasie und Fuge« nahelegte, für deren transparente Interpretation Schmitt selbstbewusst alle vorhandenen Register zog und damit den Facettenreichtum der Komposition innig und intensiv heraufbeschwor.

Eingestimmt hatte GMD Héja das Publikum mit der selbst für Nicht-Wagnerianer immer wieder betörenden »Tannhäuser«-Ouvertüre, die im Spannungsbogen vom düster-feierlichem Pilgerchormotiv und sinnlich-sirrender Venusberg-Ekstase den emotionalen Gehalt von Wagner Schlüsselwerk verweist.  »Von Freuden und Leidenschaften« und der großen Sehnsucht des Menschen nach Freiheit kündete nach der Pause auch die vielfach leitmotivisch in Filmen verwendete Tondichtung (1896 uraufgeführt) von Richard Strauss. Kein Wunder, denn die musikalisch erhabene Magie dieses in C-Dur die Menschheit blendenden Sonnenaufgangs ist eingangs so mitreißend, dass es mitunter schwer fällt, sich mit ähnlicher Hörenergie auf die nachfolgenden sinfonischen Gedanken-und Naturgänge einzulassen. Und das, obwohl sie dem stets präsenten Orchester hinreichend Gelegenheit gaben, sich von seiner klanglich opulenten und klanglich meist fein ausbalancierten Seite zu präsentieren. Dass diesen fast schon feierlich zu nennenden sinfonischen Auftakt ein klassisch starker Beifall krönte, versteht sich fast von allein!

www.staatstheater-augsburg.de 

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