Klassik

Oper unterm Sternenhimmel

Die Open-Air-Operngala des Staatstheaters begeisterte die Zuschauer mit einem musikalischen Feuerwerk am Roten Tor.

Die Open-Air-Operngala des Staatstheaters hätte mit ihrem rein italienisch-französischem Repertoire sicher auch ohne Feuerwerk gezündet. Aber natürlich war es mit noch schöner! So krönte die zum »Turandot«-Finale eingesetzte Pyrotechnik einen musikalisch eindrucksvollen Abend auf der Freilichtbühne, der einmal mehr deutlich machte, über welch wahrhaft luxuriöses weibliches Stimmenpotential Augsburg mit Sängerinnen wie Kate Allen, Sally du Randt, Natalya Boeva und Jihyun Cecilia verfügt. Pascal Herington und Stanislav Sergeev präsentierten sich endlich auch als Neuzugänge im Solistenensemble präsentieren und Startenor Gerhard Siegel sorgte im leider viel zu kurz währenden Gastauftritt mit der Arie des Calaf »Non piangere Liu« und phänomenaler Gestaltungskraft für späte Gänsehautmomente. Dass GMD Héja sein Orchester und den beteiligten Opernchor brillant im Griff hatte, versteht sich mittlerweile von selbst! Fazit: Viel Jubel von den »GGG«-Gästen auf der Freilichtbühne und ein Erlebnis, das diejenigen ein wenig getröstet hat, die schon zu lang auf mehr Oper am Roten Tor warten.

Fachlich firm führte Konzertdramaturgin Christine Faist mit Sophie Walz durch das Programm, das sich rein auf die Werke französischer und italienischer Meisterkomponisten wie Bizet, Verdi, Gounod, Offenbach und Puccini beschränkte und damit zum Teil Appetithappen für die kommende Spielzeit verteilte. Mit Leoncavallos 1892 uraufgeführter Oper »Der Bajazzo« und Tonios Prolog startete der Abend noch ziemlich verhalten mit einem nicht überzeugenden Alejandro Marco Buhrmester. Doch spätestens mit der »Habanera« fühlte man sich angekommen im Opernhimmel, in dem Natalya Boeva ihre Carmen mit ausgewogener Balance von Selbstbewusstsein und Koketterie interpretierte, jeden Moment nutzte, um die so dynamisch, brillant und souverän geführte Stimme in voller Pracht zu entfalten und damit zum golden leuchtenden Fixstern zu werden. Da hatte es der nach ihr auftretende Tenor Pascal Herington nicht leicht, das Potential seiner geradlinig geführten Stimme in der nicht minder zum Ohrwurm gewordenen »La donne é mobile«-Arie unter Beweis zu stellen – am Ende gelang es ihm doch.

Wie betörend Desdemonas »Ave Maria« aus dem Mund von Sally du Randt (Foto: Jan-Pieter Fuhr) klang, wie exquisit und an Dramatik und Intensität kaum zu überbieten sie vor der Pause das Duett der Aida gemeinsam mit Natalya Boeva (als gnadenlos gute Amneris) zum immens großen kleinen Finale machte, das war schlichtweg »zum Niederknien«. Im beliebten Männerduett aus Bizets »Perlenfischer« zeigten sich Wiard Witholt und Tenor Roman Poboinyi in emotionaler Verbundenheit und auf stimmlich gefühlvoller Höhe bzw. mit solider Substanz. Auch im zweiten Teil gab es mit den Auszügen aus Verdis Oper »Don Carlos« und insbesondere mit der Arie »O don fatale« ein erstes Highlight, nachdem Olena Sloja sich an der herausfordernden Koloraturarie der Olympia (Hoffmanns Erzählungen) – anders als Roman Poboiny mit Chor beim »Kleinzach«-Couplet – ein wenig übernommen hatte. Kate Allen zog in der Tat alle vokalen Register, um gekonnt und mit Volumen die flirrende Dramatik, die Inbrunst und seelischen Qualen ihres schlechten Gewissens zu verkörpern.

Großes Theater, das zudem raffiniert die Kulissen von »Chicago« nutzte, um all die imaginierten Opern-Schauplätze anzudeuten und damit den Solist*innen nicht nur den beengten Platz links und rechts vom Dirigentenstuhl-Pult freigab. Ergreifend, samtweich, glasklar und mit Hingabe stieg Jihyun Cecilia Lee mit der Arie der Prinzessin ins überwältigende »Turandot«-Finale ein, das Gerhard Siegels hoch virtuoser Gastauftritt vervollkommnete. Kein Wunder, dass bald nicht nur das Solistenensemble und der Chor, sondern auch die Feuerwerkskörper mit der theatralen Wucht dieses genialen Opernklassikers um die Wette strahlten. Das Publikum war beglückt bis verzückt und spendete zu recht allen Beteiligten langen und starken Beifall!

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