Ausstellungen & Kunstprojekte

Eine neue Sprache

Iacov Grinberg
26. März 2018

Die neue Ausstellung im Kunstverein Augsburg zeigt etwas völlig Neues. Nicht nur für das Augsburger Publikum, sondern auch für die Künstlerin Franziska Hünig, die aus der klassischen Malerei im kunstwissenschaftlichen Sinne kommt. Für ihren künstlerischen Ausdruck hat sie eine neue Sprache gewählt. Franziska Hünig verwendet ausgemusterte Riesenposter, die häufig bei der Werbung an Gebäudefassaden zum Einsatz kommen, und schneidet sie in Bahnen, deren unbedruckte Rückseite bemalt die Künstlerin großzügig mit leuchtenden Farben. Anschließend lässt sie stark verdünnte Farbe über die Kunstwerke fließen und verteilt diese mit langen, breiten Pinselstrichen. Dabei bezieht die Dozentin für Malerei an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg Linien und zufällige Strukturen mit ein. In ihrer Ausstellung werden die bearbeiteten Planen schließlich wieder in einen architektonischen Kontext zurückgeführt: In der Uckermark setzte Hünig deshalb an einer Ruine grün leuchtende Akzente, in Trier legte sie die Planen über römische Thermenreste. 2017 waren auf Einladung der ehemaligen Bundesratspräsidentin, Malu Dreyer, einige ihrer Werke im Lichthof West des Bundesratsgebäudes in Berlin zu sehen. Jetzt sind ihre neuen, im Jahr 2018 geschaffenen Werke in den geschlossenen Räumlichkeiten des Holbeinhauses zu sehen. Die Installationen werden durch Wandobjekte aus dünnen Aluminiumplatten ergänzt.

Kein Zweifel, dass es sich bei der Ausstellung um Kunst handelt. Aber eine neue Sprache ist natürlich nicht für alle verständlich – das konnte man während der Eröffnungsrede der Ausstellung deutlich sehen. Das Publikum durfte Hünigs Arbeiten bereits vor dem Vortrag betrachten. Auf manchen Gesichtern konnte man Aufmerksamkeit erkennen, auf anderen einige Zweifel – was hat das Gesprochene mit dem Ausgestellten gemeinsam? Gespräche im Anschluss bestätigten meine Vermutung. Ein junger Besucher vertraute mir sogar an, dass ihm die ausgestellten Kunstwerke nichts sagten, ihn sogar nicht einmal berührten. Er kritisierte, allein aufgrund beruflichen Erfolgs den Kunstempfehlungen einer Abgeordneten meinungslos zu folgen. Andere Besucher diskutierten dagegen hitzig über die Kunstwerke oder schossen Fotos aus den verschiedensten Winkeln. Auf meine Frage »Was sehen sie hier?« antworteten einige, das könne man in Worten kaum beschreiben, aber mehrere Exponate hätten deren Gefühle tief berührt – das beste Kompliment an ein Kunstwerk.

Der Titel der Ausstellung, »CMYYK«, spielt auf das CMYK-Farbmodell an, das als technische Grundlage für den modernen Vierfarbdruck dient. Das zusätzliche »Y« im Titel wird auf Englisch »Uai« ausgesprochen und assoziiert die Frage »Why«. Damit setzt die Ausstellung subtil ein Fragezeichen. Letztendlich bleibt es also Ihnen überlassen, sich nicht auf die Meinungen anderer zu verlassen, um sich ein eigenes Bild von der Kunstausstellung zu machen. Diese wird bis zum 1. Juni zu sehen sein.

www.kunstverein-augsburg.de

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