Klassik

Mozarts Europa – Europas Mozart

Renate Baumille...
2. Juli 2021

Das Mozartfest Augsburg feiert vom 15.-29. Oktober 2021 das freie Europa und legt den Fokus auf die Künstler-Persönlichkeiten. Ab sofort sind Tickets für die neun Konzerte verfügbar, in denen das Mozartfest an unterschiedlichen Spielorten einmal mehr hochkarätige Solisten und Ensembles aus ganz Europa präsentiert.

Es war klar, dass Simon Pickel und sein kleines, aber feines Team die Pandemie-Pause gewinnbringend für die Deutsche Mozartstadt Augsburg nutzten und das nicht allein mit der Konzeption eines niveauvollen und raffinierten Konzertprogramms, sondern auch mit einem kompletten Relaunch der im »Kastensystem« zeitgemäßer gestalteten Homepage. Begleitend zum Festival präsentiert das Mozartfest zudem eine Reihe von Kurzfilmen, die dank einer Förderung der Kulturstiftung des Bundes, im Frühjahr und Sommer 2021 in Zusammenarbeit mit der Augsburger Agentur YEAH entstehen. Eine großartige Idee! Darin werden ausgewählte Mozartfest-Künstlerinnen und -Künstler in ihrer jeweiligen Heimat – etwa Alexandre Tharaud in Paris, Roberta Mameli in Mailand oder das »Collegium 1704« (Foto © Petra Hajsk) im tschechischen Litomyšl - vorgestellt. Das Projekt wird begleitet von der der Berliner Kulturjournalistin Sylvie Kürsten sowie der Kölner Dramaturgin Catherine Schumann. Damit realisierte Simon Pickel als ambitionierter Festivalleiter seinen Wunsch, den Künstlern schon vor ihren Auftritten in Augsburg zu »begegnen«. Wenn das Publikum bereits besser mit dem jeweiligen künstlerischen Background und den individuellen musikalischen Intentionen vertraut ist, kann es sich später im eigentlichen Live-Konzert noch intensiver auf die Person und deren jeweiligen musikalischen Ausdruck einlassen. Das dürfte für viele Mozartfestfans spannender sein als eine Konzerteinführung; der erste kleine Trailer vermittelte auch schon die Qualität dieser filmischen Kurzportraits. »Auch im Sinne der Nachhaltigkeit ist unser Digitalprojekt sinnvoll, denn wir produzieren weniger Druckprodukte und die Dokumentationen sind auch noch nach dem Festival online verfügbar«, so Simon Pickel.

Über allem steht in diesem in den Herbst verlegten Mozartfest die Frage: Was wäre Europa ohne Mozart und vice versa Mozart ohne Europa, das ihn im Rahmen seiner ausgiebigen Konzertreisen vielseitig inspiriert und geprägt hat. »Europa steht wie kein anderer Kontinent für kulturelle Vielfalt. Europa hat es geschafft, diese Vielfalt als zentralen Mehrwert des Miteinanders zu begreifen und in diesem Sinne zu entwickeln. Gerade an der Persönlichkeit Wolfgang Amadeus Mozarts wird dies in besonderem Maße begreifbar«, beschrieb Jürgen K. Enninger, Kultur- und Welterbe-Referent der Stadt Augsburg in seiner Begrüßung zur digitalen Pressekonferenz des Mozartfests am Mittwoch die europäische Dimension der Künstlerpersönlichkeit Mozarts.

 

Wolfgang Amadeus Mozart wuchs nicht nur in Salzburg auf, sondern in ganz Europa. Unter den damals großen Mühen des Reisens, beispielsweise nach Frankreich, England, die Niederlande oder Italien, sorgte sein weitsichtiger Vater Leopold dafür, dass Wolfgang die unterschiedlichsten musikalischen Stile kennenlernte und von den besten Lehrern unterrichtet wurde. Auch Wissen über Kunstwerke, Naturphänomene, Erfindungen, Ernährung, Mode und Begegnungen mit verschiedensten Menschen waren Teil dieser ganzheitlichen Bildungsreise. Zentral für Simon Pickel bei der diesjährigen Programmwahl war, dass »Mozarts europäische Bildung nicht in erster Linie durch musikalische Programme dargestellt werden soll, sondern vor allem durch die herausragenden eingeladenen Künstlerinnen und Künstler, die in Augsburg zu Gast sind. Sie kommen aus vielen Ländern, die Mozart bereist hat – und darüber hinaus.« Ergründet werden so auch die Spuren, die der europäische Komponist Mozart in ihrer Musiktradition hinterließ. »Wir verstehen das Festival als ein Plädoyer für die Errungenschaft einer gesamteuropäischen Bildung und die unschätzbare Bedeutung, die ein gemeinsames und grenzenloses Europa für die heutige Musikwelt hat«, betonte Pickel eingangs in der Pressekonferenz, zu der sich am Ende auch Václav Luk als Gesprächspartner in Sachen »Mozart in Prag« sowie dessen tschechischem Zeit-und Gesinnungsfreund Josef Mysliveček zuschaltete. Letztlich findet man Myslivečeks sinnliche Musiksprache mit virtuosen Arien wie der berühmten »Bella mia fiamma« wieder, was eine gute Erklärung für Mozarts Kultstatus in Prag liefert. Gemeinsam mit der betörenden norwegischen Sopranistin Mari Eriksmoen tauchen sie tief in Mozarts Prager Universum ein. Das von Luk künstlerisch geleitete und international gefeierte »Collegium 1704« eröffnet am Freitag, den 15. Oktober in der Evangelischen Ulrichskirche das Augsburger Mozartfest 2021, das am 29. Oktober im Parktheater mit Bach ein nicht minder eindrucksvolles Finale verheißt. Genau 300 Jahre nach ihrer Zusammenstellung erklingen Bachs berühmte »Brandenburgische Konzerte« in der mitreißenden Interpretation der Akademie für Alte Musik Berlin, das seit langem zu den besten Barockorchestern der Welt zählt. Und dazwischen: Grandiose Solisten, musikalische Weltelite und erlesene »Freistil«-Stammgäste wie Sarah Christian und Maximilian Hornung, die den musikalischen Kosmos Europa in den nach Augsburg mitgebrachten Werken erstrahlen lassen.

Karten für das Mozartfest 2021 können ab dem 30. Juni in den jeweils angebotenen Kategorien verbindlich reserviert werden. Gebucht wird dabei außer der Preiskategorie nur das Konzert am jeweiligen Datum. Sitzplätze können nicht selbst gewählt werden und sowohl die Konzertorte als auch der jeweilige Beginn können sich noch ändern. Sobald jedoch die Veranstaltungsorte, Uhrzeiten und Saalpläne endgültig feststehen, werden die Karten für den besten verfügbaren Platz in der jeweils gewählten Kategorie automatisch zugeschickt und dann per Rechnung bezahlt.

Detaillierte Infos zu allen Konzertprogrammen und Karten über www.mozartstadt.de

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