Ausstellungen & Kunstprojekte

Mehr als nur heiße Luft

a3kultur-Redaktion

Seit fast vier Jahrzehnten bewahrt und präsentiert die Stadt Gersthofen alles rund um das Thema Ballonfahrt. Der Standort ist dabei kein Produkt des Zufalls. Ein Porträt des Ballonmuseums Gersthofen von Manuel Schedl.

Der Ballon ist das vielleicht faszinierendste aller Fluggeräte: Federleicht und doch gewaltig schwebt er lautlos dahin, wo sich andere Maschinen mit Getöse abmühen, Schub zu erzeugen und die Schwerkraft zu überwinden. Der Ballon ist auch meist die erste Variante der Luftfahrt, die der Mensch in seinem Leben kennenlernt – zum Beispiel, wenn ihm ein buntes, mit Helium gefülltes, handliches Exemplar aus den kleinen Händen gleitet und in den blauen Himmel entschwindet.

Ballons haben etwas Positives, sie kommen nicht martialisch oder auf Geschwindigkeit getrimmt daher, sondern sind bis heute farbenfroh, freundlich und majestätisch.

Die Tradition der Ballonfahrt ist eine lange. Sie reicht zurück ins 18. Jahrhundert. Und trotz immer rasanterer Entwicklung der Luft- und Raumfahrt hat das Thema nichts an Faszination eingebüßt.

In Augsburg gebaut, in Gersthofen gestartet

Als Ort der ersten Versuche einer bemannten Ballonfahrt kommt einem zunächst Frankreich in den Sinn. Hier versetzten die Brüder Montgolfier im Jahre 1733 die Bevölkerung mit ihrem neuartigen Fluggerät in Erstaunen und Verzückung. Doch nur drei Jahre später war es ein Freiherr von Lütgendorf, der im Augsburger Siebentischwald einen spektakulären Startversuch unternahm. Mit der Ballonfabrik Riedinger und heute Ballonbau Wörner wurde Augsburg zu einem Zentrum des Ballonbaus in Europa, und Gersthofen mit seinem seit nunmehr 120 Jahren aktiven Ballonstartplatz eines der Ballonfahrt an sich.

Im Jahre 1985 wurde dem Augsburger Ballonfahrer und Sammler Alfred Eckert von der Stadt Gersthofen ein historischer Turm zur Verfügung gestellt, dem 2003 ein lichter Glasbau zur Seite gestellt wurde. Hier im Ballonmuseum erfährt man nun auf vier Etagen, wie der Traum vom Fliegen Wirklichkeit wurde. Ballonbilder und -skulpturen, Tassen, Teller und natürlich auch das Fluggerät selbst sowie zahlreiche Ausrüstungsgegenstände berichten von der ungebrochenen Faszination für das Abenteuer Ballonfahrt, das natürlich auch Herausforderungen und Gefahren birgt.

Erleben statt nur Betrachten

Unter der Leitung von Dr. Thomas Wiercinski, der zunächst nur für ein halbes Jahr einspringen sollte und nun seit bald 10 Jahren federführend ist, will das Museum mit seinen ca. 13.000 Besucher*innen im Jahr auch Erlebnis- und Kulturort sein. In der zentralen Rotunde finden Kunstausstellungen und Kulturveranstaltungen statt.

Familienfreundlichkeit wird großgeschrieben. Für Kinder gibt es Kinderführungen und eigene Bereiche, in denen sie gemeinsam mit dem Maskottchen »Graf Schaf« das Museum erkunden können. Beim »Escape Balloon«-Spiel kann virtuell ein spannender Kriminalfall rund ums Thema gelöst werden. Darüber hinaus ist das Museum barrierefrei.

Künstler, Erfinder, Wissenschaftler: Die Sonderausstellung »Leonardo da Vinci«

Ergänzt wird die Dauerausstellung des Ballonmuseums durch zwei bis drei Sonderausstellungen pro Jahr. Im Herbst 2022 startet zum Beispiel die neue Sonderausstellung »Leonardo da Vinci – Erfinder und Wissenschaftler« ein (8. Oktober 2022 bis 15. Januar 2023), die dem genialen Maler der Renaissance und frühen Konstrukteur zum Teil verblüffend modern wirkender Flugmaschinen gewidmet ist. Zeichnungen und Konstruktionsskizzen des Meisters dienten als Vorlage für Faksimiles von Vorläufern von Helikopter und Fallschirm. Die Ausstellung erfolgt in Kooperation mit dem Institut für Kulturaustausch, Tübingen. Sie verdeutlicht den Drang des Menschen, den Himmel zu erobern, aber auch den nicht aufzuhaltenden Fortschritt und Forscherdrang, der stets neue, unerschrockene Pionier*innen hervorbringt.


www.ballonmuseum-gersthofen.de