Film

Love Violence

Thomas Ferstl
3. Juni 2019

Zombies, Liebe und Gewalt spielen diesen Monat eine tragende Rolle. Ob die Geschichten um Untote, Exzesse und einen großen Schriftsteller jedoch auch ihre Eintrittspreise wert sind und was Sie im Juni noch im Kino geboten bekommen, erfahren Sie hier.

In »The Dead don’t die« (13. Juni, Kinodreieck, Liliom) wird die Kleinstadt Centerville von merkwürdigen Geschehnissen heimgesucht. Während Sheriff Robertson (Bill Murray) noch rätselt, warum das so ist, ist sich sein Kollege Peterson (Adam Driver, Foto) sicher: Zombieepedemie!

Überraschenderweise hat er recht. Die Untoten haben es aber nicht nur auf die Bürger der Kleinstadt abgesehen, sondern sind neben Menschenfleisch auf der Jagd nach all den Dingen, die sie auch zu Lebzeiten mochten, darunter Kaffee oder ein Gläschen Schampus. Da das aber ja kein Zustand sein kann, machen sich die beiden Polizisten auf die Jagd nach den Störenfrieden.
Zunächst könnte man glauben, Jim Jarmusch hätte hier einen spirituellen Nachfolger der Zombiekomödie »Zombieland« inszeniert. Eine Komödie ist es aber ganz im Stile Jarmuschs, nämlich unrhythmisch. Musikliebhaber würden das vielleicht als atonal bezeichnen. Die klassische Formel des Aufbaus von Gags oder Schreckmomenten und ihrer Auflösung wird hier also nicht unbedingt eingehalten. Das verhilft dem Film aber zu einer sehr angenehmen Lässigkeit, und apropos Musikliebhaber: Tom Waits gibt ein Ständchen und Iggy Pop ist als kaffeesüchtiger Zombie zu sehen. Oder spielt er einfach nur sich selbst?

»Irreversibel« (15. Juni, Liliom) ist ein unbequemer, moderner Klassiker (2002), den man gesehen haben sollte. Irreversibel, unumkehrbar heißt hier unter anderem auch, dass hinterher keiner mehr aufsteht. Gaspar Noé inszenierte einen Film, der optisch so schön wie physisch und psychisch gewalttätig, ist ohne dies dabei unnötig zu ästhetisieren oder zu verharmlosen. Chronologisch rückwärts wird die Liebes- und Rachegeschichte um Alex (Monica Bellucci), Pierre (Albert Dupontel) und Marcus (Vincent Cassel) erzählt.

»Tolkien« (20. Juni, CinemaxX) hält, was der Titel verspricht. Abgehandelt wird die Lebensgeschichte von »Herr der Ringe«-Autor J.J.R. Tolkien (Nicholas Hoult) mit dem Schwerpunkt auf seiner Zeit am Pembroke College und als Soldat im Ersten Weltkrieg sowie dem Einfluss, den die Erlebnisse auf ihn und seine Werke hatten. Inmitten einer Kameradschaft von Schriftstellern und Künstlern an seiner Schule findet Tolkien Freundschaft, Mut und auch Inspiration. Sie wachsen zusammen auf, stehen gemeinsam Erlebnisse wie die erste Liebe und Verluste durch. Sehr turbulent ist auch die Zeit, in der Tolkien seine Herzensdame Edith Bratt (Lily Collins) umwirbt. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs droht jedoch die Bande mit seinen Weggefährten zu durchtrennen und stellt auch die Liebe zu Edith aufs Spiel.

Hoult spielt die Ambivalenz aus Schüchternheit und Begeisterungsfähigkeit Tolkiens hervorragend, auch Lily Colins macht als resolute Edith einen guten Job. Ihre Präsenz überlagert den Film jedoch merklich, auch in Szenen, in denen J.J.R. und sie nicht miteinander interagieren. Der Film des Finnen Dome Karukoski ist so eher eine Romanze mit Kriegseinflüssen statt eines dramatisierten »Behind the Scenes« von Tolkiens literarischem Werk. Ein gutes Trostpflaster, für alle die sehnsüchtig auf die »Herr der Ringe«-Serie von Amazon Ende nächsten Jahres warten, ist der Film aber allemal.

Am 29. Juni wartet im Liliom mit dem Workshop »Wie kommt ein Film ins Kino?« noch ein ganz besonderes Schmankerl auf Filmfans. Ab 12 Uhr können Interessierte kostenlos und ohne Anmeldung Spannendes über Kinotechnik, Preisgestaltung oder Filmlizenzen erfahren. Aber auch die großen und titelgebenden Fragen, wie ein Film überhaupt ins Kino kommt, werden beantwortet.

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