Festival
Klassik

Let‘s Dance, Mozart!

Mozartfest SarahBanda © Fabian Schreyer

An dieser Stelle muss Platz sein für ein großes »Danke« an das Augsburger Mozartbüro. Die HERZENSSACHE steigerte sich zur himmlischen Klangkulisse! Drei Konzertabende mit der Academy of St. Martin in the Fields und dem Pianisten-Duo Lucas und Arthur Jussen, kubanisches Feeling mit »The Sarahbanda« und die musikalische Fusion von Mandolinist Avi Avital mit der lettischen Akkordeonistin Ksenija Sidorova ließen keine Publikumswünsche offen. 

Man darf vermuten, dass Publikum und Fachpresse die Superlative längst ausgegangen sind. Wie soll man guten Gewissens verbalisieren, mit welch virtuoser Vehemenz »die Jussen-Brüder« ihre pianistische Genialität entfalten? Die dringend empfohlene Alternative: den Jussen-Tourneeplan sichten und sie live hören! »Man sagt, wenn die Engel füreinander spielen, so spielen sie Mozart, für Gott aber spielen sie Bach.« Ein Zitat, das bestens ausdrückt, was sich in der evangelischen St.-Ulrichskirche, die bis auf die letzten Hörplätze gefüllt war, ereignete, als Arthur und Lucas Jussen sich an die beiden komplett geöffneten Flügel setzten. Zu Gast war mit ihnen die von Timo Keller vom 1. Pult aus geleitete Academy of St. Martin in the Fields. Bereits mit Prokofjews 20 Miniaturen »Visions fugitives« malte das Orchester den Spirit ihrer besonderen Klangfarbgebung in den Raum, um dann in einem dynamisch perfekt balancierten Zusammenspiel mit dem Pianisten-Duo – zunächst mit Mozarts Konzert für drei Klaviere und eindrucksvoller noch mit Bachs »Konzert für zwei Klaviere c-Moll BWV 1060« – abzuheben in die allerhöchsten musikalischen Sphären. Der sinfonische Abschied fiel diesmal ganz à la Haydn und bekannt irritierend aus. Traditionell machen sich im »Presto-Adagio«-Modus des Finalsatzes der Abschiedssinfonie die Orchestermitglieder nach und nach auf den Heimweg. Mit britischem Humor stahlen sich Streicher*innen und Bläser*innen, mit Dosenbier und Sandwich gewappnet, mit Handshake oder huckepack auf dem Rücken der Kolleg*innen davon – um dann natürlich den tosenden Schlussapplaus entgegenzunehmen.

Jussen Brüder Mozartfest © Fabian Schreyer

Der folgende Fiesta-Abend brachte selbst die Putten im ausverkauften Kleinen Goldenen Saal zum Tanzen. Er begann mit der Ouvertüre zur »Entführung aus dem Serail« mit originell-originalem Mozart, gefolgt vom federleicht und makellos geblasenen Romanzen-Zauber des dritten Hornkonzerts in Es-Dur. Das Publikum war gekommen, weil es genau wusste, dass die tanzaffine Hornistin Sarah Willis (Solistin bei den Berliner Philharmonikern) gemeinsam mit ihrer siebenköpfigen »Sarahbanda« Mozart aus dem gewohnten Takt bringen würde. Das funktionierte bestens, weil die passioniert aufspielenden kubanischen Musiker zu 100 Prozent auf Willis’ künstlerisch umwerfende Persönlichkeit eingegroovt waren. Lässig und perkussiv versprühten sie lebensfrohes Buena-Vista-Social-Club-Feeling und mamboisierten Amadeus mit Salsa-, Cha-Cha-Cha- oder Bolero-Rhythmen, deren Energie man sich auf den Sitzreihen nicht entziehen konnte. Großartig arrangiert von Pianist und Sänger Edgar Olivero begeisterte der »Sarahnade Mambo« als Adaption der »Kleinen Nachtmusik«. Nicht zuletzt dank der Brass-Verstärkung des risikofreudig spielenden Trompeters Harold Madrigal Frias ließ sich das Publikum nach der Pause von der Leidenschaft traditioneller kubanischer Lieder leichtfüßig ins Zentrum Havannas tragen. Nicht zu überhören waren im »blutigen« Finale auch die »El Maniseros« (Erdnussverkäufer) – selbst die kleine Verletzung im Gesicht, die Sarah Willis beim Fangen der Shekere kassierte, trübte ihre offensichtliche Leidenschaft für das temperamentvolle Projekt, das Herzens- und Familiensache geworden ist, nicht. Weit über das Konzert hinaus wurde im Foyer mit »Sarahbanda« weitergefeiert, der CD-Tisch restlos geleert!

Tänze und folkloristisch gespeiste »Canciones« inspirierten auch Komponist*innen wie Béla Bartók (»Rumänische Volkstänze«), Manuel de Falla oder Heitor Villa-Lobos zu hinreißend schönen Tonschöpfungen. Nicht minder exquisit waren die Arrangements dieser bekannten Stücke – zu denen sich auch der »Danse macabre« von Camille Saint-Saëns oder Strawinskys »Suite Italienne« gesellten. Sie öffneten in der künstlerisch idealen Fusion von Avia Avital und Ksenija Sidorova im Kleinen Goldenen Saal den Zugang zu einem magischen, soghaften Klangkosmos. Das Programm – inklusive einer Mozart-Sonate – für die exklusive Kombination von Saiten und Plektrum, Knöpfen und Tasten, von Mandoline und Akkordeon offenbarte vollendete technische Brillanz und ausgereifte Musikalität. Verblüfft und beglückt folgte man diesem rhetorisch ausgefeilten, spannungsreichen Dialog, in dem hauchzarte Pianissimo-Passagen ins Fortissimo katapultiert wurden und in dem die Vertrautheit und der Augenkontakt der beiden Vollblut-Künstler*innen sicher eine ebenso wichtige Rolle spielten wie deren intensives solistisches Potenzial. Persönlichkeiten, Körpersprache und Tonsprache verschmolzen, fusionierten, triumphierten und wurden mit Ovationen gewürdigt!

Mozartfest Avatal und Sidorova © Bastian Walcher

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