Ausstellungen & Kunstprojekte

Kunst, Handwerk,Technik

Bettina Kohlen
16. Oktober 2021

Gerold Sauter arbeitet ausschließlich mit Metall. Als Künstler, Handwerker und Unternehmer gelingen ihm immer wieder überzeugende Lösungen für das ganz Spezielle … Ein Portrait

Die Wolke

Wer schon einmal die Brechtbühne oder das Restaurant im Ofenhaus auf dem Gaswerkgelände besucht hat, kennt das ätherische Gebilde, das dort schwebend den mit rund 18 Metern ungewöhnlich hohen Raum strukturiert. In 6 Metern Höhe setzt eine metallisch schimmernde Wolke eine Zäsur und sichert den Gästen des ebenerdigen Restaurants eine gewisse Geborgenheit, ohne jedoch den grandiosen Raum seiner Wirkung zu berauben. Auch von der Galerie, von wo aus das Theater betreten wird, bietet sich ein wunderbarer Anblick.
Das Konzept hierfür stammt vom Metallbildhauer Gerold Sauter, der das Objekt mit den Mitarbeiter*innen seiner Metallbaufirma auch gefertigt und installiert hat. 100 Meter zartes Aluminiumgewebe bauschten sie dafür vor Ort zu einer schließlich 14 Meter langen Rauchwolke, die nun an dünnen Edelstahlseilen im Ofenhaus hängt. Für diese technisch und ästhetisch überzeugende Lösung wurden Sauter und sein Unternehmen Metallbau Steiner mit dem Deutschen Metallbaupreis 2020 ausgezeichnet.

Der Künstler

Gerold Sauter, der aus Stuttgart stammt, war nach dem Besuch der dortigen Meisterschule für das Schlosser- und Schmiedehandwerk zunächst als freischaffender Künstler und Designer tätig. In dieser Zeit entstand auch der »Ochsen-Stuhl« von 1988, eine metallene Sitzskulptur aus zwei Stühlen, deren gebogene Rückenlehnen und Beine gemeinsam eine Rindersilhouette formen, einer die hintere, der andere die vordere Hälfte des Tieres. Das schräge Sitzmöbelpaar wurde auch in die Sammlung des Berliner Gewerbemuseums aufgenommen.
Um bei Aufträgen für Kunst am Bau, einem Bereich, in dem Sauter bis heute agiert, bessere Startbedingungen zu haben, schien ein akademischer Abschluss äußerst hilfreich zu sein. Der Handwerksmeister Sauter entschied sich für eine Ausbildung in Linz, wo er ab 1989 an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung beim Architekten Laurids Ortner experimentelle visuelle Gestaltung studierte. Dies erwies sich als Glücksfall, denn Ortner, der unter anderem das Mumok im Wiener Museumsquartier entworfen hat, ermöglichte seinen Studierenden eine weitgehend eigenständige Gestaltung des Studiums, wozu auch gehörte, Gastdozent*innen eigener Wahl, wie beispielsweise Zaha Hadid, einzuladen.

Der Unternehmer

Der Metallkünstler Sauter kann jederzeit auf das Know-how des Metallbauunternehmers Sauter zurückgreifen – er hat vor 14 Jahren die Firma Steiner Metallbau vom seinerzeitigen Inhaber, der sich zur Ruhe setzen wollte, übernommen. Die Werkshalle an der Augsburger Frischstraße war ihm da bereits vertraut, denn er hatte dort schon zuvor an den Wochenenden an seinen eigenen Projekten gearbeitet.

Heute beschäftigt Sauter 15 Mitarbeiter*innen, die neben der Ausführung künstlerischer Projekte vor allem Sonderanfertigungen für spezielle Anwendungen liefern. Dort, wo standardisierte Teile, wie zum Beispiel Abwasserbehälter aus Kunststoff in Schwimmbädern, nicht eingesetzt werden können, fertigt Steiner Metallbau das Passende in Edelstahl. Solche Aufträge für in Kleinserien gefertigte Bauteile, die auf recht altmodisch wirkenden, aber nach wie vor unschlagbar präzisen Maschinen entstehen, bilden das wirtschaftliche Fundament des Unternehmens, sodass es möglich wurde, zunehmend auch exklusive hochwertige Metallbauarbeiten anzubieten.

Die Kunst

Sauters Herz jedoch hängt ganz klar an den künstlerischen Projekten, vor allem der anwendungsbezogenen Kunst, einem Aufgabenbereich, dem er sich seit Langem widmet. Sauters Arbeiten passen sich elegant in den vorgegebenen räumlichen Kontext ein, sind aber immer auch als künstlerische Objekte zu sehen, wie die Luft-skulptur im Ofenhaus. Diese Haltung zeigt sich auch bei kleineren Werken, wie denen für einige der Bauten des Projekts »7 Kapellen« im Donautal. Sauter hat hier mehrere Kreuze, einen Weihwasserkessel und einen Kerzenständer entworfen und gefertigt, wobei ganz besonders sein Entwurf für die 2019 erbaute Kapelle von Frank Lattke bei Oberbechingen eine kongeniale Verbindung mit der Architektur eingeht.

Der Möbelbau

Ein weiteres Standbein Sauters ist der Bau ausgesprochen anspruchsvoller (und teurer) Möbel für die renommierte international agierende Carpenters Workshop Gallery in Paris. Die komplexen Entwürfe des Designers Robert Stadler, den Sauter schon seit Akademietagen kennt, werden in der Augsburger Werkstatt perfekt umgesetzt. Gerade steht hier ein gut 3 Meter langer Tisch, dessen Steinplatte auf einem organisch anmutenden Gestell ruht, das durch ein spezielle Brünierung wie Schmiedeeisen wirkt. Da für die Platte hauchdünner Stein auf eine Gewebeunterschicht kaschiert wird, ist der für den Außenbereich gedachte Tisch um einiges leichter, als die monumentale Optik vermuten lässt. Als Nächstes folgen die passenden acht Stühle, die natürlich ebenso in Handarbeit gefertigt werden, die aber, da sie stapelbar sein müssen, nur minimale Maßtoleranzen zulassen. Für solch ungewöhnliche, kostspielige Möbel finden sich in der Region wohl kaum Kunden, doch Sauter und Stadler haben auch Kleineres zu bieten, wie einen formstrengen Kleiderbügel, den der Shop des Kaiser-Wilhelm-Museums in Krefeld im Programm hat. Für dieses Museum hatte Stadler eine neue Einrichtung entworfen, für die Metallarbeiten war wieder Sauter zuständig – der richtige Mann für ästhetisch und handwerklich anspruchsvolle, komplexe Aufgaben.

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