Film

Jubiläum mit Godzilla

Thomas Ferstl
4. Mai 2017

Aller guten Dinge sind drei. In der a3kultur-Maiausgabe vor drei Jahren erschien der »Projektor« zum ersten Mal. Wahrlich ein Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Aber kein Grund, sentimental zu werden, runter mit dem Glückwunschschnaps und weiter geht’s. Damals war der Aufmacher Gareth Edwards’ »Godzilla« und ich freue mich besonders, zum dritten Jubiläum dieses Formats wieder einen Godzilla-Film präsentieren zu dürfen. Ob dieser als »gutes Ding« durchgeht und was Sie diesen Monat noch im Kino sehen beziehungsweise besser meiden sollten, lesen Sie hier:

Mysteriöses begibt sich vor der Küste Japans. Lauert ein feindliches U-Boot im Gewässer? Droht eine verheerende Naturkatastrophe oder terrorisiert ein menschenfressender Hai die Menschen im ehemaligen Kaiserreich? Nein, natürlich lauert da draußen eine viel gewaltigere Gefahr. Es lauert Godzilla. Und der setzt natürlich auch irgendwann zum Angriff an und legt nahezu alles in Schutt und Asche während die Japaner ihr Menschenmögliches tun, um die Auslöschung ihres Landes zu verhindern. »Shin Godzilla« (4. Mai, CinemaxX) der Regisseure Hideaki Anno und Shinji Higuchi ist ein gut gelungenes Reboot.

Trotz moderner Technik lassen die beiden viel Raum für Nostalgie. Dieser Film erinnert stark an die Godzilla-Klassiker aus den 1950er- bis 1970er-Jahre. Der Film spielte weltweit bereits fast 78 Millionen Dollar ein, wird in Deutschland aber nur wenige Tage zu sehen sein. Schnell sein empfiehlt sich, denn gut unterhalten wird man mit »Shin Godzilla« auf jeden Fall. »Das Ende ist erst der Anfang« (11. Mai, Kinodreieck), und der ist ziemlich trist. Eine gottverlassene Gegend, eine schier endlose Straße und darauf ein dunkler Pick-up. Darin die Schergen Cochise (Albert Dupontel) und Gilou (Bouli Lanners). Sie suchen ein verlorenes Handy für ihren Chef.

In der Einöde sind die beiden jedoch nicht allein. Auch Esther (Aurore Broutin) und Willy (David Murgia) sind unterwegs. Sie sind sehr verliebt ineinander und auf der Flucht. Außerdem tauchen noch ein Obdachloser namens Jesus und eine Menge anderer merkwürdiger Gestalten auf. Die Story des Films von Schauspieler und Regisseur Bouli Lanners klingt abstrus, und das ist sie auch. Dieser Neo-Western wirkt wie ein Mischmasch von den Coen-Brüdern und Quentin Tarantino im Niemandsland von Belgien. Die abgehalfterten Gangster Cochise und Gilou erinnern sehr an die rustikale Version von Jules und Vincent aus »Pulp Fiction«. Zwar weniger cool, aber mit der gleichen Art von pseudocleveren und belanglosen Unterhaltungen. Der Rest der Story lässt auf eine starke Inspiration durch »Fargo« schließen. Mit diesem Film ist es fast ein bisschen so wie früher in der Schule: Man schreibt beim Nachbarn ab, versucht aber, die Geschichte so zu ändern, dass dem Lehrer die Kopie nicht auffällt.

Der Film ist zwar in seiner Gesamtheit durchaus solide, aber wenn man etwas wirklich Großartiges sehen möchte, greift man besser zu den Originalen. Volker Schlöndorff hingegen versucht sich mit »Rückkehr nach Montauk« (11. Mai, Kinodreieck) seinem literarischen Vorbild vorsichtig und respektvoll zu nähern. Eine Lesereise durch die USA führt den Autor Max Zorn (Stellan Skarsgård), unterstützt von seiner Frau Clara (Susanne Wolff), auch nach New York. Sein Roman dreht sich um eine Liebe, die den Schriftsteller vor 17 Jahren in eine leidenschaftliche Affäre zu einer deutlich jüngeren Frau verwickelte – eine Beziehung, die allerdings keine Aussicht hatte, über ein Wochenende hinaus anzudauern.

Mit seiner Rückkehr nach Montauk, an das äußerste Ende der New Yorker Insel Long Island, wird die Vergangenheit jedoch wieder lebendig. Dort trifft Max erneut auf Rebecca (Nina Hoss), die Frau von damals. Beide lassen sich auf ein zweites Wochenende miteinander ein. Wie Sie vielleicht bereits bemerkt haben, ist dieser Film, anders, als der Titel es vermuten lässt, keine direkte Adaption von Max Frischs Erzählung »Montauk«. Regisseur Volker Schlöndorff erklärte bereits vor der Premiere des Films auf der vergangenen Berlinale, dass Autor Colm Toíbín das Drehbuch als Hommage an den deutschen Schriftsteller entworfen hat. Eine Hommage ist ja immer schön und gut, aber leider ist die Geschichte sehr durchsichtig, ich möchte fast sagen, so gläsern wie ein moderner New Yorker Wolkenkratzer. Und Skarsgård harmoniert leider nicht besonders gut mit Nina Hoss. Das stört über den Verlauf des Films sehr. Dieser ist jedoch insgesamt durchaus sehenswert und schafft es manchmal sogar, den Zuschauer sanft zu berühren.

 

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