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Iacov Grinberg
29. Juni 2020

Der Bankier und Juwelier Benedikt Adam Liebert von Liebenhofen hatte es einst als ein Bank- und Bürgerhaus gebaut, im April 1770 eingeweiht und im Jahre 1821 an seinen Schwiegersohn und Geschäftspartner Johann Lorenz von Schaezler verkauft.

Von Liebenhofen plante den nachfolgenden Verkauf keinesfalls. Das offensichtlich repräsentative Gebäude am teuersten Teil der Stadt sollte zum Stammsitz der erfolgreichen Bankiersfamilie werden. Prächtige Fresken, Deckenbilder und Wappen auf die Wänden des Rokokosaals zeigen Symbole seiner erfolgreichen Handelstätigkeit mit den damals bekannten vier Kontinenten, die durch seine in der Ausstellung präsentierte Geschäftskorrespondenz bestätigt wird. Hier sollten seine Nachkommen die Bank erfolgreich weiterführen. Aber es kam anders. Die damalige Medizin war gegen viele Kinderkrankheiten hilflos, die Sterberate bei Kindern war auch in wohlhabenden Familien sehr hoch. Das Heiratsalter erreichte nur seine Tochter.

Die Ausstellung im Grafischen Kabinett zeigt auch eine Bronzebüste von Liebenhofens. Willensstarkes Gesicht, enge Lippen, welche auf den zahnlosen Kiefer hindeuten, die Augen nach unten gerichtet. Ein schon betagter Kämpfer, dem das aufgehäufte Geld kaum erfreuen konnte.

Die von Schazeler führten sein Geschäft lange Zeit erfolgreich fort. Sie strebten an, ihr Geschlecht zu stärken, kauften Dörfer und Grundstücke, versuchten sie in Majoraten umzuwandeln. Aber die beiden jungen Söhne des letzten Besitzers des Schazelerpalais, Dr. Wolfgang von Schaezler, starben kinderlos, während des Zweiten Weltkriegs. 1958 wurde das Schazelerpalais der Stadt Augsburg geschenkt. Glück im Unglück – warum?

Viele alte Paläste kamen aus der Hand eines verarmten Geschlechtes in die Hände anderer Geschlechter, die keine direkte Verbindung zum vorigen Besitzer hatten. Ahnen, Vorfahren und die Symbolik der vorigen Besitzer wurden wenig geachtet. Nicht selten wurden alte Räume nach dem damals zeitgenössischen Geschmack umgebaut. Manche Wandfresken wurden übermalt, Deckenfresken und Ölbilder wurden mit einem feuchten Lappen vom Staub gereinigt. Heute stehen Restauratoren oft entsetzt vor den abscheulichen Spuren einer solchen Reinigung.

Die alten Paläste wurden zwei oder drei Jahrhunderte zuvor gebaut, sie passten zur damaligen Lebensweise. In einem Palast gab es außer der Familie des Besitzers zahlreiche Diener, eine große Küche, Vorratskammern, ein Vogelhäuschen (ein solches steht im Hof des Schaezlerpalais) und häufig einen Pferdestall. Es gab eine damals übliche Heizung mit zahlreichen Öfen, fließendes Wasser nur im Grundgeschoss – ein Vertrag mit der Stadt aus dem 18. Jahrhundert über eine solche Wasserversorgung wird auch in der Ausstellung präsentiert. Toiletten im Inneren waren eine Seltenheit.

Natürlich bauten die neuen Besitzer ihr neues Anwesen so um, wie es ihnen bequem war, in der Regel ohne Rücksicht auf die historische Substanz des Gebäudes. Zahlreiche Beispiele haben wir in der Ausstellung „Rooms Hidden by the Water“ des finnischen Fotokünstlers Jaakko Heikkilä gesehen, die im vorigen Jahr im Höhmannhaus zu sehen war.

Die Kulturschätze dieser Paläste sind meist vor dem breiten Publikum verborgen. Ja, wir sehen heute, dass die Besitzer einiger Schlösser und Paläste Räume zur Besichtigung öffnen. Das ist aber nicht selten eine Zwangsmaßnahme, sie brauchen Eintrittgeld, um die Gebäude instandzuhalten. An eine wissenschaftliche Bearbeitung der Bestände oder notwendige Restaurierungen ist wegen der knappen Kassen kaum zu denken.

Im Unterschied zu solchen neuen Besitzern übernimmt die öffentliche Hand nicht nur ein Gebäude, sondern auch die Verpflichtung es zu pflegen und in maximal möglich gutem Zustand den nächsten Generationen zu übergeben. Das können Sie am Beispiel Schaezlerpalais deutlich sehen. Die notwendigen Sanierungen und Reparaturen verlaufen unter strengen Bedingungen des Denkmalschutzes. Es ist möglich, nicht nur die hiesigen Kulturschätze dem breiten Publikum zu präsentieren, sondern diese auch an anderen Standorten zu zeigen und im Gegenzug hier Kulturschätze aus anderen Standorten.

Die öffentliche Hand hat nicht unendlich Ressourcen. Gewünschtes und Mögliches wird wegen Geldmangel vertagt. Hier aber helfen Sponsoren und Stiftungen, private Sammler und Freunde des Museums. Schauen Sie selbst ins Schaezlerpalais und überzeugen sich selbst, dass das Haus in diesem Sinne ein glückliches Schicksal ereilt hat.

Die Ausstellung ist noch bis zum 16. August geöffnet.

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