Ausstellungen & Kunstprojekte

Ein Fest der figurativen Malerei

Iacov Grinberg
19. April 2018

Die neue Ausstellung des BBK, »Urbane Landschaft«, im Abraxas ist anders als die meisten Ausstellungen des Verbandes der letzten Jahre, da die Künstler anonsten – im Gleichklang mit dem allgemeinen Trend – viele Arbeiten zeigen, die man zu der abstrakten Kunst zuordnen kann. Diesmal gehört die Mehrheit der Arbeiten eindeutig zu der figurativen Kunst. Für viele Besucher, die nicht in die Feinheiten der modernen Kunst eingeweiht sind, war es angenehmer. Warum?

Mit ihren künstlerischen Arbeiten, ungeachtet abstrakt oder figurativ, versuchen die Künstler dem Betrachter etwas mitzuteilen. Bei der Wahrnehmung der Abbildungen verläuft es aber nicht immer glatt. Unsere Augen versuchen beim ersten Blick auf ein Bild irgendeine uns bekannte Gestalt auszusondern. Bei der figurativen Kunst, bei der es auf der Bildfläche einige Figuren gibt, fällt es dem Betrachter relativ leicht, etwas auszusondern und aufgrund dieser Aussonderung das Abgebildete wahrzunehmen. Bei der abstrakten Kunst gibt es in der Regel keine Gestalt, die leicht erkennbar ist, man sieht etwas, das als Rohrschach-Klekse bezeichnet wird. Das heißt, man nimmt keine eindeutigen Formen und Gestalten wahr, sondern etwas, in dem man selbst, stützend auf eigene Erlebnise und eigenes emotionales Gedächtnis Formen, Gestalten, ihr Zusammenspiel oder die Stimmung des Kunstwerkes erkennen soll. Das fordert bestimmte seelischen Bemühungen und das Einbringen eigener Fantasie, was nicht leicht ist. Das ist einer der Gründe, weshalb man abstrakte Bilder schwer wahrnimmt.

Die figurative Kunst hat sich auf der Ausstellung auf unterschiedliche Art und Weise gezeigt. Gleich beim Eingang links hängt »Hereinspaziert« von Peter Schlichterle, was als Kammerton der Ausstellung dienen kann: Grelle und bunte Farben, lustige Gestalten, die zusammen ein etwas düsteres und trauriges Bild unserer leicht verrückten Gesellschaft widerspiegeln. Andererseits sieht man »Irrlichter der Stadt« und »Fliehender Punkt« von Dorothea Dudek, welche eine verschwommene urbane Sicht veranschaulichen. Es gibt auch eine interessante Kombination aus realen Objekten und Abbildungen der Objekte in »Lost: Urbane Fundstücke« von Claudia Geßner.

Die Fotografie ist zahlreich vertreten. Es geht nicht nur um einzelne Ansichten, wie in den Arbeiten von Herbert Holzmann, sondern um Paare, wie bei »Viele Stühle – kein Platz« von Verena Blunck-Mader, die Zusammenstellung vieler Ansichten, wie in »Vorgarten I und IIt« von Jo Thoma, und um die Serie, wie bei »Augsburg ist bunt« von Tarid Schustzer mit Abbildungen von Augsburger Graffitis. Die künstlerische »Ergänzung« der Realität zeigt sich in den beiden »Schönheitsvorschlägen« von Eugen Keri.

Des Weiteren gibt es eindrucksvolle Vertreter der klassischen Malerei wie »Gruppenausflug« von Lilian Noack, in der Häuser aus niedrig liegendem Nebel herausragen, das Bild aus der Serie »mischgebiete« von Christina Odato, welches wie eine Luftaufnahme aussieht, zwei lange und schmale Pastelle von Marc Rogat, bei der die Aussicht von Donauwörth bei Nacht gezeigt wird und uns an die fast schon vergessene Finsternis der Nacht erinnert sowie die feine und poetische Arbeit »Fernsehlicht« von Andreas Decke.

Es gibt noch viele andere Arten der Malerei, man kann noch lange über alle 63 ausgestellten Arbeiten erzählen. Aber besser wäre es, sie selbst zu bewundern, was noch bis 20. Mai möglich ist.

www.kunst-aus-schwaben.de

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