Club & Livemusik

Fadenscheinig und dumm

Jürgen Kannler
27. Juli 2021

Auf diesen einfachen Nenner brachte Helge Schneider das Strandkorb-Festivalkonzept an der Augsburger Messe. Eine halbe Stunde nach dem Start brach der Entertainer entnervt seine Show ab und verließ samt Band die grotesk überdimensionierte Bühne.

Das Publikum – viele Fans nahmen eine weite Anreise in Kauf, um Helge Schneider wieder einmal live erleben zu können – reagierte auf den harten Break erst ungläubig, dann enttäuscht, doch schließlich auch mit Verständnis.

Ein wesentlicher Grund für den Affront liegt im fragwürdigen Cateringsystem des Festivals. Es gab keine Buden, an denen sich die Besucher*innen in dieser heißen Sommernacht mit Getränken hätten versorgen können. Stattdessen setzte der Veranstalter auf ein Online-Buchungssystem, bei dem ein fragwürdiger Mindestbestellwert von jeweils zehn Euro vorausgesetzt wird. Jede Bestellung wird daraufhin in weißen Plastiktüten einzeln verpackt von einem Lieferdienst an die Strandkörbe geliefert. Das ganze System trägt den Beigeschmack von Abzocke, verpackt in Corona-Hygienemaßnahmen.

Die Folge ist ein ständiges Gewusel der Lieferdienstler*innen zwischen den Plätzen. Diese Unruhe nervt und kanalisiert sich auf einer Art Hauptversorgungsstraße, die unmittelbar vor der Bühne verläuft. Dieses pausenlose Auf und Ab, direkt vor seiner Nase, war Schneider irgendwann zu viel. Er brach das Programm ab und erkannte das dem Abbruch zugrunde liegende Konzept als fadenscheinig und dumm. Und wo er recht hat, hat er recht! Der Helge.

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