Festival

Dieser Ersatz macht Spaß

Marion Buk-Kluger
5. März 2021

Seit dem 26. Februar sind meine Abende und Nächte fest verplant: Ich bin auf dem Brechtfestival unterwegs, virtuell versteht sich, denn 2021 läuft alles unter dem Motto #digitalbrecht. Konkret heißt das: Ab 19:30 Uhr sitze ich vor meinem iPad, logge mich mit dem Festivalpass und dem dazugehörigen Code ein und lausche im Livestream dem Studiotalk der Festivalleiter Jürgen Kuttner und Tom Kühnel aus dem Kino Babylon in Berlin. Wobei meist ersterer mit seiner »Berliner Schnauze« mit den jeweiligen Akteuren, deren Produktion im Laufe des Abends gezeigt werden, plaudert bzw. eine Salve an Informationen loslässt. Das strengt an, ist aber dennoch amüsant und erfreulich, vor allem, wenn der ein oder andere Künstler aus dem Brechthaus in Augsburg zugeschalten wird. Schließlich ist es ja das Augsburger Brechtfestival und diesen Lokalkolorit braucht man als Kind der Stadt dann doch.

Statt der eigenen persönlichen Begrüßung anderer Teilnehmer*innen am Event im Foyer läuft in dieser Version des Spektakels das Ganze via Chat ab – wenn man will! Allerdings weiß man selten, wer schreibt, denn kaum einer ändert seinen Fantasienamen, den das System vergibt. Die parallele Möglichkeit ist mitunter auch Ablenkung während der Stücke. Es kann aber auch durchaus beruhigend sein, wenn man liest: »Es hängt, der Ton ist weg, ich seh nix mehr.« Man freut sich fast, dass es dann doch nicht an der eigenen Internetverbindung auf dem Land liegt, sondern am Stream. Meist ist auch gleich alles wieder da, und zur Not könnte man ja Versäumtes in der Mediathek nochmals sichten, die bis zum 8. März (um einen Tag verlängert) die meisten Produktionen abspielen lässt.

Das gemeinschaftliche Applaudieren bei Live-Veranstaltungen wird ersetzt durch Klatsch- und Luftballon-Symbole, die jeder anklicken kann. Allein dies vermittelt ein gewisses Gefühl der Gemeinsamkeit, das natürlich eine Veranstaltung vor Ort nicht ersetzen kann. Aber dieser Ersatz macht Spaß und so pilgere ich am Ende eines jeden Abends in das Airmeet-Treffen (Foto). Dazu benötigt man allerdings einen festen Rechner und Google Chrome, um sich einloggen zu können. In dieser Art Videokonferenz-Meeting kann man sich an Tische setzen, sich mit anderen Festivalteilteilnehmer*innen audiovisuell unterhalten und auch mit den anwesenden Künstler*innen ins Gespräch kommen. Das verleiht dem Ganzen eine besondere Exklusivität, denn man kann direkt zu den Produktionen Fragen stellen, tauscht sich aus. Mancher Besucher kommt aus dem Ausland. Sogar aus der eigenen Stadt trifft man Menschen, die man wohl im realen Foyer nicht einfach so angesprochen hätte und verbringt zusammen einen langen Abend, um über das Festival, die bevorzugten Produktionen und mehr zu plaudern.

Es ist eine interessante, andere Art, ein Festival zu Brecht zu erleben. Ich habe mich darauf eingelassen und bin begeistert, aber auch ziemlich müde. Doch die kommenden drei Abende mache ich mich auf jeden Fall wieder auf ins virtuelle Geschehen um den großen Sohn unserer Stadt.

www.brechtfestival.de

Weitere Positionen

16. Oktober 2021 - 9:00 | Bettina Kohlen

Gerold Sauter arbeitet ausschließlich mit Metall. Als Künstler, Handwerker und Unternehmer gelingen ihm immer wieder überzeugende Lösungen für das ganz Spezielle … Ein Portrait

15. Oktober 2021 - 10:00 | Gast

Seit Juni läuft im tim die Schau »Who cares? Solidarität neu entdecken«. Jürgen Kerner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, nahm zum Ausstellungsstart in einer Rede Stellung zum Thema Solidarität. Hier seine Rede in Auszügen.

15. Oktober 2021 - 9:00 | Anna Hahn

Das Volkstheater München eröffnet die Spielzeit im Theaterneubau im Schlachthofviertel. Beim Bau blieb man in der veranschlagten Bauzeit und im vorgegebenen Budget von 131 Millionen Euro.

14. Oktober 2021 - 11:18 | Jürgen Kannler

Noch vor den Sommerferien traf a3kultur-Chefredakteur Jürgen Kannler den Augsburger Kulturreferenten Jürgen Enninger und den Kulturpark-West-Geschäftsführer Peter Bommas zum gemeinsamen Interview. Das ist ein Novum.

14. Oktober 2021 - 10:32 | Renate Baumiller-Guggenberger

Am Samstag startete die dreiteilig konzipierte Reihe »Zukunft(s)musik« des Staatstheaters im MAN-Museum. Unter der Leitung von GMD Domonkos Héja vermittelten die vier ausgewählten Werke eindrucksvoll die kompositorische Bandbreite, die hörbaren Gegensätze und das visionäre Vermögen des 2006 in Wien gestorbenen György Ligeti.

12. Oktober 2021 - 13:05 | Iacov Grinberg

Im Kulturhaus Abraxas tanzen derzeit die Puppen: Im Rahmen der Klapps PuppenSpielTage 2021 besuchte Iacov Grinberg für a3kultur eine Vorstellung des »Theaters con cuore«.

11. Oktober 2021 - 12:15 | Juliana Hazoth

Die erste Premiere der Saison erfreut das Publikum des Sensemble Theaters mit einer amüsanten Komödie und unerwarteten Wendungen.

8. Oktober 2021 - 7:26 | Jürgen Kannler

Alfred Müllner ist Geschäftsführer der Stadtwerke Augsburg. Er »brennt« für das Projekt Gaswerk und macht zahlreiche Themen und Termine zur Chefsache. Demnächst erweitert sich sein Gaswerkteam um eine entscheidende Position.

7. Oktober 2021 - 16:05 | Tanja Blum

Am vergangenen Samstag, dem Vorabend des Tages der Deutschen Einheit, veranstaltete der Bezirksjugendring Schwaben zum dritten Mal die Lange Nacht der Demokratie in der Augsburger Stadtbücherei – diesmal unter dem Motto: »Und jetzt?«

7. Oktober 2021 - 11:20 | Dieter Ferdinand

Auf der Brechtbühne spielt das Staatstheater Augsburg die Märchenkomödie »Der Drache« von Jewgeni Schwarz.