Film

Beuys in the Hood

Thomas Ferstl
2. Juni 2017

Endlich! Wie lange musste ich darauf warten, einen Artikel mit einer Überschrift zu versehen, die ein Wortspiel mit dem Namen Joseph Beuys beinhaltet. Zu lange! Beuys war wohl einer der ersten Künstler, die mich als kunstinteressierten Jugendlichen vor einigen Jahren provozierten und seitdem nicht mehr losließen. Fettecke, was ist das denn für ein Quatsch? Aber mit zunehmendem Wissen, Interesse und gesammelter Lebenserfahrung erschloss sich mir persönlich ein so komplexer Künstler mit einem ebenso komplexen Werk immer mehr. Umso schöner, dass es nun einen Film gibt, der den Meister selbst sprechen lässt.

Weniger komplex, aber ebenso optisch ansprechend ist Francesco Giustozzis »50 Kulissen 50 Filme«, erschienen im Knesebeck-Verlag. Der Illustrator hat 50 Filmkulissen detailliert verewigt. Seine Darstellungen laden zum munteren Ratespiel ein. Wenn Sie also Ihr Filmwissen oder das Ihrer Gäste auf die Probe stellen wollen, gucken Sie doch mal in dieses kleine Buch. Ansonsten gucken Sie bitte auf die Leinwand, da gibt es diesen Monat Folgendes zu sehen:

»Beuys« (1. Juni, Kinodreieck) ist der Mann mit dem Hut, mit dem Filz und der Fettecke. Ein Jahrhundertkünstler, der sich nicht als solcher sah. Außer wir verstünden uns alle als Künstler. Auch mehr als 30 Jahre nach seinem Tod hat sein Werk nichts an Brisanz verloren. Ein politischer Künstler, der mit seinen Aktionen, Installationen und Plastiken provozierte und provozieren wollte, um mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Umso passender ist es, dass Regisseur Andreas Veiel nicht Beuys’ Werke zu interpretieren versucht. Er lässt den 1986 Verstorbenen durch Bild- und Tondokumente selbst sprechen, ergänzt durch Erklärungen von Menschen aus Beuys’ Umfeld.

Die Dynamik und die Ästhetik des Films sind unbestreitbar vom kreativen Output seines Protagonisten inspiriert. Dieser Film ist eine Collage, selbst ein Kunstwerk, und vielleicht ist das auch die einzige Möglichkeit, Kunst und damit Beuys zu verstehen. Veiel macht den Menschen hinter dem Werk und dem Namen sichtbar, weckt Lust auf Kunst und lässt uns am Ende mit einer schmerzlichen Feststellung zurück: Jemand wie Beuys fehlt.

In »Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie« (1. Juni, CinemaxX) führt die 17-jährige Sam (Zoey Deutch) eine perfekte Highschool-Existenz – zumindest so lange, bis sie an einem 12. Februar bei einem Autounfall stirbt. Jedoch erwacht sie am nächsten Morgen und es ist wieder der 12. Februar.

Stück für Stück begreift sie, dass sie den letzten Tag ihres Lebens immer wieder durchlebt, durchleben darf. Tag für Tag versucht sie nun alles besser zu machen als zuvor. Dabei muss sie erkennen, dass ihre Freundinnen und ihr fester Freund nicht so sind, wie sie immer geglaubt hat. Obwohl sie ihren eigenen Tod nicht mehr verhindern kann, versucht sie ihre besondere Situation zu nutzen, um anderen Menschen zu helfen und die Umstände ihres Todes aufklären zu können.

Die Adaption des gleichnamigen Romans von Lauren Oliver ist vielleicht der Film mit dem längsten Titel aller Zeiten. Inhaltlich und atmosphärisch wirkt er wie eine Mischung aus »Und täglich grüßt das Murmeltier« mit Bill Murray und Netflix’ Erfolgsserie »Tote Mädchen lügen nicht«. Für die jugendliche Zielgruppe der Romanvorlage mag dieser Film sicherlich eine einfühlsame Geschichte erzählen, für den erfahreneren Zuschauer allerdings birgt er allzu viele Klischees.

Foto: »Beuys« (1. Juni, Kinodreieck) während der Räumung der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf, 1972. (Foto: zeroonefilm/Bernd Jansen)

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