Ausstellungen & Kunstprojekte

Atmosphärische Aggregatzustände

Bettina Kohlen
2. Juli 2022

Im Rahmen einer unbedingt sehenswerten Retrospektive lässt die japanische Künstlerin Fujiko Nakaya im Haus der Kunst magische Nebelschwaden aufziehen.

Wenn mit einem Mal Nebel aus dem raumfüllenden, über hölzerne Stege begehbaren Wasserbecken aufsteigt, verwandelt sich die riesige Mittelhalle im Haus der Kunst in eine Zauberlandschaft, in der nach und nach Raum und Konturen in einem kühl-feuchten Dunst verschwinden. Dieses halbstündlich wiederkehrende Ereignis, eine eigens für die Münchner Ausstellung von Nakaya geschaffene Installation, sorgt dafür, dass sämtliche Besucher*innen herbeiströmen und im dichter werdenden, Geräusche dämpfenden Nebel umhergehen, bis sie schließlich stehen bleiben, um nicht im Wasser zu landen. Nach einigen Minuten sinkt der Nebel dann langsam zu Boden, allmählich tauchen die Silhouetten der Menschen auf, alles gewinnt zunehmend seine Räumlichkeit zurück – der wunderbarste Moment dieser Inszenierung.

Die ephemere Nebelskulptur »Munich Fog (Wave)« ist die in jeder Hinsicht zentrale Arbeit dieser Schau, eine weitere, »Munich Fog (Fogfall)«, findet sich an der Ostseite des Gebäudes, dort fließen Nebelschwaden vom Dach herab.

Nakaya, 1933 geborene Tochter eines bedeutenden Physikers, beobachtet Naturphänomene und löst in ihren Arbeiten die Grenzen zwischen Wissenschaft, Kunst und Technologie auf. Mit großer Präzision vorbereitet, lassen vor allem ihre Nebelinstallationen dem Zufall großen Raum. Dieses Zusammenspiel – Nakayas interdisziplinärer, von wissenschaftlicher Beobachtung geprägter Kunstansatz – wird in der ersten Retrospektive außerhalb Japans anhand zahlreicher Beispiele, darunter Zeichnungen, Gemälde, Videoarbeiten sowie weitere Nebelwerke, erhellt. Natürlich stehen die spektakulären Nebel im Zentrum des Interesses, doch gelingt es der Schau nachdrücklich, die Vielfältigkeit und Komplexität von Nakayas Werk, ihr differenziertes Arbeiten offenzulegen.

Mag sein, dass viele der zahlreichen Besucher*innen nur des Nebelerlebnisses wegen gekommen sind und sich weniger für die Künstlerin und ihr Gesamtwerk interessieren – doch sie sind da, und sie sind wichtig. Über die Teilhabe an dieser Skulptur hinaus bringt die direkte konzentrierte physische Erfahrung die ein oder anderen vielleicht dazu, über unsere Beziehung zur Umwelt nachzudenken.

www.hausderkunst.de | Fujiko Nakaya. Nebel Leben | bis 31. Juli

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