Ausstellungen & Kunstprojekte

30 x 30

Iacov Grinberg
26. Oktober 2019

Schon mit der Benennung »30 x 30. Bilder von Agnes Wieser, Magdalena Nothaft, Alex Walter« suggeriert die neue Ausstellung in der Ateliergalerie Facette ihren Kontrast zum Sumpf der Massenproduktion. Die hier ausgestellten 57 Arbeiten in eben diesem Format sollen nicht wie Unterhaltungsbilder, wie sie von Glotze und Computer reichlich serviert und in ihrer Diagonale gemessen werden, sondern als »wahre Kunst« betrachtet werden.

Die drei ausgestellten Maler*innen leben in Oberbayern, ca. 30 km voneinander entfernt. Sie sind befreundet seit der Zeit, als sie Student*innen von Markus Lüpertz waren. Alle drei bestätigten, dass er ein sehr guter Lehrer war, mit allen persönlich und auf ganz individuelle Art arbeitete, nie seinen Stil aufdrängte, sondern versuchte, den Studenten zu helfen, ihre eigenen Möglichkeiten voll zu entfalten.

Die Bilder von Alex Walter, die speziell für diese Ausstellung geschaffen wurden, enthalten keine scharfen Linien. Sie erinnerten mich an natürliche Prozesse wie Wolkenbildung, üppigen Pflanzenwuchs oder fließendes Wasser. Ein mir bekannter Maler sagte mir, dass dies für ihn wie das Ergebnis des Pinselwaschens erscheint –  unscharf. Die schwarz-weißen Arbeiten von Magdalena Nothaft, die auch die Galerie Oberstdorf führt, sind prinzipiell unscharf, in den schwarzen Flecken erkennt man aber verschiedene Gestalten ganz deutlich. Ob diese Figuren angenehm sind, da teilten sich die Meinungen der Betrachter. Die Arbeiten von Agnes Wieser sind deutlich gegenständlicher. Obwohl ihre Bilderpaare »Kuh pink« – »Kuh blau« und »Highlandcattle rot« – »Highlandcattle gelb« für mich rätselhaft blieben. Der wunderbare »Rabe« aber war eindeutig nach meinem Geschmack. Liebe Leser*innen, verlassen Sie sich nicht auf die Meinungen von anderen, schauen Sie diese Arbeiten selbst an.

Die Ausstellung hat mich auch an ein Ereignis aus dem vorigen Jahrzehnt erinnert, als ich mit der Linie 2 von Augsburg Nord bis Haunstetten Nord fuhr. Ich saß in der Straßenbahn und korrigierte mit meinem Kugelschreiber einen gedruckten Text. Plötzlich fragte mich die mir gegenüber sitzende alte Dame, ob ich mich noch an altgriechische Mythologie erinnere. Ja, sagte ich. Erinnern Sie sich noch – fragte sie – dass die dortigen Götter unsterblich waren. Ja, sagte ich. Aber das ist falsch, sagte sie. Ich wusste nicht, was ich antworten sollte. Es gebe auf dieser Welt unsterbliche Sachen, sagte sie mit strenger Stimme. Heiliger Strohsack, dachte ich, noch eine Predigerin. Dann zeigte sie auf meine Papiere: Druckfehler! Sie sind unsterblich!

Ich habe bei dieser Ausstellung eine Bestätigung ihrer Worte gefunden. In der Liste der Arbeiten nach der Nummer 6 folgt gleich die Nummer 8, Nummer 7 fehlt. Ich habe die Galeristin nicht nach der Benennung des Bildes Nr. 7 gefragt und überlasse das Ihnen, liebe Leser*innen. Schauen Sie sich diese Bilder an, das ist noch bis zum 15. November möglich.

www.ateliergalerie-facette.de

Foto: Alex Walter – ohne Titel

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