Ausstellungen & Kunstprojekte

Werte, Wege, Lebenswirklichkeiten

Bettina Kohlen
2. August 2020

Eine kurze Lederhose in einer Vitrine erzählt die Geschichte von Henry Landmann, der 1920 als Heinz Landmann in Augsburg geboren wurde und die Hose trug wie viele bayerisch-schwäbische Jungen auch – bis er es nicht mehr durfte, da er Jude war, ausgeschlossen aus der »Volksgemeinschaft« des »Nationalsozialismus«. Gemeinschaft ist einer der Werte, die im Rahmen der aktuellen Intervention im Jüdischen Museum Augsburg Schwaben hinterfragt werden. Familie, Wohltätigkeit, Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und eben Gemeinschaft: Das scheint zunächst übergreifend gültig zu sein, doch Werte unterliegen einem permanenten Wandel und gestalten sich höchst divergent.»Unsere Werte« untersucht fünf verschiedene Werte unter einem spezifisch jüdischen Blickwinkel und verhandelt die einzelnen As-pekte anhand von verschiedenen Objekten des Alltags, die eng mit den Biografien ihrer Besitzer verbunden sind, wie der Lederhose für den Wert Gemeinschaft, das Rezeptbuch von Margot Herrmann für den Wert Familie oder auch ein erst vor kurzer Zeit restituiertes Gemälde für den Wert Gerechtigkeit. Diese Intervention gibt Raum für einen Wechsel der Perspektive und Besucher*innen werden für das enge Zusammenspiel der jeweiligen Werte mit den individuellen Lebenswegen und Lebenswirklichkeiten sensibilisiert. Eine kluge und wichtige Untersuchung .

Zu sehen bis 11. April 2021 im Jüdischen Museum Augsburg Schwaben bis 11. April 2021.

Bild: In dieser Lederhose wurde Heinz Landmann (später: Henry Landman) am 10. November 1938 in Augsburg verhaftet, in das Konzentrationslager Dachau deportiert und aus der deutschen »Volksgemeinschaft« ausgeschlossen. (© Foto: JMAS)

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