Ausstellungen & Kunstprojekte

Ku(h)nststelle Kuhställe

Martin Schmidt
14. Oktober 2021
Kunstpreisträger Jonas Maria Ried lässt in Video-Aktionen Kuhställe zu individuellen Klangkörpern werden. | Foto: Jonas Maria Ried

Bezirk Schwaben vergibt Kunstpreis an Jonas Maria Ried: Der im Allgäu ansässige Aktionskünstler überzeugte die Jury mit seinen außergewöhnlichen Video-Performances in Ställen.

Der stellvertretende Bezirkstagspräsident Alfons Weber hat in der Schwäbischen Galerie in Oberschönenfeld dem 31-jährigen Bildhauer und Aktionskünstler Jonas Maria Ried den mit 15.000 Euro dotierten Kunstpreis des Bezirks Schwaben übergeben. Ausgezeichnet wird Ried für Video-Aktionen, die er in der Region um den Luftkurort Markt Weitnau im schwäbischen Oberallgäu, seinem derzeitigen Lebensmittelpunkt, durchführt: Er besucht mit einem eigens gebauten, vier Meter langen und auf Kühe abgestimmten Instrument, das eine Mischung aus Alphorn und Didgeridoo ist, verschiedene Kuhställe. Dort erfüllt er mit einem tiefen Ton die Ställe und macht den Ort zu einem individuellen Klangkörper.

»Die Kühe besitzen ein sehr sensibles Gehör und reagieren sehr unterschiedlich«, erklärt Ried. »Ich stehe dort an einem intimen Ort. Deshalb braucht es einiges an Vertrauen von Seiten der Bäuerinnen und Bauern, damit der Stall zur Kulisse für meine Performance werden kann.« Mit seinen Aktionen möchte er die Sehnsüchte und Vorstellungen vom ländlichen Raum ansprechen, umdeuten und hinterfragen. Von großem Interesse ist dabei auch der Strukturwandel, von dem die kleinen Betriebe betroffen sind. Erfahrungen aus Gesprächen mit betroffenen Bäuerinnen und Bauern fließen in seine Arbeit mit ein.

Ried stellt in seinem Werk mit technischen Mitteln Naturerfahrungen her und verarbeitet die Rolle des Menschen als treibende geologische Kraft – ein Thema, das angesichts des Klimawandels derzeit stark in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist. Mit seinem außergewöhnlichen und schlüssigen Konzept überzeugte Ried die Kunstpreis-Jury: »Jonas Maria Ried untersucht den landwirtschaftlichen Raum als sozialen Raum. Indem er buchstäblich als Künstler im Stall arbeitet, weckt er reale Anteilnahme weit über den konventionellen Kunstbetrieb hinaus«, erklärt Jury-Mitglied und Laudator Dr. Thomas Elsen von den Kunstsammlungen und Museen Augsburg.

Rieds Werk wird in einer Sonderausstellung in der Schwäbischen Galerie in Oberschönenfeld zu sehen sein. »Es ist schön, dass wir mit dem Kunstpreis nicht nur Kulturschaffende fördern, sondern ihre Arbeiten in den Fokus der Öffentlichkeit rücken können«, sagt Bezirkstagspräsident Martin Sailer.

Jonas Maria Ried ist ausgebildeter Holzbildhauer und hat an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart studiert. Er erhielt von 2020 bis Februar 2021 ein Stipendium der Stiftung Kunstfonds und präsentierte sein Werk bereits auf unterschiedlichen Ausstellungen.

Der Kunstpreis des Bezirks Schwaben hat eine lange Tradition: Seit 1966 werden mit diesem besondere künstlerische Arbeiten aus dem Bereich der bildenden Künste ausgezeichnet. Heuer wurde das Preisgeld von 5.000 Euro auf 15.000 Euro erhöht. Verliehen wird die Auszeichnung im Wechsel alle zwei Jahre: entweder an junge Kunstschaffende unter 35 Jahren oder für das Gesamtwerk einer Künstlerin bzw. eines Künstlers unabhängig von deren Alter. Neu war 2021 bei der Ausschreibung des Kunstpreises außerdem ein weiteres Kriterium: Potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten müssen nicht mehr zwingend einen persönlichen Bezug zu Bayerisch-Schwaben vorweisen, beispielsweise als Geburtsort, Arbeits- oder Lebensmittelpunkt. Bewerben können sich nun auch Kunstschaffende, die lediglich in ihrem Werk die Arbeitsbereiche des Bezirks in Gesellschaft und Kultur thematisch aufgreifen oder sich auf Landschaften Bayerisch Schwabens beziehen.

Bild unten: Der stellvertretende Bezirkstagspräsident Alfons Weber (links) überreichte Jonas Maria Ried in der Schwäbischen Galerie in Oberschönenfeld den Kunstpreis des Bezirks Schwaben.
Foto: Andreas Lode / Bezirk Schwaben

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