Festival

Home is where the heart is

a3redaktion
2. Juni 2016

Die Lange Kunstnacht verbindet traditionell den Besuch historischer Baudenkmäler und aktueller Ausstellungen mit Konzerten, Performances, Lesungen, Führungen, Installationen, Theater und vielem mehr. In diesem Jahr schlagen die Künste eine Brücke von Augsburgs reicher Stadtgeschichte, die nicht erst heute geprägt ist von Einflüssen aus den unterschiedlichsten Ländern, bis hin zu unserer vielkulturellen Gegenwart. Eine gute Gelegenheit, neuen Bürgerinnen und Bürgern unsere Stadt zu zeigen – genau aus diesem Grund haben sich die Organisatoren des Kulturamts mit der Initiative »Übergepäck eines Flüchtlings« zusammengetan, um ein gemeinsames Paten-Projekt anzubieten. Wer Geflüchtete in die »Lange Nacht der Heimat« begleiten möchte oder Menschen einen begleiteten Besuch ermöglichen will, kann sich unter kunstnacht@augsburg.de melden. a3kultur präsentiert Ihnen einen kleinen Einblick in das weitreichende Programm.

Installation: Die Unsichtbaren sichtbar machen
Basilika St. Ulrich und Afra, 19–24 Uhr
Michael Messer, Holzbildhauer und Leiter des Schwäbischen Handwerkermuseums der HWK, lebt und arbeitet in Augsburg, über 1.000 Kilometer von seinem Geburtsort entfernt. Obwohl er bereits seit 27 Jahren hier ist, ist das Banater Dorf Sanktmartin (heutiges Rumänien) nach wie vor seine Heimat. Bei einem Besuch der dortigen Ortskirche, für deren Restaurierung er sich stark einsetzte, stellte er sich vor, wie es wäre, wenn die vielen Menschen, die die Gemeinde wegen des kommunistischen Systems verlassen haben, noch im Kirchenraum sitzen würden. Aus weiß lasierten Sperrholzplatten sägte Messer die Silhouetten von in Deutschland lebenden Sanktmartinern und fügte sie zu einer Installation zusammen. Um 20:30 und 22:30 Uhr erläutert der Künstler seine Arbeit im Rahmen einer Filmpräsentation.

Führung: Augsburg von unten und morgen
Hauptbahnhof, 19, 21 und 23 Uhr
Dorothee Schäfer (Stadtwerke Augsburg) zeigt faszinierende Einblicke in die (bauliche) Zukunft Augsburgs im Untergrund. Drei Mal können an diesem Abend Interessierte den Rohbau des künftigen Straßenbahnbahnhofs mit Erläuterungen besichtigen.

Theater: Heimat Sharing
Kresslesmühle, 19 und 20 Uhr
Zwölf Augsburgerinnen und Augsburger haben sich auf die Suche gemacht: Können wir unsere Heimat genauso sharen, also teilen, wie ein Auto? In dem Stück des Jungen Theaters »Heimat Sharing – Gemeinsam in Augsburg« stellen sie sich Fragen rund um das Thema Heimat. Was und wo ist meine Heimat? Kann ich mehrere Heimaten haben? Ist Augsburg meine Heimat? Wie war mein Ankommen hier? Was teile ich gerne, was gar nicht? Bereits während der Proben sind die Beteiligten auf ein Element gestoßen, das jeder sofort mit Heimat verbindet: Essen! »Essen« ist auch die Antwort, die am häufigsten gegeben wurde auf die Frage: Was teile ich gerne?

Jazz: Spinning Wheel
tim, 19 und 20:45 Uhr
Die Geschichte Augsburgs, der Wahlheimat der Musiker von Zakedy Music, ist nicht nur geprägt vom goldenen Zeitalter der Renaissance, von Mozart oder Brecht, sondern vor allem auch von der Industriegeschichte, in der die Textilindustrie für lange Zeit den Leitsektor bildete. Im Archiv des tim, in Volksliedsammlungen und Lyrikbänden barg Sängerin Ute Legner sozialkritische Texte und dichterische Fundstücke, die nun mit einer Melange aus sensibel musizierter Liedhaftigkeit, »urban sounds« und den Rhythmen der Webstühle des Museums korrespondieren.

Literatur & Livemusik: Poesie und Sprache als Zuhause
Antoniuskapelle, 19 und 19:45 Uhr
Sprache stiftet Heimat: Der Performance-Dichter Martyn Schmidt präsentiert hochpoetische Spoken-Word-Lyrik. Umrahmt von Gedanken aus Dichtung, Philosophie und Wissenschaft darüber, wie der Mensch ein Zuhause in der Sprache findet. Als Grenzgänger zwischen Sprache und Musik zeigt Schmidt, wie Lyrik dabei traditionell ihr Zuhause in Klang und Musik hat – mal liedhaft-gefühlvoll mit Akustikgitarre unterlegt, mal modern-elektrisch inszeniert mit Loopstation.

Literatur: Worte sind schön, aber Hühner legen Eier
Grandhotel Cosmopolis, 20 und 21:30 Uhr
Afrikanische Weisheiten und Zitate – das sind inspirierende und kluge Gedanken von ganz besonderem Wert und Tiefsinn. Afrika ist ein faszinierender Kontinent voller unterschiedlicher Kulturen und Lebensweisen. Sprichwörtern, Zitaten, Weisheiten und Gedichten werden ein hoher praktischer Gebrauchswert zugeschrieben. Sie entstammen dem Alltagsleben, sind somit nachvollziehbar, manchmal besinnlich, manchmal witzig. Patrick Addai aus Ghana erzählt und liest aus seinem Büchern, dazu wird getrommelt, getanzt und gesungen.

Theater: Dein Herz? Wir nehmen es zurück!
Hofgarten, 20:15 und 21:15 Uhr
Joe hat Heimweh. Ein Vermissen, eine Sehnsucht nach dem Ort, der immer nur im Vermissen existieren wird. Auch Lu ist auf der Flucht. Sie versucht ihren Mustern und Verhaltenszwängen zu entkommen: Erwartungen, Träume und das immer gleiche Scheitern ihrer Beziehungen. Zusammen entspinnen sie eine gemeinsame Zukunft, vor der sie in Wirklichkeit viel zu viel Angst hätten. Leonie Pichlers (Bluespots Productions) »Dein Herz? Wir nehmen es zurück!« wird im Juni als Hörbuch veröffentlicht. Zur Langen Kunstnacht wird der Text szenisch als Uraufführung präsentiert.

Livemusik: Der Wind der Trennung
Kleiner Goldener Saal, 22 und 22:45 Uhr
In fast allen Kulturen und Völkern gibt und gab es Flucht. Menschen müssen ihr seit Jahrzehnten, vielleicht sogar Jahrhunderten gewohntes Umfeld verlassen. Dabei nehmen sie ihr Hab und Gut, soweit es geht, mit auf die unbekannte Reise. Ein ganz wichtiges Gut ist ihre Kultur, ihre Lieder. Öykü Sensöz (Gesang), Seref Dalyanoglu (Ud), Njamy Sitson (Perkussion) und Daniel Mark Eberhard (Piano) spielen und singen genau diese Stücke, von sephardischen Juden, Armeniern, Griechen, Afrikanern …

Platzinszenierung: Die Arche
Rathausplatz, 23:15 Uhr
In der Performance des polnischen Teatr Ósmego Dnia ist das Symbol der Heimat ein großes geflügeltes Schiff, eine bewegliche, fahrbare Bühnenkonstruktion, die, wann immer wir unsere Augen schließen, zu Aeneas Boot, der Mayflower, einem Floß kubanischer Bootsflüchtlinge vor der Küste von Florida oder zur Arche werden kann.

Clubevent: At Home Is The Dance Floor
Soho Stage, ab 24 Uhr
Don't stop the Beat: Das Tom Tornado Trio, bestehend aus Tom Jahn (Piano, Synthesizer), Felix Himmler (Bass, Efx) und Christian Kraus (Drums, Synthesizer), improvisiert in Kooperation mit Isabelle Papst (Gesang), spielt Techno mit der Hand, löst brutzelnde Analogsynthies mit fließenden Klavierpassagen ab, entfacht einen pumpenden Melting Pot von Tanzwütigen. Es wird heiß!

Abbildung – Rathausplatz, 20, 21:30 und 22:45 Uhr: »The Wheel House« des englischen Theaters Acrojou ist ein rollendes Akrobatik-Theater, das sich auf kleinstem Raum entfaltet und mit den Zuschauern in Bewegung ist, immer unterwegs auf der Straße nach Nirgendwo. (Foto: KW NEUN)

Das detaillierte Programm gibt es unter www.langekunstnacht.de. Hier besteht die Möglichkeit, sich vorab einen persönlichen Nachtplan zu erstellen, um keine Vorstellung zu verpassen. Tickets sind unter anderem bei der Bürger- und Touristinformation am Rathausplatz und im Theater Augsburg erhältlich. Die Karten kosten im Vorverkauf 12 Euro (10 Euro ermäßigt), an der Abendkasse werden 14 Euro (12 Euro ermäßigt) fällig. Für das Eröffnungskonzert mit den Augsburger Philharmonikern ist ein Aufschlag von 4 Euro, für die Sonderfahrt mit der Localbahn ein Aufpreis von 6 Euro zu bezahlen.

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