Ausstellungen & Kunstprojekte

Zwischen Schein und Sein

Patrick Bellgardt
6. Juni 2014

Für die Ausstellung »Der Ordnung halber. 77ig-teilig« begibt sich Claudia Geßner auf eine Zeitreise in die 60er-Jahre. Im Zentrum dieser Arbeiten steht die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Frauenbild der damaligen Zeit. Aus alten Papieren, Fotos, Gebetsbüchern, Katalogen und anderen Fundstücken hat die Augsburger Künstlerin mehr als 30 Materialcollagen und Objektkunstwerke geschaffen.

Claudia Geßner selbst steckte während der 60er-Jahre noch in den Kinderschuhen. In ihren Werken stellt sie sich dem vorherrschenden Rollenbild dieser Zeit: die Frau als Mutter, Gattin und Hausfrau mit Interesse am Waschen, Kochen und Kindererziehen. Mit ihrer Kunst wirft sie Fragen auf: Was, wenn die Ideale von schön, ordentlich und fromm aus dem Glanz der 60er-Jahre-Werbung nicht erfüllt werden konnten oder gar nicht dem eigenen Willen entsprachen? Welche der damaligen Werte und Zwänge haben bis heute überdauert? Claudia Geßner weiß diese widersprüchliche Welt voller Schein und Sein, vermeintlich heiler Welt und wirklichem Leben gekonnt in Szene zu setzen.

So auch im Kühlraum der ehemaligen Metzgerei: Dort erwartet die Besucher eine Installation, der die Ausstellung ihren Namen zu verdanken hat: »Der Ordnung halber. 77ig-teilig«. Genau 77 Teller, Tassen und Untertassen stehen fein säuberlich aufgereiht auf dem Boden. Aus Lautsprechern ertönt das Klappern von Geschirr. Man fühlt sich unweigerlich an den sonntäglichen, zum Kaffee gedeckten Esszimmertisch einer (scheinbar?) perfekten Familie versetzt. Dass die Rechnung mit 77 Teilen nicht aufgeht, ist natürlich Absicht.

Die Galerie Extrawurst ist donnerstags, freitags und sonntags von 14 bis 19 Uhr geöffnet. Am Sonntag, 29. Juni wird ab 14 Uhr zur Finissage geladen.

www.gessner-arts.de

Weitere Positionen

1. Juli 2022 - 12:00 | Annika Berger

Ende Mai stand Augsburg einige Tage im Zeichen des Klimawandels und der Nachhaltigkeit. Neben dem Klimafestival »Endlich! « des Staatstheaters Augsburg fand auch die Public Climate School an der Uni Augsburg statt. Beide Veranstaltungen hatten ein facettenreiches Programm, die sich aber leider terminlich in Teilen überschnitten.

30. Juni 2022 - 10:00 | Jürgen Kannler

Ein Kommentar zum Staatstheaterneubau von Jürgen Kannler.

29. Juni 2022 - 7:00 | Renate Baumiller-Guggenberger

Der Augsburger Geiger Sandro Roy freut sich auf seinen Auftritt als Solist gemeinsam mit der Bayerischen Kammerphilharmonie am 3. Juli im Parktheater. Mit seiner selber komponierten »Fantasie für Violine und Orchester op. 4«, die er diesem Orchester gewidmet hat, gibt es sogar eine Welturaufführung!

27. Juni 2022 - 10:40 | Anna Hahn

Carl Orffs »Carmina Burana« bringt die Freilichtbühne zum Beben.

22. Juni 2022 - 11:00 | Jürgen Kannler

Bert Schindlmayr, Kulturmacher, Beobachter und Kommentator unserer Zeit, wird fehlen. Von Jürgen Kannler

22. Juni 2022 - 9:58 | Anna Hahn

»Kiss me, Kate« ist dieses Jahr die neue Produktion des Staatstheaters auf der Freilichtbühne. Die Premiere fand an einem traumhaft schönen Sommerabend statt. Dennoch kam die Frage auf, wo ist der Wumms?

22. Juni 2022 - 0:00 | Fritz Effenberger

Textilmuster interaktiv entdecken, erleben und entwerfen. Kurz nachgefragt bei Dr. Karl B. Murr.

17. Juni 2022 - 7:00 | Gast

Erster Augsburger Digitaltag 2022. Ein Gastbeitrag von Horst Thieme

15. Juni 2022 - 9:56 | Juliana Hazoth

Am 11. Juni feierte das hybride Schauspiel »Ugly Lies the Bone« der US-amerikanischen Autorin Lindsey Ferrentino auf der brechtbühne im Gaswerk Premiere.

13. Juni 2022 - 7:00 | Gast

Fast Fashion im Zeichen der Eskalationslogik globalisierter Ökonomie. Ein Gastbeitrag von Dr. Karl Borromäus Murr