Klassik

#Zusammenspielen

Renate Baumille...
20. Mai 2021

In einer Liveübertragung des ARD-Preisträger*innen-Konzerts des SWR präsentiert sich am Sonntag, 23. Mai, um 15.05 Uhr die am Staatstheater Augsburg engagierte Mezzosopranistin Natalya Boeva gemeinsam mit Augsburgs 1. Kapellmeister Ivan Demidov am Klavier sowie dem Lux Trio.

Wer könnte ein schöneres Lied davon singen, wie wertvoll die Preisträgerschaft beim internationalen ARD-Musikwettbewerb in München für die Künstlerkarriere ist als die in St. Petersburg geborene Mezzosopranistin Natalya Boeva (Foto © Daniel Delang)? Als sie im Herbst 2018 und damit am Ende ihres Masterstudiums an der  August Everding Theaterakademie (bei KS Prof. Christiane Iven) dort antrat, um zu siegen, wurde sie zudem mit dem Sonderpreis für die beste Interpretation der Auftragskomposition und mit dem »ifp Musikpreis« für ihre »herausragende Leistung im Fach Gesang« ausgezeichnet. Ein »sicheres Brett«, ein elegant in die Höhen federndes Sprungbrett für starke junge Musiker*innen – im Normalfall! Doch was, wenn eine Pandemie dieses Vorhaben erbarmungslos kreuzt und ziemlich alle das Preisgeld flankierenden Auftrittsangebote – in diesem Fall auch eine chancenreiche ARD-Gewinner-Tour mit diversen Auftritten im deutschsprachigen Raum – vereitelt? Dann tritt nicht zuletzt das gute alte Radio – in diesem Fall der in und aus Stuttgart in die Welt strahlende SWR2 auf den Plan.

Boeva hatte bereits vor dem Wettbewerb im Frühjahr 2018 am Staatstheater Augsburg vorgesungen und sich dort rasch für ein Engagement empfohlen. Lucky Augsburg! Seither durften wir sie im martini-Park als darstellerisch sinnlich-präsenten und stimmlich souverän-facettenreichen Mezzo u.a. als »Charlotte« im Werther, als Komponist in Ariadne auf Naxos oder zuletzt in der Titelrolle der VR-Produktion von »Orfeo ed Euridice« auf der Bühne erleben. Bevor Boeva, die natürlich auch im Coronajahr nicht still hielt, uns bald als eine der Solist*innen bei der Staatstheater-Konzertgala »Opern unterm Sternenhimmel« (24. Juni und 21. Juli) auf der Augsburger Freilichtbühne begegnen wird, gibt es am Pfingstsonntag um 15.05 Uhr ein außergewöhnliches Duo-Programm. In der SWR2-Reihe #Zusammenspielen konzertiert Natalya Boeva live gemeinsam mit dem Lux Trio (ein in Berlin lebendes Klaviertrio dreier koreanischer Musiker*innen). Auf dem Programm stehen Schostakowitschs 1. Klaviertrio, seine Lieder »6 Gedichte von Marina Zwetajewa« op. 143, das »Dumky«-Klaviertrio e-Moll von Dvořák und Gustav Mahlers »Lieder eines fahrenden Gesellen«. Wie gut auch, dass Natalya Boeva für dieses außergewöhnliche Liedprogramm erneut ihren Augsburger Kollegen, den 1. Kapellmeister und GMD-Stellvertreter Ivan Demidov, gewinnen konnte.

Nicht von ungefähr empfinden sich beide, die sich bereits während des Studiums am St. Petersburger Konservatorium kennenlernten, gegenseitig als musikalisch »quasi Seelenverwandte«. Sie ergänzen sich, vertrauen und verlassen sich aufeinander, was stilistisches Empfinden und Repertoire-Verständnis betrifft, schwingen »unisono«, was die ernsthafte künstlerische Durchdringung, die Herangehensweise an komplexe Rhythmik und präzise Artikulation angeht. Dies ist gerade auch bei Werken wie z.B. dem spät komponierten Liederzyklus von Schostakowitsch op. 143 wichtig, die an die Interpreten höchste Anforderungen stellen. Das haben sie mehrfach bewiesen – u.a. im mit »Nimmersatte Liebe« übertitelten Duo-Konzert im Rokokosaal.

So dürfte das Konzert am Pfingstsonntag in vielerlei Hinsicht ein echtes Highlight werden, das mit den vertonten Gedichten von Marina Zwetajewa (*1892 in Moskau) auch eine der großen russischen Lyrikerinnen der Moderne entdecken lässt, die sich mit 49 Jahren das Leben nahm. In den teils sogar klanglich minimalistisch anmutenden Vertonungen fließen kompromisslos und intensiv Liebe und Leidenschaft zwischen den Zeilen mit einem Leben zusammen, das nicht selten von Verfolgung und Verbannung bedroht war. Schostakowitsch gelang es meisterhaft, in der intimen Gattung des Liedes zwischen den Zeilen musikalisch biographisch-persönliche und auch politische Bedeutung zu formulieren. Wie berührend Mahlers vier »Lieder eines fahrenden Gesellen« sind, muss nicht extra betont werden.

Mehr unter:
www.swr.de
www.natalyaboeva.com

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