Politik & Gesellschaft

Zukunft kommt an der Hochschule Augsburg zur Anwendung

KI-Produktionsnetzwerk, Recycling Atelier, Ringvorlesung: Die HSA erweckt KI-Forschung zum Leben. Ein Gastbeitrag von Alexander Lehne

Künstliche Intelligenz ist die Zukunftstechnologie schlechthin. Gerade deshalb ist KI ein Top-Thema – auch an der Hochschule Augsburg (HSA). Dort wird KI in vielen Formen behandelt, verhandelt und gefördert. Nicht nur auf Grundlage von technischen Überlegungen, sondern auf praktische Art und Weise. Im Zentrum steht deshalb der Transfer von Forschung in innovative Anwendungen für die Wirtschaft und nutzbares Wissen für die Gesellschaft.

»KI verändert alles. Denn auswertbare Daten gibt es nahezu überall. In der Industrie kann sie zum Beispiel automatisierbare Prozesse deutlich effektiver und effizienter gestalten oder den zu erwartenden Ausfall von Teilen in Maschinen bereits im Voraus erkennen, bevor etwas passiert«, so Prof. Dr. Björn Häckel, wissenschaftlicher Leiter des KI-Produktionsnetzwerks an der Hochschule Augsburg. Dies zeigt auch die Förderung des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, die das KI-Produktionsnetzwerk an der Hochschule Augsburg im Rahmen des Verbundforschungsprogramms »Informations- und Kommunikationstechnik« erhält.

Mehr als 2 Millionen Euro für drei HSA-Projekte im KI-Produktionsnetzwerk

Gleich drei Projekte bekamen nahezu zeitgleich Förderungen in Gesamthöhe von 2,3 Millionen Euro. In diesen arbeitet die Hochschule Augsburg zusammen mit Unternehmen aus der Region an anwendbaren Lösungen.

In »ModProFT«, das über 426.000 Euro erhält, geht es um die Elektronikfertigung. Für dieses Feld entwickeln Forschende und Unternehmen Lösungen zur modellbasierten autonomen Prozessplanung für Funktionstests. Mit einer Förderung von 888.000 Euro arbeitet das Projekt »SPIKe« mit etablierten Unternehmen aus der Region an KI-Pipelines für smarte Prozess-, Produkt- und Service-Innovation. Mit einer Million Euro erhält das Projekt »GERTA« die höchste Förderung. Hier soll ein ganzheitliches Energiekonzept für den Technology Campus Augsburg entstehen. In »SPIKe« und »GERTA« arbeitet die Hochschule Augsburg forschungsseitig zudem mit dem Fraunhofer-Institut für angewandte Informationstechnik (FIT) zusammen.

»Mit der Förderung bauen wir die bereits hohe Innovations- und Wettbewerbskraft der Unternehmen weiter aus. Gerade in Zeiten von Lieferschwierigkeiten und hohen Energiepreisen hat die Optimierung der Produktion und die Entwicklung energieeffizienter Konzepte eine enorme Bedeutung«, so Staatssekretär Roland Weigert bei der Übergabe der Förderbescheide.

Aus alt wird neu im Recycling Atelier

KI mit Nachhaltigkeit zu kombinieren, ergibt Sinn. Nicht nur in der Produktion von Neuem. Auch beim Recycling von Altem. Im Rahmen des KI-Produktionsnetzwerks eröffnet am 20. Juni 2022 das Recycling Atelier des Instituts für Textiltechnik Augsburg (ITA) und der Hochschule Augsburg. »Atelier« ist hier ein Begriff für eine kreative Modellwerkstatt – die weltweit erste, die sich ganz dem nachhaltigen Stoffkreislauf bei der Produktion von Textilien widmet.

Prof. Dr.-Ing. Stefan Schlichter, Geschäftsführer und Leiter des ITA Augsburg, erklärt den Ablauf: »Der Kreislauf beginnt mit der Analyse der Alttextilien und führt über das Sortieren und Aufbereiten von Materialien letztlich hin zur textilen Verarbeitung und Gestaltung von neuen Produkten – auch unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz.«

Nadine Warkotsch, Vizepräsidentin für Forschung und Nachhaltigkeit an der Hochschule Augsburg, erklärt: »Nachhaltigkeit in Forschung, Entwicklung und schließlich deren Umsetzung in der industriellen Praxis bedeutet auch, bestimmte bestehende Prozesse und Prozessketten neu zu denken. Thematisch stellt das Recycling Atelier deshalb die Hochwertigkeit der geschaffenen Produkte und die recyclinggerechte Grundlage für die nächste Produktgeneration in den Vordergrund. Zudem wird es gleichzeitig auch Ausgangspunkt für ein neuartiges Konzept zur Aus- und Weiterbildung in einer Lernfabrik – damit nachhaltiges Denken fester Wissensbestandteil von Fachkräften ist und auch in Zukunft bleibt.«

KI-Ringvorlesung: Was bedeutet der Aufstieg von KI für unser Leben?

Technologischer Fortschritt führt oft zu Verbesserungen. Wir können effizienter und nachhaltiger produzieren. Aber: Wie jede technische Revolution, die beginnt, unseren Alltag zu durchziehen, stellt auch KI die Gesellschaft vor kritische Fragen. Macht KI unser Leben tatsächlich leichter oder wird der Mensch nur standardisiert? Kann KI für ihre Entscheidungen verantwortlich gemacht werden? Erspart sie uns monotone Tätigkeiten oder bedroht sie unsere Arbeitsplätze?

Diese und andere Fragen behandelt die interdisziplinäre Ringvorlesung »(R)evolution – Künstliche Intelligenz und menschliche Gesellschaft« der Hochschule Augsburg. Dort diskutieren KI-Expert*innen aus Forschung, Wissenschaft und Gesellschaft aktuelle Entwicklungen der KI und ihren Einfluss auf unser Zusammenleben. Dabei geht es um Themen wie autonomes Fahren, IT-Sicherheit, Datenschutz bei Spracherkennung, die Veränderung der Arbeitswelt und politische Mittel zur Steuerung von KI.

www.hs-augsburg.de/KI-Produktionsnetzwerk

 

Zum Foto: Staatssekretär Weigert übergibt die Förderurkunden. V.L.n.R.: Prof. Dr. Florian Kerber (HSA), Dr. Bärbel Götz (BMK professional electronics), Prof. Dr. Björn Häckel, wissenschaftlicher Leiter des KI-Produktionsnetzwerks an der HSA, Prof. Dr. Nadine Warkotsch, Vizepräsidentin für Forschung und Nachhaltigkeit an der HSA. © Hochschule Augsburg

Transfer als Kernkompetenz

Die Hochschule Augsburg (HSA) setzt im KI-Produktionsnetzwerk Erkenntnisse und Entwicklungen im Bereich KI in anwendbare Lösungen für die regionale Industrie und das Handwerk um. Transfer ist dabei eine der Kernkompetenzen der HSA. Sie nutzt ihre gute Vernetzung mit den Unternehmen der Region und darüber hinaus für eine passgenaue und schnelle Integration der entwickelten Lösungen – sei es physisch in produzierenden Anlagen und Infrastrukturen oder strategisch in das vorliegende Geschäftsmodell.

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Gastbeitrag von
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Alexander Lehner
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Alexander Lehner ist Ansprechpartner für die Öffentlichkeitsarbeit des KI-Produktionsnetzwerks an der Hochschule Augsburg. Dort betreut er zudem das TTZ Data Analytics sowie das Institut für innovative Sicherheit.

Die a3kultur-Redaktion dokumentierte bereits in den vergangenen Monaten KI-Anwendungsgebiete in Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft und sprach mit Expert*innen über die Möglichkeiten und Risiken dieser Technologie.

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