Klassik

Wundertüte »Wunschkonzert«

Renate Baumille...
8. Juni 2021

 

GMD Domonkos Héja erfüllte vor knapp 300 Zuhörenden, gemeinsam mit den energiereichen Augsburger Philharmonikern, auf wunderbare Weise sinfonische Publikumswünsche. Endlich durfte sich im 7. Sinfoniekonzert auch der junge Pianist Evgeny Konnov als souveräner Beethoven-Interpret präsentieren.

Und ja, gerne zugegeben: Als die Orchestermusiker (mit Maske) am Sonntagvormittag, anders als sonst üblich, durch die rechte Saaltür ihren Weg an den reduzierten Saalreihen vorbei aufs Konzertpodium nahmen, war das ein durchaus tief berührender Moment, der sicher nicht nur mir die Freudentränen in die Augen trieb. Als die Celli dann samtweich und mittlerweile ohne Masken Rossinis populäre und nicht allein dank der finalen Turbo-Blechpartien zum Ohrwurm gewordene »Wilhelm Tell«-Ouvertüre einleiteten, wurde das Glücksempfinden über das allzu lange Vermisste potenziert. Einmal mehr erwies sich, dass es einfach keine Alternative zur Erlebnisqualität der direkt, analog, live und unmittelbar von den Instrumenten auf der Bühne über die Raumakustik ins eigene Hörzentrum übertragenen Klangwellen gibt. Womöglich hat die Zwangspause das dafür zuständige Nervensystem sensibilisiert, in jedem Fall aber die deutliche Wahrnehmung für die immer und immer wieder postulierte Notwendigkeit von Live-Kultur-Genuss als Nahrung für Körper, Geist und Seele.

Einen ganz anderen emotionalen Freudentaumel löste der Auftritt des 1992 in Usbekistan geborene Pianist Evgeny Konnov aus, der als Preisträger zahlreicher namhafter Wettbewerbe weit über Augsburg (wo er 2019 auch noch den Kunstförderpreis kassierte) hinaus seinen Ruf als exzellenter Tastenvirtuose unter Beweis stellt. Wie kommt man dem Geheimnis seiner intensiven, unprätentiösen künstlerischen Präsenz (- höchstens an der Kunst des Verbeugens könnte Konnov noch ein wenig arbeiten…) auf die Spur? Scheinbar mühelos verschmilzt die Aneignung der kompositorischen »Wahrheiten« mit einem geschliffenen spieltechnischen Vermögen, das wiederum klanglich den vermeintlichen Gegensatz von Sanftmut und Kraft auflöst in Brillanz und in absoluter Prägnanz im Anschlag mündet. Virtuos nutzte Evgeny Konnov alle Handreichungen, die Beethovens »Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 in G-Dur« dem Solisten im hier wunderbar ausgewogenen Zusammenspiel mit dem Orchester u.a. mit der Fülle an thematischen Wendungen im Kontrastreichtum der drei Sätze überlässt. Zum Schönsten, die Hörer unmittelbar in höhere »Sphären« mitnehmend, gehörte neben der fulminanten Kadenz im ersten Satz das kantable und melancholische »Andante con moto«, an dessen Ende der Ton wie eine gelöste Frage lange im Raum weiterschwingen durfte. Und auch die Mozart- und Bach-Zugaben machten deutlich, dass man von Konnovs pianistischer Strahlkraft garantiert auch in Zukunft viel hören will und lesen wird!

Strahlend, beschwingt und mit stets wohl dosierter Energie wurde das sinfonische Wunschprogramm mit Felix Mendelssohn-Bartholdys erster Sinfonie auf (vor)klassische Weise abgerundet. Héja hatte in seiner kurzen Begrüßung des Publikums zuvor den großen »symbolischen« Wert betont, den dieses eigentlich für Dezember 2020 disponierte Sinfoniekonzert für ihn hat. Jetzt im Juni stand es mehr als aussagekräftig für den dringlichen Wunsch aller seiner Musiker*innen, endlich wieder vor und für das im Saal anwesende Publikum spielen zu dürfen und das bedankte sich mit langem Schlussapplaus! 

Weitere Termine sind am: 07. und 08. Juni 2021, jeweils um 20 Uhr.

www.staatstheater-augsburg.de

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