Theater & Bühne

Wie wollen wir leben?

Juliana Hazoth
25. Oktober 2021

Am Sonntag, den 17. Oktober konnte das Junge Theater Augsburg mit »Unter einem Dach?« nach pandemiebedingten Verschiebungen nun endlich Premiere feiern.

Mit der Frage nach dem Wohnen beschäftigt sich aktuell das Junge Theater Augsburg in seinem neuen Bürgerbühnenstück »Unter einem Dach?«. Dieses Teilhabeformat, bei dem die Texte aus den Biografien der mitspielenden Augsburger*innen entstehen, widmet sich immer persönlichen und gesellschaftlichen Themen unserer vielfältigen Stadt. Im neuesten Stück geht es also um unsere Wohnverhältnisse.

17 Mitspielende berichten von ihren eigenen Hintergründen: Wie und wo leben sie, mit wem zusammen, wie lange schon, und auch die Suche nach einer Wohnung ist Thema. Statt auf einer großen Bühne finden sich die »Expert*innen des Alltags« in kleinen Gruppen zusammen und erzählen an verschiedenen Stationen im Textil- und Industriemuseum von sich. Das Publikum wandert von Gruppe zu Gruppe, besucht sie an ihren Spielorten, bevor es zur nächsten Gruppe weiterzieht. Diese Theaterform ist nicht nur interessant, weil eher unüblich. Sie erinnert mit ihren ortversetzten Szenen auch an die verschiedenen Stadtteile Augsburgs und ihre Bewohner*innen, die hier besucht werden, und gibt so ein gelungenes Gesamtbild ab.

Obwohl sie keine professionellen Schauspieler*innen sind, tragen die Darstellenden ihre Geschichten beeindruckend sicher und zugleich liebevoll vor. Besonders schön ist, wie unterschiedlich sie alle sind. Die jüngste Darstellerin ist gerade 12, die älteste 75, sie kommen aus verschiedenen Ländern und familiären Hintergründen. Sie alle nehmen das Publikum mit in ihr Zuhause, erzählen ganz offen von ihrem Leben, ihrem Schicksal. Es ist mal emotional, mal spannend, mal humorvoll, immer echt. Und irgendwo in all diesen Erzählungen findet man vielleicht auch sich selbst und die eigene Geschichte wieder. Denn das ist es, was das Stück »Unter einem Dach?« ausmacht: Es verbindet uns alle.

Nicht nur einmal stellt man sich im Laufe des Abends deshalb auch selbst die Frage, wie man eigentlich leben möchte. In einer Wohnung oder einem Haus, aber auch mit welchen Nachbar*innen, in welchen Vierteln und warum eigentlich? In der vermeintlichen Banalität dieser Fragen liegt ihre Dringlichkeit, denn letztlich geht es nicht nur um die Wünsche und Bedürfnisse der Einzelnen, sondern um die Gemeinschaft. Die große Frage fällt schon früh am Abend: Leben wir auch gesellschaftlich unter einem Dach?

www.jt-augsburg.de

 

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