Literatur

Vom Denken fasziniert

Patrick Bellgardt
31. Mai 2014

Bei einem Philosophy Slam stellt der Vortragende seinen vorher ausgearbeiteten, philosophischen Gedanken vor einem Publikum und einer Fachjury dar. Jeder Slammer hat ungefähr zehn Minuten Zeit, die Zuhörer zu begeistern und die Juroren zu überzeugen. Im Mittelpunkt steht dabei allein der Gedanke. 2008 entwickelte Dr. Gerhard Hofweber das Konzept des Philosophy Slams in Augsburg und brachte so erstmals Philosophie auf die Bühne. Am 3. Juni um 20 Uhr feiert das »Ringen um Wahrheit« sein Comeback im tim. Grund genug, Dr. Hofweber für ein kurzes Gespräch in die a3kultur-Redaktion einzuladen.

Herr Hofweber, wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, Philosophie mit dem Slamformat zu verbinden?

Ich hatte damals mit einigen Studenten einen Philosophie-Stammtisch. Ich fand es immer schade, dass die dort diskutierten Gedanken meist in kleinen Zirkeln bleiben und niemand davon erfährt. Da kam uns spontan die Idee eines Philosophy Slams. Der Grundgedanke war, einen an sich schwierigen Sachverhalt so zu präsentieren, dass es für ein breites Publikum interessant ist. Bei dem Format sollte spürbar werden, was für eine Faszination vom Denken ausgeht.

Ist es für ein nichtakademisches Publikum überhaupt möglich, den Vorträgen zu folgen?

Die Beiträge sollen natürlich eine gewisse philosophische Dichte haben. Gleichzeitig wissen die Slammer jedoch, dass es sich größtenteils um ein nichtakademisches Publikum handelt. Dementsprechend bereiten sie ihre Texte vor. Dennoch kann es für die Zuhörer auch mal schwierig werden – Philosophie ist eben nicht einfach.

Wie sieht ein typischer Philosophy-Slammer aus?

Grundsätzlich sprechen wir ein sehr breites Spektrum an. In Innsbruck hatten wir des öfteren einen promovierten Philosophen dabei, in Augsburg war mit Bernhard Seiler aber auch schon ein Landwirt vertreten. Insgesamt sind es weniger die Leute, die bei anderen Slamformaten auftreten.

Im Zentrum des Philosophy Slams stehen zu Papier gebrachte Gedanken. Ist es nicht schwer, diese zu bewerten?

Eigentlich nicht. Im Laufe der Jahre bekommt man da eine gewisse Routine. Ich merke zum Beispiel schnell, ob ein Vortrag authentisch ist. Es ist grundsätzlich nicht wichtig, etwas Originelles vorzutragen, vielmehr kommt es auf die Substanz des Beitrags an.

Es gilt letztlich sowohl das Publikum, als auch eine dreiköpfige Jury zu überzeugen. Wer wird Ihnen am 3. Juni zur Seite sitzen?

In Augsburg gibt es ein festes Team, bestehend aus dem Leiter des tim, Dr. Karl Murr, und der Theologin Dr. Birte Platow. Beide sind von Haus aus zwar keine Philosophen, sind auf diesem Gebiet aber sehr beschlagen. Da Frau Platow gerade Mutter geworden ist, sind wir noch auf der Suche nach einem Jurymitglied. Den Juroren kommt beim Philosophy Slam übrigens auch eine Vermittlerrolle zu: Sie sollen die Vorträge für das Publikum einordnen und Gedankengänge nachvollziehbar machen.

Mit welchen Fragen setzen Sie sich momentan auseinander?

Ich habe mich in den letzten zwei Jahren weitestgehend mit zwei Fragen beschäftigt: Was ist Liebe? Was ist Wirklichkeit? Ich hatte das Gefühl, nie wirklich gewusst zu haben, was das ist. Auf beides habe ich inzwischen eine Antwort gefunden: Liebe ist die absolute Wirklichkeit, sie ist die Substanz unseres Daseins. Soweit ich das verstehe, gibt es nichts wichtigeres.

Mit dem 2009 gegründeten »Dr. Hofweber Institut« schlägt der Philosoph eine Brücke zwischen philosophischem Denken und ökonomischen Anforderungen. Dabei berät er Firmen wie Daimler oder Lufthansa in Sachen Personal- und Unternehmensentwicklung. Seit Anfang des Jahres organisiert Dr. Hofweber zusammen mit Pia Zachmann den Philosophy Slam im gesamten deutschsprachigen Raum. Tickets für das »Ringen um Wahrheit« in Augsburg gibt es ab sofort in der Buchhandlung am Obstmarkt und im tim.

www.philosophy-slam.de

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