Theater & Bühne

Vom Alptraum des Absurden

Bettina Kohlen
26. März 2018
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Zugegeben: Die Handlung ist etwas abstrus. Mit einem Potpourri der Unwahrscheinlichkeiten gerät das Ganze zu einer rechten Mantel-und-Degen-Schmonzette. Dennoch wird mehr als deutlich, wie durch einen Moment des Zauderns alles ins Rutschen gerät: Leonora und ihr Liebster Don Alvaro wollen gemeinsam fliehen, doch sie zögert. Ab dann sorgt »Die Macht des Schicksals« dafür, dass alles auf ein großes Scheitern zuläuft. Leonoras Vater wird erschossen und Rache wird geschworen. Krieg, Gelage und Buße in klösterlicher Abgeschiedenheit folgen. Am Ende stehen weitere Tote. Gewinner: keine.

André Bücker siedelt Verdis Oper im südamerikanischen Kokainbandenmilieu der 1980er an, Leonoras Vater ist ein Drogenbaron. In deren Schlafzimmer (Bühnenbild: Jan Steigert) spielt sich alles Kommende inmitten der kitschigen Überheblichkeit von blumigem Damast, Polsterbett, Porzellanhund und sakraler Attitüde ab. Nichts ist hier sicher, die großformatigen Porträts der Eltern entpuppen sich als recht lebendig und die nachgebenden Wände werden durchschritten. In diesem surreal beunruhigenden Setting erlebt Leonora das rabiat absurde Geschehen (vielleicht) als Alptraum …

Die Macht der Musik Verdis ist aber unbedingt real und packt von den ersten Takten der Ouvertüre zu, das Leitmotiv führt immer wieder zurück auf den auslösenden Moment des Zögerns, von dem aus es bergab geht. Die immer souveräner werdenden Augsburger Philharmoniker liefern hier mit ihrem Chef Domonkos Heja von der ersten Note an. 1a! Als weiterer Pfeiler des Musiktheaters erweisen sich Opernchor und Extrachor (Leitung: Katsiaryna Ihnatsyeva-Cadek), die mit ihrem überzeugenden Gesang und Spiel wesentlich das Bühnengeschehen tragen. Gastsängerin Rita Kapfhammer (Preziosilla) ist mit ihrer toughen klaren Note eine perfekte Wahl, Alejandro Marco-Buhrmester (Don Carlo) steigert sich aber leider erst allmählich. Als Don Alvaro ist der Gast Leonardo Gramegna zu hören, der zunächst mit strahlendem Klang überrascht, aber im Verlauf des Abends immer mal wieder deutlich daneben liegt. Das Ereignis dieser Inszenierung ist jedoch Sally du Randt, die als Leonora wunderbar und passgenau die Spanne zwischen mädchenhaftem Jubilieren und rauher illusionsloser Erkenntnis auslotet!

André Bücker hat der Macht des Schicksals überzeugend geantwortet – entstanden ist eine gelungene Inszenierung, die das absurd Zwangsläufige offenlegt.

www.theater-augsburg.de

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